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01.06.2017

21:38 Uhr

Unzulässige Software

Audi reagiert auf Dobrindt-Vorwürfe – Rückruf von 24.000 Autos

VonStefan Menzel

Laut Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hat Audi bei rund 24.000 Fahrzeugen eine unzulässige Abgas-Software genutzt. Die Reaktion folgt prompt – Audi entschuldigt sich öffentlich und ruft 24.000 Fahrzeuge zurück.

Der Autobauer ruft 24.000 Fahrzeuge zurück. dpa

Audi

Der Autobauer ruft 24.000 Fahrzeuge zurück.

BerlinDie VW-Tochter Audi hat nach Worten von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) unzulässige Abgas-Software verwendet. Die Software habe bewirkt, dass erkannt wurde, wenn das Auto auf einem Prüfstand war – dann wurden die Abgas-Reinigungssysteme angeschaltet. Es seien rund 24.000 Fahrzeuge betroffen, sagte Dobrindt am Donnerstag in Berlin.

Am Mittwoch seien Auffälligkeiten bei Modellen Audi A8 und A7 mit V6- und V8-Dieselmotoren bekannt geworden. Es handele sich um Fahrzeuge der Baujahre 2009 bis 2013. Am Donnerstag habe er dann mit VW-Chef Matthias Müller darüber gesprochen, sagte der Minister. Müller ist zugleich auch Aufsichtsratsvorsitzender bei Audi.

Der Autobauer reagierte noch am Abend mit einem Rückruf der 24.000 Autos mit diesem Motor. „Bei jüngsten Analysen von Automobilen der Modelljahre 2010 bis 2013 der Modellreihen A7 und A8 mit V6- und V8-Motoren nach Abgasnorm EU5, zeigten sich in bestimmten Situationen NOx-Überschreitungen zwischen 20 und 100 Prozent des Grenzwerts“, heißt es in einer Mitteilung. „Da nur eine neue Software aufgespielt wird, beträgt der Zeitbedarf für diese Maßnahme etwa 30 Minuten. “

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Ein Sprecher betonte auf Anfrage, dass die Ingolstädter VW-Tochter eng mit den Behörden zusammenarbeite. Aus Unternehmenskreisen verlautete ergänzend dazu, dass Audi die überhöhten Stickoxid-Werte der betroffenen Fahrzeuge bei eigenen Tests selbst aufgefallen sei. Der Konzern habe daraufhin die Behörden darüber informiert. Wie es dazu weiter hieß, habe Audi zusammen mit den deutschen Behörden an einer Lösung des Problems gearbeitet. Wahrscheinlich hätte es nicht mehr allzu lange gedauert, die überhöhten Emissionswerte in den Griff zu bekommen. Audi sei deshalb davon überrascht worden, dass der Minister damit jetzt an die Öffentlichkeit getreten ist.

14.000 der 24.000 Autos seien in Deutschland zugelassen, heißt es in der Mitteilung. Der Rückruf beginnt voraussichtlich im Juni. „Audi wird auch weiterhin vollumfänglich mit den Behörden und dem Kraftfahrtbundesamt zusammenarbeiten und entschuldigt sich bei seinen Kunden für die Unannehmlichkeiten und setzt alles daran, die gefundenen Auffälligkeiten so schnell als möglich zu korrigieren“, so der Konzern es weiter.

Audi und VW hatten bereits in einem milliardenschweren Vergleich mit dem US-Justizministerium eingeräumt, dass sie in den USA rund 83.000 Autos mit Audi-Dieselmotoren und einer dort illegalen Software verkauft hatten, die niedrigere Abgaswerte angibt. Die Diesel-Verfahren hatten Audi im vergangenen Jahr 1,86 Milliarden Euro gekostet.

Audi-Chef Rupert Stadler sagte bei der Jahrespressekonferenz im März diesen Jahres: „Als Konsequenz aus der Diesel-Affäre stellen wir bei Audi alles auf den Prüfstand.“ Die Aufarbeitung sei „noch lange nicht abgeschlossen“. Aber sein Unternehmen tue alles, „dass so etwas wie die Diesel-Affäre bei uns nie wieder passiert“.

Während der Jahrespressekonferenz hatten mehr als 100 Polizisten und Staatsanwälte die Zentrale des Autobauers, weitere Standorte und Wohnungen von Mitarbeitern durchsucht. Die Staatsanwaltschaft hatte „ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen des Verdachts des Betruges und der strafbaren Werbung“ eingeleitet. Mit den Aktionen soll geklärt werden, wer an der Verwendung der manipulierten Abgas-Software und an Falschangaben beteiligt gewesen war.

Dobrindt hatte kurz nach Beginn des VW-Abgasskandals im September 2015 die „Untersuchungskommission Volkswagen“ eingesetzt. Bestehend aus Fachleuten des Bundesverkehrsministeriums, des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) sowie wissenschaftlicher Begleitung durch den Münchner Professor Georg Wachtmeister, bewertete sie zum einen die Auswirkungen des VW-Abgasskandals. Zum anderen sollte sie prüfen, ob auch für Diesel-Fahrzeuge anderer Hersteller unzulässige sogenannte Abgas-Abschalteinrichtungen verwendet wurden.
Im Abgas-Skandal geht es um weltweit rund 11 Millionen betroffene Fahrzeuge der VW-Gruppe. Darunter sind auch Wagen etwa von Audi, Skoda und Seat. In Deutschland gibt es rund 2,6 Millionen Autofahrer mit einem manipulierten Diesel des Konzerns, davon sind inzwischen knapp 1,75 Millionen Fahrzeuge umgerüstet.

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