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04.07.2012

14:27 Uhr

US-Automarkt

Das Land der unbegrenzten Beschleunigung

VonLukas Bay

Die USA werden für die deutschen Autobauer zum wichtigsten Wachstumstreiber. In den Staaten streben VW, Daimler und BMW immer neue Verkaufsrekorde an - während der Heimatmarkt schwächelt.

Der BMW X5 wird in den USA gefertigt.

Der BMW X5 wird in den USA gefertigt.

DüsseldorfWarum nur sind deutsche Autos so erfolgreich, fragte kürzlich das US-Wirtschaftsmagazin „Fortune“ sich und seine Leser. Die Autoren dachten nach, und heraus kam eine Liste mit zehn Punkten, die jeden PR-Manager bei BMW, Porsche oder Mercedes jubeln lassen würden. Tolle Technologie, heißt es da zum Beispiel, starke Marken, außerdem hätten die Deutschen schließlich das Automobil erfunden. Neben den zehn Gründen seien sie dann auch noch schlau, arbeiteten hart und hätten Schwung. „Achtung, Baby“, lautete die Überschrift.

Ob „Porsch“, „Bi Äm Dubbelju“ oder „Wolkswägen“ - deutsche Autos finden in den USA reißenden Absatz, während die Verkäufe in Europa stagnieren. Im laufenden Jahr soll der US-Markt wieder auf mehr als 14 Millionen verkaufte Autos anwachsen. Die deutschen Hersteller wollen vorne mitmischen.

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Dazu müssten sie die Vorherrschaft der „Big Three“ brechen: Ford, General Motors und Chrysler produzieren immer noch rund 47 Prozent aller US-Neuwagen. Auch das zeigt: Der US-Autofahrer ist Patriot und kauft bevorzugt Fahrzeuge, die in der Heimat gebaut werden. Damit die deutschen Hersteller aufschließen können, brauchen sie eigene Werke in den USA.

Durch den schwacher Dollar und hohe Subventionen waren Investitionen in den Staaten noch nie so günstig wie im Moment. Auch die Produktion fällt günstiger aus, wenn die Deutschen in den USA produzieren, statt Wagen zu importieren: Die Energiekosten in den Staaten sind niedrig, das Arbeitsrecht ist deutlich flexibler als in Europa.

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Bisher ist Toyota die erfolgreichste ausländische Marke. Mit Volkswagen versucht seit einigen Jahren auch wieder ein deutscher Massenhersteller, sich auf dem US-Markt zu etablieren. Dabei waren die Wolfsburger vor 20 Jahren mit Werken in Pennsylvania gescheitert. Im vergangenen Jahr setzte Volkswagen in den USA rund 440.000 Autos ab. Spätestens 2018 sollen es eine Million sein. Keine deutsche Marke wächst in den USA derzeit schneller. Allein im Juni legten die Verkäufe um 34 Prozent auf rund 38.200 Fahrzeuge zu. Tochter Audi baute den Absatz um 26 Prozent auf rund 12.700 Fahrzeuge aus.

Die besten Autokonzerne im US-Qualitätsranking

Platz 20

Lincoln (USA)

Die Nobeltochter von Ford schneidet ebenfalls besser ab als der Mutterkonzern. Mit 107 Beschwerden auf 100 Neuwagen ist die Qualität aber immer noch weit von der Spitze entfernt.

Platz 19

Kia (Korea)

Die Koreaner gehören zu den am stärksten wachsenden Autokonzernen der Welt. In der Qualität schlägt sich das bisher noch nicht nieder. 107 Beschwerden auf 100 Neuwagen lassen noch viel Luft nach oben.

Platz 18

Hyundai (Korea)

Auch der koreanische Mutterkonzern von Kia kommt im US-Qualitätsranking auf einen Mittelfeldplatz. 107 Beschwerden auf 100 Neuwagen sind unterdurchschnittlich.

Platz 17

Buick (USA)

Die goldenen Zeiten der General-Motors-Tochter liegen in der Vergangenheit. Auch im US-Qualitätsranking ist die Marke Mittelmaß. 106 Beschwerden auf 100 Neuwagen sind nahe dem Durchschnitt.

Platz 16

Audi (Deutschland)

Von den drei deutschen Premiumherstellern schneidet die Marke aus Ingolstadt am schlechtesten ab. Das Ergebnis ist mit 105 Beschwerden auf 100 Neuwagen sogar leicht unterdurchschnittlich.

Platz 15

Chevrolet (USA)

International will GM die Marke massiv ausbauen. In den Augen der US-Verbraucher hat die Marke eine mittelmäßige Qualität. Sie kommt auf 100 Beschwerden auf 100 Neuwagen.

Platz 14

Ram (USA)

Die Chrysler-Tochter ist ein Ableger des berühmten Dodge-Modells Ram. Erstaunlicherweise schneidet die Marke im Qualitätsranking aber deutlich besser ab. 99 Beschwerden auf 100 Neuwagen reichen für das obere Drittel.

Platz 13

Nissan (Japan)
Mit dem Nissan Leaf gehörten die Japaner zu den ersten Autoherstellern, die in den USA ein reines Elektroauto an den Start brachten. Im Qualitätsranking verpassen sie die Top Ten mit 99 Beschwerden auf 100 Neufahrzeuge nur knapp.

Platz 12

GMC (USA)

Die US-Geländewagen drängen auf den europäischen Markt. Die US-Verbraucher schätzen die GM-Tochter für ihre Qualität. Sie kommt ebenfalls auf 99 Ausfälle auf 100 Neuwagen.

Platz 11

Mazda (Japan)

Einst führte der US-Hersteller die Japaner aus der Krise. In der Qualität führen sie mittlerweile den Retter vor. Mit 97 Beschwerden auf 100 Neuwagen verpassen sie einen einstelligen Platz nur knapp.

Platz 10

BMW (Deutschland)

Die Münchener gehören zu den großen Gewinnern im diesjährigen Qualitätsranking und machen vier Plätze gut. Mit 97 Problemen auf 100 Neufahrzeuge schaffen sie erstmals den Sprung in die Top Ten.

Platz 9

Mercedes-Benz (Deutschland)

Der große Konkurrent Mercedes gehört dagegen zu den den großen Verlierern, auch wenn der Platz in der Top Ten verteidigt werden konnte. Im Ranking rutschen die Stuttgartern mit 96 Beschwerden von vierten auf den neunten Platz ab.

Platz 8

Toyota (Japan)

Auch den Japanern eilt der Qualitätsruf voraus. Zurecht, wie das Ranking zeigt. 88 Probleme auf 100 Neuwagen sind ein Wert, der deutlich besser ist als der Durchschnitt.

Platz 7

Infiniti (Japan)

Auf dem europäischen Markt hat Nissans Nobelmarke keine Chance, in den USA kommt die Marke besser ins Rollen. 84 Probleme auf 100 Neuzulassungen sind ein Spitzenwert.

Platz 6

Acura (Japan)

Auch die in Europa eher unbekannte Nobelmarke von Honda schneidet im Ranking gut ab. Sie kommt ebenfalls auf 84 Probleme bei 100 Neuwagen.

Platz 5

Honda (Japan)

Der zweitbeste asiatische Autohersteller im Ranking ist auch einer der führenden Motorenhersteller. Die US-Verbraucher bewerten die Modelle als sehr zuverlässig. Auf 100 Neuwagen kommen nur 83 Probleme.

Platz 4

Cadillac (USA)

Die GM-Tochter ist der härteste Wettbewerber der Ford-Tochter Lincoln, schneidet im Qualitätsvergleich aber deutlich besser ab. 80 Ausfälle pro 100 Neuwagen sind ein Wert, mit dem Cadillac das Treppchen nur knapp verpasst.

Platz 3

Porsche (Deutschland)

In Zuffenhausen können die Korken knallen. Der Sportwagenbauer ist erneut die beste deutsche Marke im Qualitätsranking und verpasst die Spitze nur knapp. 75 Probleme pro 100 Neuwagen sind ein sehr guter Wert.

Platz 2

Jaguar (Großbritannien)

Die britische Traditionsmarke gehört mittlerweile zum indischen Autobauer Tata Motors. Auf die Qualität hat das offenbar keine Auswirkungen. 75 Ausfälle pro 100 Neuwagen reichen für einen Platz an der Spitze.

Platz 1

Lexus (Japan)

Die Krone im Qualitätsranking geht an die Nobeltochter von Toyota. Keine Marke schneidet bei den US-Verbrauchern besser ab. 73 Beschwerden auf 100 Neuwagen liegen deutlich unter dem Durchschnitt.

„Nordamerika ist sicher ein Schlüsselmarkt“, sagte VW-Chef Martin Winterkorn in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“. Der eigens für die USA entwickelte Passat, der etwas größer und mit weniger Elektronik als sein deutsches Pendant daher kommt, hat sich für die Wolfsburger zu einem Verkaufsschlager entwickelt. Das Modell wird in Chattanooga, Tennesse, gebaut - zuletzt hatte Volkswagen die Kapazitäten erweitert.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

04.07.2012, 14:31 Uhr

Woran das wohl liegt? *lach* Man sollte sich mal langsam überlegen, wo wir eigentlich leben, dass sich für mich der Import eines Deutschen Autos aus den USA inzwischen schon eher lohnt als das DEUTSCHE Auto Zuhause vor Ort zu kaufen.

Auch hier muss man wieder sagen...die kranke Politik machts möglich.

Account gelöscht!

04.07.2012, 14:36 Uhr

oh, der berwanger wieder.

werden sie's nicht langsam müde (so wie ich), zu ALLEM ihren kommtar abzugeben?

wenn sie in deutschland doch ach so unglücklich sind, warum wandern Sie nicht aus?

in antarktika gibt's keine politik...

Account gelöscht!

04.07.2012, 14:45 Uhr

you made my day....

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