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10.04.2011

15:47 Uhr

US-Wirtschaft

High-Tech-Firmen hängen die Industrie ab

VonUlf Sommer

ExklusivDie 100 größten Firmen in den USA haben im abgelaufenen Geschäftsjahr unter dem Strich 420 Milliarden Dollar verdient. Damit stehen sie sogar besser da, als im bisherigen Rekordjahr 2007.

Käufer-Ansturm auf das neueste Apple-iPad: Anleger trauen den Technologiekonzernen mehr Innovationen und Wachstum zu, als den klassischen Industriefirmen. Quelle: Reuters

Käufer-Ansturm auf das neueste Apple-iPad: Anleger trauen den Technologiekonzernen mehr Innovationen und Wachstum zu, als den klassischen Industriefirmen.

New York/DüsseldorfDie 100 größten Industrie-, Handels -und Dienstleistungsunternehmen in den USA haben im abgelaufenen Geschäftsjahr unter dem Strich 420 Milliarden Dollar verdient. Das sind 29 Prozent mehr als 2009, wie Berechnungen des Handelsblatts ergeben. Damit stehen die Firmen sogar besser da, als im bisherigen Rekordjahr 2007.

Damals hatten sie „nur“ 415 Milliarden Dollar eingefahren. Mit 80 Milliarden Dollar Gewinn stellen fünf Technologiefirmen – Microsoft, Apple, AT&T, IBM und Intel – den Löwenanteil am Ertrag. Sie allein verdienten mehr als alle 30 Dax-Konzerne zusammen. Damit nicht genug: Die Nummer sechs, sieben und acht in der Technologiebranche, der Suchmaschinenbetreiber Google, der Netzwerkspezialist Cisco und der Softwareriese Oracle kommen auf weitere 22,4 Milliarden Dollar Gewinn. Insgesamt verdienten die High-Tech-Firmen an der Nasdaq, der weltweit größten Technologiebörse, im vergangenen Jahr 40 Prozent mehr als im alten Rekordjahr 2007.

Davon sind die Unternehmen in den anderen Branchen noch weit entfernt Nummer eins nach Umsatz und Zahl der Beschäftigten (2,1 Millionen) bleibt zwar Walmart. Doch der weltgrößte Handelsriese erwirtschaftet mit viel Masse relativ wenig Ertrag. Das gilt auch für den wieder genesenen Autoriesen General Motors, dem weltgrößten Pharmahändler McKesson und dem Raffineriebetreiber Valero. Mit jedem Dollar Umsatz bleibt diesen umsatzstarken Firmen weniger als fünf Cent Gewinn. Solch mickrige Margen sind der Technologiebranche fremd. Google, Oracle und der Chiphersteller Intel kommen auf Umsatzrenditen von mehr als 20 Prozent.

So viel schafft kein großer deutscher Konzern. Noch mehr erreichen nur Microsoft (30 Prozent) und Coca Cola: Beim Lieblingsinvestment des legendären Börsenmeisters Warren Buffett blieben im abgelaufenen Jahr mit jedem Dollar Umsatz 33 Cents Nettogewinn übrig. Beide Konzerne profitieren seit Jahrzehnten von ihrer starken Marktposition.

Zwar überholte Amerikas neuer Shootingstar Apple mit seinen populären Tablet PCs die längst gereifte Technologie-Ikone Microsoft erstmals in der Kenngröße „Masse“, also beim Jahresumsatz. Auch stieg Apples Nettogewinn binnen eines Jahres um 70 Prozent und damit sehr viel stärker als beim Software-Hersteller. Dieser kam nur auf ein Plus von 29 Prozent.

Aber: Mit 18,8 Milliarden Dollar verdiente Microsoft unter dem Strich ein Drittel mehr als Apple und das mit fünf Prozent weniger Umsatz. Dieser feine Unterschied macht Microsoft um 40 Prozent profitabler als Apple. Dass Aktionäre dennoch auf Apple setzen und Microsoft verschmähen – in drei Jahren 150 Prozent Kursgewinn gegenüber null Prozent –, resultiert aus dem klaren, harten und inzwischen auch schon gefestigtem Urteil, wonach der Softwareriese seine Rekorderlöse nur noch mit den Ideen von gestern einfährt. Kaum einer traut dem Beinahe-Monopolisten zu, auch künftig die Traumrenditen zu halten. Deshalb bezahlen die Investoren den Software-Konzern nur noch mit dem zehnfachen Jahresgewinn - Apple aber mit seinem fünfzehnfachen Gewinn, also einem 50prozentigem Aufschlag. Zumindest an der Börse nützt es nichts, dass Microsoft bislang zumindest seinen Profit Jahr für Jahr verbessert hat.

Mehr zu diesem Thema lesen Sie morgen in der gedruckten Ausgabe des Handelsblatts.

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