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12.01.2005

07:23 Uhr

US-Biotech-Konzern verfehlt trotz guter Ertragszahlen die hochgesteckten Erwartungen

Börse hadert mit Gewinn von Genentech

Mit guten Zahlen hat der US-Konzern Genentech die Quartalssaison der Pharma- und Biotechbranche eröffnet. Die noch höher gesteckten Erwartungen der Analysten hat er dabei allerdings um einen Cent je Aktie verfehlt. Dies quittierte die Börse mit einem Kursrückgang um vier Prozent.

shf FRANKFURT/M. Auch die Aktie der Baseler Roche-Gruppe, die eine Kapitalmehrheit bei Genentech hält, stand leicht unter Druck.

Vor allem Krebsmedikamente wie Rituxan, Avastin und Herceptin treiben das Geschäft des zweitgrößten Biotechunternehmens weiter stürmisch voran. Im vierten Quartal steigerte Genentech den Umsatz um 41 Prozent auf 1,3 Mrd. Dollar und den Nettogewinn um fast zwei Drittel auf 206 Mill. Dollar. Für das Gesamtjahr 2004 weist der Konzern eine Umsatz- und Gewinnsteigerung um jeweils 40 Prozent auf 4,6 Mrd. Dollar und 784 Mill. Dollar aus. Für 2005 kündigte Finanzchef David Lavigne eine Gewinnsteigerung um mehr als ein Viertel an.

Zusammen mit den US-Konkurrenten Amgen und Gilead gehört Genentech zu den dynamischsten Vertretern der gesamten Pharmabranche. Allerdings sind die Zahlen dieser Firmen keine Indikatoren für die Entwicklung der Gesamtbranche. Global wächst der Pharmamarkt derzeit mit einer Rate von von sieben bis acht Prozent. Und vor allem bei etlichen etablierten großen Arzneimittelherstellern werden die Quartalsdaten in den kommenden Wochen eher durchwachsen ausfallen.

Die US-Konzerne Merck & Co und Pfizer dürften unter der Rücknahme des Schmerzmittels Vioxx (Merck) und der kritischen Diskussion um die Wirkstoffgruppe der Coxibe leiden. Zudem drohen in den kommenden Jahren diverse Prozessrisiken und Patentabläufe.

Für das vergleichsweise junge Unternehmen Genentech besteht die Herausforderung dagegen eher darin, die Erwartungen von Investoren und Analysten im Zaum zu halten. Im vergangenen Jahr erhielt das zweitgrößte Biotechunternehmen der Welt gleich zwei wichtige Zulassungen: für das Darmkrebsmedikament Avastin und für das Lungenkrebsmittel Tarceva. Beides sind neuartige Wirkstoffe, denen Analysten Milliardenumsätze zutrauen. Und mit 555 Mill. Dollar Umsatz im ersten Jahr entpuppte sich Avastin auch als die bisher erfolgreichste Markteinführung eines Krebsmedikaments. Allerdings blieb der Umsatz im vierten Quartal hinter den Analystenschätzungen zurück, was gestern gewisse Skepsis im Hinblick auf die künftigen Steigerungsraten nährte.

Avastin, ein Wirkstoff, der die Blutzufuhr zu Tumoren unterdrückt, avancierte in den vergangenen beiden Jahren zu einem Schlüsselprodukt für Genentech und die Bewertung des Konzerns. Manager von Genentech verweisen darauf, dass das Mittel weiterhin stark Marktanteile in der Erstbehandlung von Darmkrebs gewinne.

Das volle Potenzial dürfte jedoch erst im Laufe der kommenden Jahre sichtbar werden, wenn diverse Studien bei anderen Krebsarten und in Kombination mit anderen Medikamenten abgeschlossen sind. Experten der Deutschen Bank warnen daher vor voreiligen Schlüssen aus den Quartalsdaten. Die Avastin-Story sei letztlich noch in einem ganz frühen Stadium.

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