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11.01.2010

19:36 Uhr

US-Unternehmen

Alcoa eröffnet Bilanzsaison mit Enttäuschung

VonMatthias Eberle

Die weltgrößte Volkswirtschaft hat die Talsohle durchschritten, kommt nach dem schlimmsten Einbruch seit Jahrzehnten aber nur langsam wieder in Tritt. Zwar drehen die Ergebnisse der US-Konzerne wieder nach oben, die Perspektiven im Heimatmarkt bleiben aber trüb. Der Aluminiumriese Alcoa machte bei der Eröffnung der Berichtssaison einen denkbar schlechten Anfang.

NEW YORK. Finanzexperten rechnen in der am heutigen Montag startenden Berichtssaison zum Schlussquartal 2009 mit hohen prozentualen Gewinnsteigerungen. Viele Firmenergebnisse beeindrucken aber nur, weil sie sich mit extrem niedrigen Vorjahreswerten vergleichen. Damals waren Handel, Konsum und Kreditvergabe fast zum Stillstand gekommen.

Der absolute Vergleich liefert ein realistischeres Bild: Der aufaddierte Quartalsgewinn der 500 größten Konzerne liegt mit 145 Mrd. Dollar etwa auf dem Niveau von vor fünf Jahren.

Der Rohstoffriese Alcoa ist traditionell der erste führende US-Konzern, der nach Börsenschluss die Richtung weist. Und wenn es danach geht, sieht weniger gut aus. Das US-Unternehmen ist im vierten Quartal überraschend wieder in die roten Zahlen gerutscht. Unter dem Strich wies Alcoa am Montag nach Börsenschluss einen Nettoverlust von 277 Mio. Dollar oder 0,28 Dollar je Aktie aus. Der Umsatz ging im vierten Quartal auf 5,43 Mrd. Dollar von 5,68 Mrd. Dollar im Vorjahreszeitraum zurück, lag jedoch 18 Prozent über den Erlösen des dritten Quartals.

Im Vorquartal war der US-Konzern nach drei Quartalsverlusten in die Gewinnzone zurückgekehrt und hatte einen Überschuss von 77 Mio. Dollar erzielt. Im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen einen Fehlbetrag von 1,49 Dollar je Aktie verzeichnet.

Alcoa lag mit seinen Bilanzzahlen deutlich unter den Erwartungen von Analysten. Sie hatten im Schnitt mit einem Gewinn je Aktie von sechs Cent gerechnet. Die Alcoa-Aktie büßte nachbörslich 0,2 Prozent ein.

Bescheidene Erholung – aber immerhin Wachstum

„Wir wachsen wieder“ – das ist dennoch die Botschaft, die „Corporate America“ in den nächsten Wochen senden wird. Prognosen von Standard & Poor’s und Bloomberg zufolge könnten die Firmengewinne im Börsenindex S&P 500 branchenübergreifend um 60 Prozent gestiegen sein und damit so stark wie seit 1993 nicht mehr. Ein Blick auf die Ergebnisse der Branchen macht deutlich, dass der überwiegende Teil der Verbesserungen auf die Erholung im Finanzsektor zurückzuführen ist. Bereinigt um die volatilen Ergebnisse der Wall-Street-Größen, würde das Gewinnplus der S&P 500-Konzerne laut Thomson Reuters auf acht Prozent schrumpfen. Abgesehen von einigen Überfliegern wie Apple oder Google dürften die US-Zahlen demnach nicht viel Anlass zur Euphorie bieten.

„Die wirtschaftliche Erholung fällt noch ziemlich bescheiden aus“, sagt Analyst Gert Zonneveld von Panmure Gordon. Das unterstreichen auch Prognosen, wonach sich die Umsätze in zahlreichen US-Branchen im Schlussquartal 2009 noch kaum vom Fleck bewegt haben. Thomson Reuters geht von stagnierenden Erlösen im wichtigen Konsumsektor aus. In den Bereichen Bau und Energie sowie bei Industriewerten sollen die Umsätze im Vorjahresvergleich sogar weiter gefallen sein, obwohl die US-Regierung ein 787 Mrd. Dollar schweres Stimulusprogramm aufgelegt hat.

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