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01.07.2016

06:31 Uhr

US-Behörden untersuchen Tesla-Unfall

Erster Toter in selbstfahrendem Auto

Die US-Verkehrsaufsicht untersucht einen tödlichen Unfall mit einem Tesla-Elektroauto. Ein Mann starb, als der Wagen auf Autopilot geschaltet war. Stellt die Behörde Mängel fest, könnte dies eine Rückrufaktion auslösen.

Tesla ist in der Vergangenheit öfters dafür kritisiert worden, seinen angeblichen „Autopiloten“ zu früh für die Fahrer freigeschaltet zu haben. Die Behörden wollen die Technologie nun überprüfen. Reuters

Das Bild zeigt einen Journalisten, der in einem Tesla Model S die Autopilot-Funktion testet

Tesla ist in der Vergangenheit öfters dafür kritisiert worden, seinen angeblichen „Autopiloten“ zu früh für die Fahrer freigeschaltet zu haben. Die Behörden wollen die Technologie nun überprüfen.

WashingtonEs ist der erste bekannt gewordene Unfall mit tödlichem Ausgang in einem Auto im Selbstfahrmodus. Die US-Verkehrsaufsicht NHTSA hat wegen des Unfalls mit einem Tesla -Elektroauto des Models S eine Untersuchung begonnen. Wie die Behörde am Donnerstag mitteilte, kam der Fahrer Anfang Mai ums Leben, als sein Fahrzeug des Jahrgangs 2015 auf Autopilot geschaltet war.

Alle zum Unfallzeitpunkt aktivierten Fahrhilfen sollen nun geprüft werden. Dies ist der erste Schritt, bevor die NHTSA einen Rückruf anordnen könnte, wenn sie die Autos für unsicher hält. Davon könnten bis zu 25.000 Tesla Model S betroffen sein.

Das Unternehmen des bekannten Tech-Milliardärs Elon Musk zeigte sich in einem am Donnerstag veröffentlichten Eintrag im Firmen-Blog bestürzt und sprach den Angehörigen des Unfallopfers tiefes Beileid aus.

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Tesla betonte aber, dass es sich bei dem Autopilot-System um eine neue Technologie in der sogenannten Beta-Phase handele, die in der Grundeinstellung ausgeschaltet sei. Fahrer würden beim Einsatz des Programms ausdrücklich aufgefordert, die Hände niemals vom Steuer zu nehmen und die Kontrolle und Verantwortung über das Fahrzeug zu behalten.

Das System sei daneben so ausgelegt, dass es regelmäßig überprüfe, ob die Hände am Steuer seien. Ist das nicht der Fall, wird nach akustischer Warnung die Geschwindigkeit im Zweifel bis zum Stillstand verringert.

Wie kam es zu dem Unfall? Ein Sattelzug war an einer Kreuzung vor dem auf der Gegenspur herankommenden Tesla links abgebogen. Laut Tesla wurde der weiße Anhänger des Lastzugs angesichts strahlenden Sonnenscheins „weder vom Autopiloten noch vom Fahrer“ erkannt, weshalb „keine Bremsen aktiviert wurden“.

Die fünf Stufen des automatisierten Fahrens

Stufe 1: Fahrassistenten

Der Fahrer lenkt, bremst und beschleunigt selbständig. Einfache Systeme wie Abstandshalter unterstützen ihn.

Stufe 2: Teilautomatisiertes Fahren

Das elektronische System übernimmt bestimmte Funktionen wie automatisches Einparken oder das Spurhalten. Der Fahrer bleibt aber weiter in der Verantwortung, die Hände bleiben am Lenkrad.

Stufe 3: Hochautomatisiertes Fahren

Das Fahrzeug fährt weitgehend autonom, der Fahrer muss nicht mehr alles dauerhaft überwachen. Er darf die Hände vom Lenkrad nehmen, muss aber in der Lage sein, nach Vorwarnung die Kontrolle wieder zu übernehmen.

Stufe 4: Vollautomatisiertes Fahren

Der Fahrer kann noch übernehmen, ist aber nicht mehr erforderlich, um das Auto zu steuern. Elektronische Systeme können alle Verkehrssituationen automatisch bewältigen.

Stufe 5: Fahrerloses Fahren

Das Lenkrad entfällt, das Auto wird nur noch vom System gesteuert.

Der Tesla prallte so ungebremst zwischen den Achsen gegen den Unterboden des Anhängers, durch die Wucht des Aufpralls wurde laut Medienberichten das Dach des Fahrzeugs abgerissen.

Irritierend dabei ist, dass solche Fälle wie Hindernisse im grellen Gegenlicht eigentlich prädestiniert für den Einsatz von automatischen Bremssystemen sein sollten. In einem Tweet erklärte Tesla-Chef Elon Musk, warum das zusätzliche zu den Kameras vorhandene Radar in diesem Falle wohl nicht geholfen habe: Es habe den quer zur Fahrtrichtung fahrenden Lastzug wohl für ein Signalbrücke über der Straße gehalten.

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Tesla ist in der Vergangenheit öfters dafür kritisiert worden, seine „Autopilot“-Funktion zu früh für die Fahrer freigeschaltet zu haben. Praktisch alle Hersteller weltweit arbeiten an solchen Systemen, haben sie aber noch nicht für den Straßenverkehr freigegeben.

Volvo zum Beispiel hat angekündigt, dass man bei seinen selbstfahrenden Autos alle Versicherungsrisiken übernehmen werde. Vorher werde man solche Systeme aber nicht in den Markt bringen.

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