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28.02.2013

16:14 Uhr

US-Aufsichtsbehörde

Flugerlaubnis für Dreamliner in weiter Ferne

Es könnte noch eine Weile dauern, bis Boeings Prestige-Flieger Dreamliner wieder Luft unter den Flügeln hat. Mit einem Umbau soll die bestehende Akku-Problematik gelöst werden. Doch selbst der muss erst genehmigt werden.

Eine Boeing-Maschine des Typs 787 Dreamliner auf dem Flughafen von Everett, Washington: Die Flugzeuge müssen vorerst weiter am Boden bleiben. Reuters

Eine Boeing-Maschine des Typs 787 Dreamliner auf dem Flughafen von Everett, Washington: Die Flugzeuge müssen vorerst weiter am Boden bleiben.

WashingtonEine Aufhebung des Flugverbotes für Boeings Dreamliner liegt nach Einschätzung der US-Flugaufsicht FAA noch in weiter Ferne. Sollte die FAA den Umbau-Plänen für die defektanfälligen Lithium-Ionen-Batterien zustimmen, würden „umfangreiche Tests, Analysen und Umbauten fällig, bevor diese Flugzeuge wieder abheben“, sagte der Vorsitzende der Behörde, Michael Huerta, am Mittwoch (Ortszeit) vor Abgeordneten in Washington. Nach einer Pannenserie hatte die FAA Mitte Januar ein weltweites Flugverbot für die insgesamt 50 Boeing 787 verhängt.

Boeing hatte der Flugaufsicht in der vergangenen Woche vorgeschlagen, durch verschiedene Umbauten ein abermaliges Überhitzen der komplexen Batterien zu verhindern. Diese Modifizierungspläne will die FAA bis Anfang März prüfen. Die Lithium-Ionen-Akkus sind deutlich effizienter als die in der Luftfahrt üblichen Nickel-Cadmium-Batterien. Doch nach einer erzwungenen Notlandung und der Rauchentwicklung bei einem parkenden Dreamliner hat Boeings einstiges Prestigeprojekt erheblichen Schaden genommen.

Boeings beste Kunden im Jahr 2012

Platz 10

Air China - 14 ausgelieferte Flugzeuge

Besonders auf der Langstrecke vertraut die chinesische Airline auf die Boeing 777. Zuletzt unterschrieb die Airline einen Kaufvertrag für die 747-800.

Platz 9

China Southern - 15 ausgelieferte Flugzeuge

Seit Anfang 1990 setzt die chinesische Airline Boeing-Maschinen ein. Neben der 737 und der 767, sollen bald auch einige Boeing 777 in die Flotte aufgenommen werden.

Platz 8

Aviation Capital Group - 16 ausgelieferte Flugzeuge

Mit einer Bestellung von 60 Flugzeugen vom Typ 737 Max sorgte die Leasinggesellschaften für eine turbulenten Start ins Jahr. Bereits im Vorjahr gehörte das US-Unternehmen zu den Großkunden von Boeing.

Platz 7

Emirates - 17 ausgelieferte Flugzeuge

Mit ihrem erfolgreichen Expansionskurs setzten die arabischen Airlines ihre europäische Konkurrenz unter Druck. Durch einen Riesenauftrag über 60 neue 777 gehört auch Boeing zu den Profiteuren.

Platz 6

All Nippon Airways - 19 ausgelieferte Flugzeuge

Die Japaner waren die erste Fluggesellschaft, die den "Dreamliner" in die Flotte aufnehmen durfte.

Platz 5

GECAS - 20 ausgelieferte Flugzeuge

Die Flugzeugleasingsparte von General Electrics gehört ebenfalls zu den Großkunden. Durch einen Auftrag über 100 Boeing 737 dürfte sich daran in den nächsten Jahren nichts ändern.

Platz 4

Ryanair - 20 ausgelieferte Flugzeuge

Der irische Billigflieger droht zwar immer wieder damit, zu anderen Flugzeugherstellern zu wechseln. Bisher besteht die Flotte aber ausschließlich aus Flugzeugen vom Typ Boeing 737.

Platz 3

Lion Air - 22 ausgelieferte Flugzeuge

Ein 22-Milliarden-Dollar-Auftrag der indonesischen Airline ließ die Branche im Februar 2012 aufhorchen. Auch die Südostasiaten setzen auf die 737.

Platz 2

American Airlines - 25 ausgelieferte Flugzeuge

Die amerikanische Airline mit den Silberpfeilen muss dringend ihre Flotte modernisieren und setzt auf Flugzeuge aus der Heimat.

Platz 1

Southwest Airlines - 25 ausgelieferte Flugzeuge

Gleichauf liegt Konkurrent Southwest, der seine Flotte mit 208 neuen Boeing 737 aufrüsten will und dafür die stolze Summe von 19 Milliarden Dollar investiert.

„Ich sehe keinen Grund, der gegen die Anwendung dieser Technologie spricht“, sagte der Chef der zivilen Luftfahrtabteilung des Boeing-Konzerns, Ray Conner, am Donnerstag in Tokio. Conner führte eine Delegation an, die den japanischen Behörden den Reparaturplan vorstellen soll. Die Batterien der Boeing 787 werden von dem japanischen Unternehmen GS Yuasa hergestellt.

Pannenserie des Boeing Dreamliner

Produktionsprobleme

Vor allem die anspruchsvolle Konstruktion der 787, die aus vielen Karbonteilen besteht, hatte zu langen Verzögerungen bis zur ersten Auslieferung geführt. Ein Jungfernflug war ursprünglich für August 2007 vorgesehen, er fand schließlich am 15. Dezember 2009 statt.

Ermahnungen wegen Triebwerken

Im September 2012 hatte die amerikanische Transportsicherheitsbehörde vor Problemen mit bestimmten Dreamliner-Triebwerken des Lieferanten General Electric (GE) gewarnt. Die Flugaufsichtsbehörde wurde zu Kontrollen ermahnt. Der Konzern änderte die Beschichtung von Triebwerkteilen, um dem Problem Herr zu werden.

Explosion eines Triebwerks

Noch vor der Inbetriebnahme einer neuen Boeing 787 hatte im Juli 2012 ein Triebwerk einer für Air India vorgesehenen Maschine bei einem Rolltest in den USA Probleme bereitet. Ein Bauteil brach und führte zu einer Explosion des Antriebsaggregats.

Bauchschmerzen bei Air India

In den ersten Monaten nach der Inbetriebnahme von drei Dreamlinern für Air India im Jahr 2012 gab es immer wieder Probleme – etwa mit dem Kühlungssystem der Maschinen. Indische Medien berichteten, dass eigentlich immer ein Flugzeug aus dem Trio wegen Problemen am Boden bleiben musste.

Probleme mit der Elektronik

Im Dezember 2012 war eine 787 von United Airlines zu einer Notlandung gezwungen, nachdem einer von sechs Stromgeneratoren an Bord den Dienst versagte, eine zweite Maschine hatte ähnliche Probleme.

Explodierte Batterie

Anfang Januar 2013 löste eine Explosion an Bord eines Boeing Dreamliner einen Brand an Bord einer Japan-Airlines-Maschine am Flughafen von Boston aus. Die Probleme erweisen sich als folgenschwer: Mehrere Wochen werden sämtliche 787 weltweit von den Aufsichtsbehörden am Boden gehalten.

Treibstoffleck

Ebenfalls ein Japan-Airlines-Jet war im Januar 2013 von einem Treibstoffverlust betroffen, der zu einem Abbruch eines Starts – ebenfalls in Boston – führte. Bereits im Dezember hatten alle Boeing-Flugzeuge des Typs 787 am Boden bleiben müssen. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hatte eine Überprüfung der Maschinen angeordnet, nachdem bei zwei der Flugzeuge Treibstoff ausgelaufen war.

Bremsprobleme

Wegen Problemen mit den Bremsen einer Maschine strich die japanische Fluggesellschaft All Nippon Airways (ANA) einen Inlandsflug nach Tokio. Als Grund nannte eine ANA-Sprecherin eine Störung des Computers, der das Bremssystem steuert. Der Computer sollte ausgetauscht werden.

Notlandung

Nach einem im Cockpit angezeigten Batteriedefekt und einem ungewöhnlichen Geruch an Bord, macht ein ANA-Dreamliner in Japan Mitte Januar 2013 einen Notlandung. Zunächst wird die gesamte Flotte von 17 Maschinen des Typs außer Dienst genommen – der Konkurrent Japan Airlines folgt dem Beispiel.

Peilsender fängt Feuer

Im Juli 2013 fängt ein Notfall-Peilsender einer abgestellten Boeing 787 auf einem Londoner Flughafen Feuer – auch hier soll ein Akku Grund für den Brand gewesen sein.

Toilette defekt

Wegen einer Störung in der Toilettenanlage ist ein Boeing 787 Dreamliner der Japan Airlines (JAL) umgekehrt, nachdem er bereits fünf Stunden auf dem Weg von Moskau nach Tokio unterwegs war. An Bord seien 141 Passagiere gewesen, sagte ein JAL-Sprecher. Als Ursache werde ein technischer Defekt vermutet.

Conner dementierte Medienberichte, wonach GS Yuasa die Umbaupläne auf die Dauer für unzureichend halte. Der Boeing-Manager versicherte, die vorgeschlagenen Änderungen seien „eine dauerhafte Lösung“ für die Akku-Probleme. GS Yuasa, ein Auftragnehmer von Boeings französischem Subunternehmer Thales, wollte die Medienberichte nicht kommentieren.

Von

afp

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

28.02.2013, 19:13 Uhr

Boing und EADS sollten sich vielleicht mal bei der Firma Li-Tec....GmbH in Kamenz umschauen.
Dort gibt man bei der Produktion von Lithium-Ionen Akkus ächtig Gas.
Die etwa 50% Tochter von Daimler Benz und Evonik verwenden sehr dünne und besonders effiziente Seperatoren mit dem Markennamen Separion, einer Enwicklung von Degussa-Evonik aus Marl, die die Temperaturproblematik eigentlich weitgehend erschlagen sollte.
Es ist ja eigentlich einfach solche Probleme in den Griff zu bekommen, wenn man genug Platz läßt, aber davon hat man halt wenig, sowohl im Auto wie auch im Jet.
Diese Folie könnte entscheidende Vorteile bringen.

Account gelöscht!

01.03.2013, 14:23 Uhr

das wäre aber nur ein workaround für ein Problem, dessen Ursache nach wie vor nicht bekannt ist. In der Luftfahrt mit ihren sehr hohen Sicherheitstandards sehr unbefriedigend. Bei Aufladetests vor einigen Jahren hat man unfreiwillig ein ganzes Gebäude abgefackelt.

Außerdem, solange man nicht weiß, was die Ursache der Brände ist, weiß man im Prinzip auch nicht, ob es weitere damit verbundene aber noch unentdeckte Probleme gibt.

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