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03.08.2011

14:27 Uhr

US-Schuldenstreit

Was der Kompromiss für deutsche Unternehmen bedeutet

Die Einigung im US-Schuldenstreit hat auch Auswirkungen für deutsche Unternehmen. Experten betonen, wie wichtig es ist, dass eine Lösung gefunden wurde. Doch einige Dax-Konzerne warnen vor Risiken.

US-Präsident Barack Obama unterzeichnet das Gesetz zum Schuldenkompromiss. Quelle: dpa

US-Präsident Barack Obama unterzeichnet das Gesetz zum Schuldenkompromiss.

Düsseldorf/MünchenDer deutsche Chemieriese BASF hat vor wenigen Tagen bei der Vorlage der Halbjahreszahlen auf die Risiken für die weltweite Konjunktur hingewiesen, die in der steigenden Staatsverschuldung einiger europäischer Länder sowie der USA begründet sind. „Sollte die Konjunktur in den USA im zweiten Halbjahr 2011 spürbar schwächer werden, hätte das selbstverständlich auch Auswirkungen auf das Nordamerika-Geschäft der BASF“, sagte ein Unternehmenssprecher Handelsblatt Online. Im ersten Halbjahr hat BASF in Nordamerika bei Umsatz und operativem Gewinn zugelegt.

BMW-Finanzchef Friedrich Eichiner äußerte sich erst gestern bei der Präsentation der Quartalszahlen skeptisch zur Schuldenproblematik: „Die hohe Verschuldung der Staaten verunsichert die Verbraucher.“ Dadurch erzwungene Sparprogramme zur Konsolidierung der Staatshaushalte könnten zu einer Einschränkung des privaten Konsums führen. Die Volatilität auf den Märkten nehme eher zu als ab.

BMW-Vorstandschef Norbert Reithofer hingegen sagte: „Die USA bleiben langfristig für uns ein wichtiger Markt, weil sie  als eines der wenigen Industrieländer ein positives demografisches Wachstum aufweisen.“ Er bekräftigte nochmals, dass der Premiumhersteller seine Fertigung in den USA kräftig ausbauen wolle.

Der Volumenhersteller Volkswagen verweist auf die Frage nach den Folgen der Einigung lediglich auf die US-Absatzzahlen im Juli. Die Geschäfte des Konzerns in den Vereinigten Staaten laufen derzeit gut. VW hat eine regelrechte US-Offensive gestartet und erst kürzlich ein neues Werk in Chattanooga im US-Staat Tennessee eröffnet.

Der Branchenverband VDA weist darauf hin, dass die deutschen Autobauer ihren Marktanteil das siebte Jahr in Folge steigern. Sie hätten den US-Markt in der Krise 2008/09 nicht abgeschrieben, im Gegenteil. „Die Vereinigten Staaten bleiben für uns ein wichtiger Wachstumsmarkt - wenn wir die richtigen Produkte anbieten“, sagte ein VDA-Sprecher Handelsblatt Online.

Bernd Weidensteiner, Analyst mit Schwerpunkt USA bei der Commerzbank, erwartet von der Einigung im US-Schuldenstreit kaum merkliche Folgen für deutsche Unternehmen, auch wenn die Details noch gar nicht feststehen. „Das ist ein pragmatischer Kompromiss, der das Wachstum der amerikanischen Wirtschaft im kommenden Jahr um einen Viertelprozentpunkt dämpfen wird.“

Die Lösung hätte aus seiner Sicht auch deutlich schlimmer ausfallen können. Sie stärke das Vertrauen der US-Verbraucher, denn mit der Einigung „ist eine große Unsicherheit weg“. Für das größere Problem hält Weidensteiner die allgemeine Wachstumsschwäche der US-Wirtschaft.

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