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20.02.2013

12:45 Uhr

US-Firmenchef

„Franzosen bekommen hohe Löhne, arbeiten aber nur drei Stunden“

Maurice Taylor, der Chef des US-Reifen-Unternehmens Titan, hat die Arbeitsmoral der Franzosen durch den Kakao gezogen. Die Gewerkschaften sind empört und schießen mit heftigen Worten zurück.

Der französische Industrieminister Arnaud Montebourg: Die Kritik des Titan-Chefs dürfte ihm nicht gefallen. AFP

Der französische Industrieminister Arnaud Montebourg: Die Kritik des Titan-Chefs dürfte ihm nicht gefallen.

ParisMit einem Brief an die französische Regierung, in der er sich über die Arbeitsmoral der Franzosen lustig macht, hat ein Firmenboss aus den USA empörte Reaktionen in Frankreich ausgelöst. Der Chef des US-Reifen-Unternehmens Titan lehnte in dem Brief eine Übernahme des angeschlagenen Reifen-Werkes von Goodyear in Nordfrankreich mit der Begründung ab, die „sogenannten Arbeiter" in dem Werk würden höchstens „drei Stunden" pro Tag arbeiten. Der Brief ging an Frankreichs Industrieminister Arnaud Montebourg, der Titan gebeten hatte, eine solche Übernahme zu prüfen.

Zu dem Goodyear-Werk im nordfranzösischen Amiens, das von der Schließung bedroht ist, schrieb Titan-Chef Maurice M. Taylor: „Ich habe diese Fabrik mehrfach besucht. Die französischen Arbeitnehmer bekommen hohe Löhne, arbeiten aber nur drei Stunden. Sie haben eine Stunde für ihre Pausen und für ihr Mittagessen, diskutieren drei Stunden lang und arbeiten drei Stunden." Er habe das auch den Gewerkschaften gesagt. Die hätten ihm geantwortet: „So ist das in Frankreich!"

Welche Management-Fehler fatal für Firmen sein können

Fehler eins

Frühwarnsignale, z.B. für Markt- oder technologische Veränderungen, werden nicht wahrgenommen oder sogar aktiv verdrängt.

Fehler zwei

Regulatorische und politische Einflüsse auf die künftige Unternehmensentwicklung werden systematisch unterschätzt.

Fehler drei

Markt- und Kundenveränderungen werden im Vorstand nicht (hinreichend) analysiert und diskutiert.

Fehler vier

Geschäftsmodelle werden nicht kritisch reflektiert.

Fehler fünf

Man hält zu lange an traditionellen (und bislang erfolgreichen) Vorgehensweisen fest.

Fehler sechs

Es mangelt an Mut, gegen die herrschende Meinung zu argumentieren.

Fehler sieben

Bei spürbaren Veränderungen wird zu zögerlich gehandelt, man ergeht sich in Aktionismus und Effekthascherei "auf der Bühne" ohne konkrete Maßnahmen.

Fehler acht

Es fehlt eine klar und überzeugend kommunizierte Veränderungsvision und Strategie.

Quelle

Umfrage unter Partnern von Roland Berger Strategy Partners. Zitiert in „Gute Führung“ von Burkhard Schwenker und Mario Müller-Dofel. Erschienen 2012 bei BrunoMedia Verlag.

Industrieminister Montebourg wollte den Brief, der auf den 8. Februar datiert ist, nicht kommentieren. „Ich will französischen Interessen nicht schaden", sagte er nur knapp. Der Sozialist hatte am Dienstagabend einen großen Auftritt in Paris, bei dem er seine Kampagne „Made in France" für innovative, wettbewerbsfähige Unternehmen seines Landes startete.

Allein auf der Bühne, mit dem Mikrofon in der Hand, ohne Krawatte, rief Montebourg vor rund 600 Gästen: „Wir müssen eine dritte industrielle Revolution vorbereiten." Seine Präsentation, der der Song „Eye of the tiger" aus dem Film Rocky III voranging, wurde in Frankreich mit den legendären Auftritten des inzwischen verstorbenen einstigen Apple-Chefs Steve Jobs verglichen. Im Laufe des Jahres will der Minister insgesamt acht solcher Konferenzen zu seinem Lieblingsthema „Made in France" abhalten.

Aus ihrer Empörung über den Titan-Brief machten die Gewerkschaften hingegen keinen Hehl. Als eine „totale Beleidigung" wies der Vertreter der Gewerkschaft CGT bei Goodyear in Amiens-Nord, Mickaël Wamen, die Äußerungen zur Arbeitsmoral in seinem Werk zurück.

So treiben Sie Ihren Chef auf die Palme

Negativ-Argumente bei Gehaltsverhandlungen

Wer statt seines Gehalts den Blutdruck seines Chefs in die Höhe treiben will, der sollte folgende Negativargumente beherzigen. Alle anderen sollten lieber einen großen Bogen um solche und ähnliche Sätze bei der Gehaltsverhandlung machen.

„Die Raten für mein Häuschen drücken. Jetzt brauch ich mehr Geld!“

Ihr Chef ist kein Schuldenberater, also verschonen Sie ihn besser mit derart privaten Problemen. Außerdem bestätigt ein solches Eingeständnis, dass Sie nicht mit Geld umgehen können. Sie sind ein Risikofaktor für die Firma, die Gehaltserhöhung können Sie vergessen.

„Ich habe erfahren, was der Kollege Walter verdient. Jetzt will ich dasselbe!“

Sie wissen doch genau, dass Ihr Chef es nicht mag, wenn sich seine Angestellten hinter seinem Rücken gegenseitig zuflüstern, was sie verdienen. Er bezahlt nur nach Leistung, das ist sein Gerechtigkeitsbegriff.

„Ich habe zehnjähriges Dienstjubiläum. Höchste Zeit für eine Erhöhung!“

Die Forderung nach einem Sitzfleisch-Bonus wird bei Ihrem Chef auf taube Ohren stoßen.

„Sie haben die Wahl: Mehr Gehalt - oder ich bin weg!“

Mit dieser Art von Erpressung kommen Sie bei Ihrem Chef nicht weiter. Sogar wenn Sie ein guter Mitarbeiter sind und er Sie braucht, wird er nicht auf dieses Angebot eingehen, um sein Gesicht nicht zu verlieren. Er würde nie eingestehen, dass er von jemandem abhängig ist.

„Wo wir gerade in der Sauna sind: Eine dienstliche Frage...“

Ihr Chef wird die Vermischung von Privatem und Beruflichem nicht goutieren. Vielmehr wird er sich fragen, ob Sie sich nur bei ihm eingeschleimt haben, um Kapital daraus zu schlagen.

„Die Kollegen übertreffe ich bei weitem. Das sollte auch für mein Gehalt gelten!“

Ihr Chef wird sich fragen, warum Sie Ihre Kollegen schlecht machen. Er wird Sie auch für einen Sprücheklopfer und Spalter halten, dafür hat keiner eine Gehaltserhöhung bekommen.

„Entweder mehr Geld. Oder ich mache Dienst nach Vorschrift!“

Das klingt für Ihren Chef, als hätten Sie sich innerlich schon von Ihrem Arbeitsplatz verabschiedet. Dafür gibt es nicht mehr Geld, sondern höchstens eine Abmahnung.

„Ich könnte am Markt das Doppelte bekommen - oder sagen wir: ein Drittel mehr!“

Ihr Chef wird Ihnen Realitätsverlust attestieren und Ihnen unter keinen Umständen noch mehr Geld geben, sonst könnten Sie noch vollends abheben. Er wird sich fragen, ob Sie auch in Ihrem Büro-Alltag so leichtfertig mit Fakten umgehen. Sie hätten mit so einem Spruch sein Vertrauen verloren.

Der Titan-Chef sei „näher an einer psychiatrischen Anstalt als in der Lage, die Zügel eines multinationalen Unternehmens in der Hand halten zu können", sagte er dem Sender Europe 1 am Mittwoch. Der US-Reifenhersteller Goodyear, der in anderen Ländern mit Titan zusammenarbeitet oder Werke an Titan verkauft hat, hatte Ende Januar angekündigt, das Werk in Amiens-Nord mit seinen 1173 Arbeitsplätzen schließen zu wollen.

Von

afp

Kommentare (30)

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Vicario

20.02.2013, 13:54 Uhr

Zitat : „Franzosen bekommen hohe Löhne, arbeiten aber nur drei Stunden“

Genau wie unseren Beamte !

Die in Brüssel arbeiten nur 1 Stunde !!! die Woche !!!

Account gelöscht!

20.02.2013, 13:57 Uhr

Recht hat er!

Man muss mal mit Franzosen reden - insbesondere mit solchen die im Verglich das deutsche Arbeitssystem kennen. Wir glauben in Deutschland, dass wir schon einen enormen Gewerkschafts-Funktionärswesen mit Bürokratie etc. haben. Frankreich toppt das locker!

Dazu kommt noch eine 35 Stundenwoche und ein allgemeine wirtschaftsfeindliche Einstellung der Bevölkerung.

Ich würde zum Verrecken nicht in F investieren.

AxelSiegler

20.02.2013, 14:11 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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