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08.01.2010

14:53 Uhr

US-Geschäft

Wettlauf um „Germany’s Next Autohaus“

VonMatthias Eberle

Mit einem modernisierten Händlernetz wollen die deutschen Autobauer neue Kunden in den USA gewinnen und vor allem im höheren Preissegment punkten. Der Zeitpunkt zur Expansion scheint günstig: Während amerikanische Hersteller überwiegend mit der eigenen Sanierung beschäftigt sind, können die deutschen Hersteller angreifen.

Auf Hochglanz: Mercedes will in mit einem neuen US-Händlernetz Marktanteile erobern. ap

Auf Hochglanz: Mercedes will in mit einem neuen US-Händlernetz Marktanteile erobern.

NEW YORK. Gläserne Servicegaragen, Traumautos im Scheinwerferlicht und Plasma-TV in Kirchturmhöhe: Die Autokonzerne Daimler und VW liefern sich ein deutsches Wettrennen um die schönste und größte Verkaufsfläche in Manhattan. Kaum hat Mercedes mit dem Innenausbau seines neuen Flaggschiff-Hauses in der elften Avenue begonnen, stellte sich VW als neuer Nachbar vor und kaufte schräg gegenüber eine Immobilie für 84 Mio. Dollar. Das Gebäude, pikanterweise ein früherer Showroom von General Motors (GM), soll in den nächsten Monaten mit weiterem Millionenaufwand renoviert werden. Nur zwei Blocks weiter wehen die Fahnen von „BMW of Manhattan“.

Der Investitions-Wettlauf in der Glitzermetropole New York macht deutlich: Die deutschen Autobauer expandieren in den USA nicht nur mit neuen Produktionsstätten. Sie modernisieren zudem ihr Händlernetz, um das gehobene Pkw-Segment in den USA noch stärker zu besetzen. Daimler werde nach der Krise „aggressiv zurückkommen", hatte Konzernchef Dieter Zetsche kürzlich in einem Handelsblatt-Interview betont: „Wir haben die stärkste Automarke der Welt und werden dies in Zukunft viel offensiver vertreten.“

Die Gelegenheit zur Expansion in den USA ist günstig: Der schwedische Autobauer Saab steht vor der Liquidation, Volvo ist bei einem neuen Eigentümer in China notgelandet, Jaguar in indischer Hand. Auch die Luxusmarken der US-Volumenhersteller verloren im Vorjahr weiter Marktanteile: Ford kommt mit Lincoln nur schwer auf die Räder, GM hat im Zuge seines Insolvenzverfahrens mehr als 700 seiner bisher 1 100 Cadillac-Händler geschlossen. Nach diesem Kahlschlag verfügt der einstige Inbegriff des luxuriösen US-Autos über weniger Händler im Heimatmarkt als Mercedes.

Amerika saniert, Deutschland investiert – das ist die Botschaft vor der am Montag beginnenden Detroit Motorshow. „In den 90er-Jahren haben wir uns gefragt, ob wir überhaupt noch Showrooms brauchen“, sagt Ernst Lieb, US-Chef von Mercedes: „Heute ist klar: Der Kunde mag sich im Internet informieren, aber die Autos verkauft immer noch der Händler.“ 90 der 350 Mercedes-Häuser in den USA sind in den vergangenen Monaten bereits modernisiert worden, der Rest soll im Rahmen eines Drei-Jahres-Plans nachziehen.

Gemeinsam nehmen Mercedes und die Händler dafür 1,6 Mrd. Dollar in die Hand. Der Flagship Store in Manhattan auf fünf Ebenen, Teil einer 29-stöckigen Immobilie am Clinton Park, dient dem Handel als Inspiration. Ab Anfang 2011 sollen Mercedes-Kunden hier in einem blauen Eingangsportal begrüßt werden und dabei zusehen können, wie ihre Fahrzeuge hinter Glas den Service durchlaufen. US-Chef Lieb: „Die Autos sollen nicht länger in einer dunklen Werkstatt verschwinden, und alles, was der Kunde am Ende sieht, ist eine Rechnung.“

VW wählt mit seiner Tochter Audi eine ähnliche Strategie und will die Räumlichkeiten seiner 800 US-Händler ebenfalls umfassend modernisieren. Begonnen wird das Design-Projekt namens „White Frame“ in Manhattan – damit sich Mercedes nicht so alleine fühlt.

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