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12.01.2010

18:35 Uhr

US-Aluminiumhersteller

Alcoa schreibt unerwartet Verluste

VonMartin Murphy

Der US-amerikanische Aluminiumhersteller Alcoa hat im abgelaufenen Quartal unerwartet einen Verlust ausgewiesen. Vor allem eine EU-Strafzahlung ist dafür verantwortlich. Das operative Geschäft erholt sich dagegen. Die Investoren reagierten enttäuscht auf die Zahlen.

Alcoa-Chef Klaus Kleinfeld warnt vor einer Abwanderung der Industrie aus Europa. dpa

Alcoa-Chef Klaus Kleinfeld warnt vor einer Abwanderung der Industrie aus Europa.

FRANKFURT. Verantwortlich für den Verlust sind Belastungen aus den italienischen Werken. Aus Sicht der EU-Kommission hatte Alcoa für zwei Standorte in Italien seit 2006 zu Unrecht Preisnachlässe beim Stromeinkauf erhalten.

Für die von der EU verordnete Nachzahlung musste der Konzern im Schlussquartal 250 Mio. Dollar zurückstellen, wie Finanzvorstand Chuck McLane bei der Bilanzvorlage sagte. Unter dem Strich blieb ein Fehlbetrag von 277 Mio. Dollar. Im dritten Quartal hatte Alcoa noch einen Überschuss erzielt.

Investoren reagieren enttäuscht

Die Investoren zeigten sich von der Bilanz enttäuscht und schickten die Aktie auf Talfahrt. Alcoa ist traditionell das erste US-Schwergewicht, das Quartalszahlen vorlegt.

An den Problemen von Alcoa in Italien zeigt sich das Dilemma, in dem sich auch andere Metallhersteller befinden. Für die Produktion von Aluminium oder Kupfer sind große Mengen an Strom erforderlich. Die größte deutsche Alu-Hütte, das Neusser Rheinwerk, verbraucht so viel Strom wie die Stadt Düsseldorf.

Da Strom in Europa aber erheblich teurer ist als in anderen Weltregionen, sehen sich die hiesigen Unternehmen im Wettbewerb benachteiligt. Italien wie auch Frankreich gewähren ihren energieintensiven Industrien daher besondere Konditionen beim Stromeinkauf.

Die deutsche Regierung lehnt dies ab. Wegen der Krise wollte Berlin den Metallfirmen für das vergangene Jahr aber eine Einmalentlastung von 40 Mio. Euro gewähren. Die EU lehnte dies ab, die Bundesregierung unternimmt nun einen neuen Anlauf.

Sollte die Industrie keine Entlastung erhalten, will sie Produktionsstandorte ins Ausland verlagern. Am stärksten ist das zu Norsk Hydro gehörende Rheinwerk bedroht. Die Norweger haben bereits eine Fabrik in der Golfregion eröffnet, die dank günstiger Stromtarife billiger Aluminium schmelzen kann.

Alcoa-Chef Klaus Kleinfeld warnte daher vor einer Abwanderung der Industrie aus Europa. Aber auch den Konzern zieht es an den Golf. Gemeinsam mit einem lokalen Partner will Alcoa ein Werk in Saudi-Arabien bauen.

Operativ lief es bei Alcoa im Schlussquartal besser. Die Produktion zog wieder an, und der Umsatz des Konzerns blieb mit 5,4 Mrd. Dollar nur leicht hinter dem Vorjahreswert zurück.

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