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24.09.2015

11:51 Uhr

US-Skandale

Was Volkswagen von Siemens lernen kann

VonAxel Höpner

Dejà-vu für viele Siemens-Manager: Das, was Volkswagen derzeit durchlebt, hat der Münchner Konzern schon im Jahr 2006 in den USA durchgemacht. Doch die Aufarbeitung der Affäre könnte eine Blaupause für VW sein.

Der damalige Siemens-Chef Heinrich von Pierer (Mitte) beim US-Börsengang des Konzerns im März 2001. ap

Missglücktes US-Abenteuer

Der damalige Siemens-Chef Heinrich von Pierer (Mitte) beim US-Börsengang des Konzerns im März 2001.

MünchenAls Heinrich von Pierer am 12. März 2001 an der Wall Street anlässlich der Erstnotiz von Siemens in den USA den Börsentag mit der Glocke einläutete, wusste niemand, was für Konsequenzen das haben würde. Denn als Jahre später der größte deutsche Schmiergeldskandal bekannt wurde, hatten die US-Justiz und die mächtige Börsenaufsicht SEC direkten Durchgriff.

Nun haben viele bei Siemens eine Dejà-vu-Erlebnis. Das, was Volkswagen derzeit durchlebt, hat Siemens im Jahr 2006 durchgemacht. „Natürlich erinnert das einen an 2006“, meint ein Siemens-Manager, der damals mit dabei war. Zwar gibt es Unterschiede: Bei Siemens entwickelte sich der Skandal zum Beispiel deutlich langsamer, weil erst mit der Zeit das Ausmaß des größten deutschen Schmiergeldskandals bekannt wurde. Dadurch kam es auch erst mit Verzögerung zu personellen Konsequenzen.

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Bei Siemens war über lange Jahre ein System schwarzer Kassen aufgebaut worden, mit dem im Ausland Schmiergeldzahlungen geleistet wurden. In der Siemens-Zentrale fürchteten manche nach Bekanntwerden der Affäre 2006 Strafen von bis zu zehn Milliarden Dollar in den USA, genauso schlimm wäre für den Infrastruktur-Anbieter der drohende Ausschluss von öffentlichen Aufträgen in den USA gewesen.

Doch könnte die Aufarbeitung der Affäre eine Blaupause für VW sein: Volle Kooperation mit den US-Behörden, Austausch zahlreicher Führungskräfte und Aufbau eines großen Compliance-Apparats, damit sich Betrügereien nicht wiederholen.

Aufsichtschef Gerhard Cromme entschied sich zusammen mit dem Vorstand für die totale Unterwerfung. US-Ermittlern wurden Tür und Tor geöffnet, Heerscharen von US-Anwälten und -Beratern wurden engagiert. Einer Anekdote zufolge hing bei einer Firmenfeier der US-Kanzlei Debevoise & Plimpton eine große Karikatur an der Wand. Ein Plimpton-Anwalt bedient darauf eine Gelddruckmaschine. Und auf dieser Maschine stand: Siemens.

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