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22.06.2014

21:46 Uhr

US-Behörden ermitteln gegen Alstom wegen Korruption

Heimliche Genugtuung für Siemens

General Electric hat sich beim Kampf um Alstom durchgesetzt. Siemens räumte die Niederlage ein. Aber ist es das wirklich? Oder ist es in Wahrheit der Münchener Konzern, der zuletzt lacht? GE steht schon Ärger ins Haus.

Die französische Regierung hatte sich ebenfalls für die Offerte der Amerikaner ausgesprochen - und damit gegen die von Siemens-Chef Joe Kaeser und Mitsubishi Heavy Industries. dpa

Die französische Regierung hatte sich ebenfalls für die Offerte der Amerikaner ausgesprochen - und damit gegen die von Siemens-Chef Joe Kaeser und Mitsubishi Heavy Industries.

New York/München/Hamburg/ParisWar das jetzt Enttäuschung, die in den Worten von Siemens-Chef Joe Kaeser mitschwang, als er am Freitagabend seine Niederlage im Milliardenpoker um Alstom eingestand? Oder freute sich hier einer der mächtigsten Konzernlenker Deutschlands darüber, seinem US-Erzrivalen General Electric die Übernahme des französischen Industriekonzerns so schwierig wie möglich gemacht zu haben?

Siemens habe zusammen mit seinem japanischen Partner Mitsubishi Heavy Industries „nachweislich das bessere Angebot“ vorgelegt, erklärte Kaeser in einer halbseitigen Mitteilung, die die Siemens-Pressestelle kurz vor 22 Uhr verschickte. Statt zu grollen, feierte Kaeser sich und sein Team: „Wir haben in der Auseinandersetzung um Alstom Handlungsfähigkeit, unternehmerischen Willen, strategische Finesse und letztlich vor allem auch Disziplin bewiesen.“

Die neuen Gebote von Siemens und GE

Angebote aufgestockt

Das Bündnis von Siemens und Mitsubishi Heavy Industries (MHI) und der konkurrierende US-Konzern General Electric (GE) haben ihre Angebote für den französischen Technologiekonzern Alstom aufgestockt. Eine Übersicht über die Pläne, die am Donnerstag und Freitag vorgestellt wurden.

Siemens/MHI – Sahnestück höher bewertet

Siemens kauft Alstom das Gasturbinengeschäft für 4,3 Milliarden Euro ab und zahlt damit 400 Millionen Euro mehr als anfangs geplant. Die Deutschen haben sich das Sahnestück aus dem Portfolio des französischen Konzerns nach eigenen Angaben noch einmal genauer angeschaut und bewerten es nun höher als bisher.

Höherer MHI-Anteil bei Energietechnik

MHI beteiligt sich mit 40 Prozent an weiteren Energietechnikgeschäften der Franzosen, nämlich Dampfturbinen- und Nukleartechnik, Wasserkraft und Netzausrüstung. Dafür zahlen die Japaner 3,9 Milliarden Euro. Die Aufstockung von 800 Millionen Euro über dem bisherigen Angebot begründen sie damit, dass man nun einen höheren Anteil anstrebe. Bisher hatten sie drei Einzelbeteiligungen zwischen 20 und 40 Prozent vorgesehen.

400 Millionen Euro Barmittel mehr

Mit der Barzahlung von zusammen 8,2 Milliarden Euro bewerten die Partner die Alstom-Energiesparte nun mit insgesamt 14,6 Milliarden Euro, 400 Millionen mehr als bisher. Unangetastet bei Alstom verbleiben die Sparte für Windkraft und weitere Erneuerbare Energien sowie zunächst auch der Zugbau.

Schnellere Bahnkooperation

Der ICE-Hersteller Siemens will eine Kooperation mit dem TGV-Produzenten Alstom nun schneller vorantreiben als bisher. Statt erst nach dem angestrebten Energietechnik-Deal über einen möglichen europäischen Primus im Bahntechnikgeschäft zu sprechen, bietet Siemens nun an, schon einmal ein Gemeinschaftsunternehmen für Mobilitätsmanagement und Signaltechnik in Angriff zu nehmen.

1000 neue Jobs

Die Konsortialpartner versprechen den Franzosen 1000 neue Jobs und weitere 1000 Ausbildungsplätze.

General Electric – Goldene Aktie für Frankreich

GE plant drei Gemeinschaftsunternehmen mit Alstom, an denen beide Firmen jeweils zur Hälfte beteiligt sein sollen: Die Netztechnik beider Konzerne soll zusammengelegt werden, außerdem steigt GE im Wind- und Wasserkraftgeschäft und im Nuklear- und Dampfturbinengeschäft der Franzosen ein. Um die französische Regierung zu beruhigen, soll sie bei dem geplanten Atomkraftausrüster eine Goldene Aktie mit Vetorecht erhalten und Patente der Sparte in einer staatlichen Gesellschaft verwalten. Bisher hatte GE das Energiegeschäft komplett übernehmen wollen.

Angebot für Energiesparte unverändert

Der US-Konzern bewertet die Alstom-Energiesparte nach wie vor mit 12,35 Milliarden Euro. GE machte die geplante Barzahlung an Alstom nicht publik, betonte aber, sie liege über dem nachgebesserten Angebot von Siemens und MHI.

Signaltechnik an Franzosen

In der Bahntechnik will GE ähnlich wie Siemens ein Bündnis mit Alstom schmieden. Unter anderem wollen die Amerikaner ihre Signaltechnik an die Franzosen verkaufen.

Gleiches Arbeitsplatzversprechen

GE verspricht Regierung und Gewerkschaften die Schaffung 1000 neuer Arbeitsplätze in Frankreich.

War am Ende alles nur Taktik, um General Electric zu teuren und zeitraubenden Zugeständnissen zu bewegen? Siemens wollte sich zwar Alstoms Gasturbinen einverleiben und damit das Filetstück des französischen Konzerns, doch hätte die spätere Integration schon angesichts des erbitterten Widerstands von Alstom-Chef Patrick Kron vermutlich unter keinem guten Stern gestanden.

Als problematisch gilt auch der Einfluss der französischen Regierung, die in wichtige Entscheidungen der großen Industrieunternehmen des Landes immer wieder hineinredet. So verkündete zunächst nicht Alstom das Aus für Siemens, sondern Frankreichs Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg. Erst einen Tag später - am Samstag kurz vor Beginn des Länderspiels Deutschland gegen Ghana - akzeptierte auch der eigentlich zuständige Verwaltungsrat des französischen Konzerns das Angebot der Amerikaner.

Kooperationsangebot: Alstom sagt „Ja“ zu General Electric

Kooperationsangebot

Alstom sagt „Ja“ zu General Electric

Der französische Traditionskonzern hat sich mit General Electric geeinigt. Zuvor hatten Verhandlungen des Staats mit Großaktionär Bouygues den Weg für die Zusammenarbeit geebnet. GE-Chef Immelt freut sich schon.

Statt Siemens muss sich jetzt General Electric mit den Politikern in Paris herumschlagen - und es kommt knüppeldick. Denn die Amerikaner übernehmen im eigentlichen Sinne vor allem die Gasturbinen-Sparte. Für den Rest gründen sie Gemeinschaftsunternehmen mit Alstom: bei der Technik für Stromnetze, bei Wind- und Wasserkraft sowie bei der Ausrüstung für Atomkraftwerke samt den dazugehörigen Dampfturbinen. General Electric hat der Regierung in der sicherheitspolitisch heiklen Nukleartechnik sogar ein Vetorecht eingeräumt.

Kommentare (1)

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23.06.2014, 12:24 Uhr

Auf der französchen Seite stand im Vorstand ein ausgewiesener Hasser der Deutschen. Auf der deutschen Seite stand ein Manager der sogar seinen "zu deutsch" aussehenden Namen an die US Schreibweise angepasst hat, und zwar Vor- und Nachnamen. Ein bisschen meht Selbstbewusstsein wäre schon nicht schlecht bei einem Vorstand eines (noch?) deutschen Unternehmens.

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