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24.06.2013

15:29 Uhr

US-Gesundheitsbranche

Milliarden-Übernahme im US-Kliniksektor

Der Klinik-Betreiber Tenet Healthcare will seinen Konkurrenten Vanguard Health System kaufen. Der Übernahmepreis umfasst mehrere Milliarden. Tenet will so seine Präsenz auf weitere Bundesstaaten ausweiten.

Trevor Fetter, CEO von Tenet Healthcare, spricht auf einem Gesundheitsgipfel. Sein Klinikbetrieb will sich seinen kleineren Konkurrenten einverleiben. Reuters

Trevor Fetter, CEO von Tenet Healthcare, spricht auf einem Gesundheitsgipfel. Sein Klinikbetrieb will sich seinen kleineren Konkurrenten einverleiben.

BangaloreMilliarden-Übernahme in der US-Gesundheitsbranche: Der Klinik-Betreiber Tenet Healthcare will den kleineren Konkurrenten Vanguard Health Systems für 4,3 Milliarden Dollar kaufen. In der Summe enthalten ist auch die Übernahme von Schulden in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar, wie die beiden Unternehmen am Montag mitteilten.

Der Kaufpreis von 21 Dollar je Aktie bedeutet einen Aufschlag von 70 Prozent auf den Vanguard-Schlusskurs vom Freitag.

Tenet will mit dem Zukauf seine Präsenz auf weitere Bundesstaaten ausweiten und stärker von der Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama profitieren, die unter anderem eine allgemeine Krankenversicherungspflicht für Millionen Bürger umfasst. Die Reform hat bereits zu einer Reihe von Fusionen und Übernahmen in der Branche geführt.

Wie ausländische Gesundheitssysteme organisiert sind

Ausgangspunkt Deutschland

Auch andere Gesundheitssysteme sind nicht perfekt, aber oft sind Risikomanagement oder Patientenrechte besser organisiert. Ein Überblick über staatliche und private Gesundheitsausgaben (pro Kopf und Jahr) und die unterschiedlichen Ansätze in den Gesundheitssystemen der Ländern.
Ausgaben in Deutschland pro Kopf: 4218 Dollar

Österreich

Staatliche und private Gesundheitsausgaben (pro Kopf und Jahr): 4289 Dollar

Fortschrittlicher Ansatz: Ein Fonds für Arzthaftungsgeschädigte zahlt, wenn die Kausalität zwischen Schaden und Fehler nicht komplett nachweisbar ist.

Frankreich

Staatliche und private Gesundheitsausgaben (pro Kopf und Jahr): 3978 Dollar

Fortschrittlicher Ansatz: Nicht nur Fehler, sondern auch die Verhinderung einer Heilungschance führt bereits zu einer Arzthaftung.

Niederlande

Staatliche und private Gesundheitsausgaben (pro Kopf und Jahr): 4914 Dollar

Fortschrittlicher Ansatz: Rigorose und landesweit einheitliche Hygienevorschriften senken die Zahl der Toten durch Krankenhauskeime.

Großbritannien

Staatliche und private Gesundheitsausgaben (pro Kopf und Jahr): 3487 Dollar

Fortschrittlicher Ansatz: Höhere Veröffentlichungspflichten der Kliniken, die zudem für jedermann zugänglich und verständlich sein müssen.

Schweden

Staatliche und private Gesundheitsausgaben (pro Kopf und Jahr): 3722 Dollar

Fortschrittlicher Ansatz: Die Beweislast bei einem Fehler liegt nicht allein beim Patienten, sondern die Haftpflichtversicherung des Arztes hat eine Ermittlungspflicht.

Schweiz

Staatliche und private Gesundheitsausgaben (pro Kopf und Jahr): 5144 Dollar

Fortschrittlicher Ansatz: Ärzten droht keine Klage, wenn sie Todkranken auf deren Wunsch beim Suizid mit einem Betäubungsmittel beistehen. In Deutschland werden sie oft gegen ihren Willen weiterbehandelt.

USA

Staatliche und private Gesundheitsausgaben (pro Kopf und Jahr): 7960 Dollar

Fortschrittlicher Ansatz: Die Vorschriften zum Risikomanagement und zur Fehlerauswertung sind wegen der hohen Schadensersatzzahlungen sehr streng. Krankenhäuser werden im Extremfall von Staat komplett geschlossen.

Japan

Staatliche und private Gesundheitsausgaben (pro Kopf und Jahr): 2878 Dollar

Fortschrittlicher Ansatz: Das Gericht fällt Urteile zum Schadensersatz auf Basis der Aussagen der beiden Beteiligten, ohne externen Sachverständigen. In Deutschland ist der Sachverständige nötig, aber oft nicht ausreichend geschult.

Tenet betreibt Krankenhäuser in Kalifornien, Texas, Pennsylvania und mehreren Bundesstaaten im Südosten. Vanguard operiert mit Kliniken in Massachusetts sowie im Mittleren Westen und im Süden der USA.

Die Ankündigung ließ die Vanguard-Aktien vorbörslich um 66 Prozent in die Höhe schnellen. Tenet-Papiere legten gut sieben Prozent zu. (Reporter: Esha Dey; bearbeitet von Christian Götz; redigiert von Christian Krämer)

Von

rtr

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