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26.01.2010

18:45 Uhr

USA

Porsches Eigentümern droht Milliardenklage

Die Milliardenklage von US-Investmentfonds gegen die Dachgesellschaft Porsche SE bringt selbst im Erfolgsfall dem Volkswagen-Konzern keinen finanziellen Schaden. Die Kosten würden vor allem die Familien Porsche und Piëch treffen, Volkswagen verlässt sich auf vertragliche Brandmauer bei Übernahme des Sportwagenbauers.

Vor allem die Porsche-Eigentümer - wie Ferndinand Piëch (links) und Wolfgang Porsche - würden im Erfolgsfall der Klage finanziell leiden. dpa

Vor allem die Porsche-Eigentümer - wie Ferndinand Piëch (links) und Wolfgang Porsche - würden im Erfolgsfall der Klage finanziell leiden.

STUTTGART. Der hoch verschuldete Sportwagenbauer Porsche soll in den nächsten zwei Jahren Teil des VW-Reichs werden. Und Europas größter Autobauer hat Beteiligten zufolge Vorkehrungen getroffen, um sich in jedem Fall gegen ein Übergreifen des Prozessrisikos zu schützen.

Betroffen von einer juristischen Schlappe wären wohl ausschließlich die Aktionäre des Sportwagenbauers und damit maßgeblich die Familien Porsche und Piëch. Ein finanzieller Aderlass könnte Porsches Bewertung beim angepeilten Zusammenschluss mit Volkswagen deutlich drücken, heißt es in Finanzkreisen. Rechtsrisiken auszuschließen ist bei Übernahmen üblich.

VW hat zudem für den Fall, dass die Integration der Dachgesellschaft Porsche SE scheitern sollte, eine Sicherung eingebaut: Auch dann würde der Sportwagenbauer Porsche AG in jedem Fall an die Wolfsburger fallen. Volkswagen lässt sich die Übernahme von Porsche insgesamt gut 15 Mrd. Euro kosten.

Mehrere US-Investmentfonds haben in New York Klage gegen die Porsche SE wegen angeblicher Kursmanipulation bei VW-Aktien eingereicht. In der Klageschrift verlangen die Fonds von Porsche Schadenersatz für Kursverluste mit VW-Stammaktien in Höhe von mehr als einer Mrd. Dollar.

Deutsche Juristen sehen ein wesentliches Problem der Klage darin, dass sie nur mit Mühe einen Gerichtsstand in den USA begründen kann. Porsche habe sich in vielfältiger Weise an US-Investoren gewandt, argumentieren die Anwälte der klagenden Hedgefonds - etwa durch Gespräche auf der Automesse in Detroit, Telefonate mit US-Zuhörern oder englischsprachige Internetseiten. In den USA wurden direkt keine Porsche-Aktien angeboten.

"Die Erfolgsaussichten der Klage sind ungewiss", sagt Rechtsexperte Robert Heym von der Sozietät Graf von Westphalen. Porsche drohe aber ein sogenanntes Discovery Proceeding. "Dann müssten die Deutschen alle internen Unterlagen an die US-Kläger herausgegeben und würden ihnen damit möglicherweise weitere Ansatzpunkte liefern", sagt Jurist Heym. Fraglich sei, ob ein US-Gericht wirklich deutsches Kapitalmarktrecht mit Besonderheiten wie dem VW-Gesetz adäquat bewerten würde.

So ist ein Beherrschungsvertrag bei Volkswagen aufgrund des VW-Gesetzes faktisch ausgeschlossen, da das Land mit 20,1 % der Stämme ein solches Vorhaben blockieren kann. Die Fonds behaupten dagegen, Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking habe die Anleger über einen von ihm geplanten Beherrschungsvertrag im Unklaren gelassen. Heimlich hätten Wiedeking und sein Finanzchef Holger Härter nahezu alle frei verfügbaren Stammaktien des Wolfsburger Konzerns angehäuft - was schließlich nach Offenlegung der Anteilsverhältnisse zu einem ungeheuren Kurssprung der VW-Stämme geführt habe.

Die Hedgefonds müssten die Klage in jedem Fall für ihre Investoren einreichen, heißt es in Finanzkreisen. Große US-Pensionsfonds haben beim VW-Investment viel Geld verloren. "Der eigentliche Skandal wäre, wenn Hedgefonds sich wirklich so naiv auf Unternehmensmitteilungen verließen, wie in der Klage ausgeführt", heißt es.

Die ganze Angelegenheit kann für Porsche äußerst unangenehm werden. Trotz der eher wackligen Begründung der Klage spricht vieles für einen Vergleich. Allein der Aufbau einer Verteidigung gegen aggressive US-Anwälte, die an einem Erfolg der Klage beteiligt sind, sei immens teuer.

Der Zeitpunkt der Klage ist gut gewählt: Am Freitag findet Porsches Hauptversammlung statt. Zum Thema VW-Übernahme hat Porsche zwei Gutachten eingeholt. Das US-Risiko dürfte darin allerdings nicht abgedeckt sein. hz/mcs/mwb

Kommentare (2)

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Kurt Michler

26.01.2010, 20:28 Uhr

Nun, wenn es den Herrn Piech träfe, hätte er unser tiefempfundenes Mitgefühl, oder?

Thomas Müller

26.01.2010, 21:01 Uhr

Diese angeblichen Fonds sind eigentlich nur nutzlose Sackratten, welche mit Leerverkäufen den fetten Gewinn erwarten. Da muß man eben auch mal herbe Verluste verkraften und nicht noch diese agressiven US-Anwälte nutzlos ins Feld schicken. Hat Porsche denen wirklch einen VW-Short aufs Auge gedrückt? Da lachen doch die Hühner. Absolut dilletantisch und somit unglaubwürdig, was die da abliefern

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