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05.01.2016

13:55 Uhr

USA verklagen Volkswagen

Viel mehr als schmutzige Motoren

VonChristian Schnell

Im Abgasskandal wird ausgerechnet das kleinste Problemfeld zum wohl teuersten Fall: Die USA fahren dicke Geschütze auf und verklagen VW. Doch die Behörden handeln nicht ganz uneigennützig. Ein Kommentar.

Die scharfe Wortwahl der US-Behörden lässt kaum Spielraum für Kompromisse. dpa

Volkswagen-Chef Müller

Die scharfe Wortwahl der US-Behörden lässt kaum Spielraum für Kompromisse.

Zufälle sehen wahrhaft anders aus. Am Mittwochmorgen deutscher Zeit sollte eigentlich eine neue Zeit für VW in den USA eingeläutet werden. Markenchef Herbert Diess wird dann auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas ein stromgetriebenes Auto präsentieren, dessen Bild um die Welt gehen sollte.

Der „E-Bulli“, wie ihn Fachmedien bereits nannten, soll eine Reichweite von 500 Kilometern haben, in drei Jahren schon auf den Markt kommen und die Amerikaner vor allem emotional treffen. Erinnert er optisch doch an Woodstock und Flower Power, als kein Auto so sehr die Lebenseinstellung der Hippies wiederspiegelte wie der Ur-Bulli T1.

Christian Schnell ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte.

Der Autor

Christian Schnell ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte.

Anderthalb Tage vorher erhielt die seit Monaten geplante Präsentation am Montagabend einen Dämpfer. Auch die US-Justiz reicht Klage gegen den Wolfsburger Autobauer wegen des Diesel-Skandals ein. Zusammen mit der Umweltbehörde EPA geht es jetzt um Milliarden an Strafe. Die scharfe Wortwahl lässt kaum Spielraum für Kompromisse.

Die Rede ist von irreführenden Informationen und fehlendem Willen zur Aufklärung. Den Wolfsburgern bleibt weiterhin nichts anderes übrig, als in der Öffentlichkeit Reue zu zeigen und die weiterhin intensive Zusammenarbeit mit den Behörden zu betonen.

Ausgerechnet der letzte und zahlenmäßig kleinste Fall der insgesamt drei großen Problemfälle wird damit zum aufwändigsten, umkämpftesten und wohl auch teuersten für Volkswagen. Für die rund 8,5 Millionen Fahrzeuge in Europa sind Lösungen in Sicht. Auch den möglichen Skandal um zu hohe CO2-Werte bekam man relativ zügig in den Griff. Es bleiben die weniger als 600.000 Autos, die in den USA mit manipulierten Stickoxidwerten verkauft wurden und für die nun eine Lösung gesucht wird.

In Europa genügte dafür ein Update der Software. In den USA sind die Vorgaben für Stickoxidwerte nach der Vorschrift BIN 5 strenger als bei der Euro 6 hier. Die Situation ist verfahren.

Kommentare (9)

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marc_hofmann

05.01.2016, 14:06 Uhr

Die USA schützt ihre heimische Autoindustrie. Das CO2 Thema/Umwelt ist nur das Werkzeug für den Vernichtungsfeldzug gegen VW und in Zukunft auch gegen andere ausländische Unternehmen.
Die Deutsche Regierung setzt mit ihrer CO2 freien Gläubigkeit alles darauf auch VW und der gesamten deutschen Volkswirtschaft in den Rücken zu fallen und diese im Kampf gegen die USA und den Rest der Weltwirtschaft alleine zu lassen.
Die Deutsche Grün-Sozialistische CO2 freie Merkel Diktatur Politik lässt die deutsche Wirtschaft voll auflaufen und bekämpft diese immer stärker mit immer mehr Verbots- und marktfeindlichen Gesetzen.
Die Deutsche Wirtschaft sollte sich überlegen, wem diese in Zukunft ihre Spenden und Stimmen zukommen lassen will...das gleiche gilt für die Industriegewerkschaften!
(...)

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Herr Jürgen Mücke

05.01.2016, 14:28 Uhr

Wirtschaftskrieg gegen VW. Nichts anderes ist das...

Herr Tante Mila

05.01.2016, 15:31 Uhr

VW ist selber schuld an der Misere. Man hat betrogen und schlimmer noch, man hat in den USA betrogen. Keiner der einigermaßen bei Verstand ist, lässt sich auf ein derartiges Vabanquespiel ein. Alles getrieben von der Sucht, der größte Autobauer zu werden....

Man hat ein Musterbeispiel dafür gegeben , dass all die schönen Corporate Governance Regeln am Ende nur Schall und Rauch sind - ohne jeglichen Erfolg und Konsequenz.

Und nun wird man getrieben, von den amerikanischen Behörden, der Justiz, den Verbrauchern, den Investoren. Und man lässt es geschehen, weil "Wohlverhalten" angeblich der schnellste Weg durch das Unheil sein soll. Stattdessen wird man nun in den amerikanischen Wahlkampf hineingezogen und möglichst öffentlichkeitswirksam geschlachtet.

Ein Land, das mehr Strom für die Weihnachtsbeleuchtung verbraucht, als andere Länder im ganzen Jahr, leidet natürlich "ganz extrem" unter den Umweltfolgen des VW-Betrugs - aber um die geht es ja auch längst nicht mehr wirklich. Es geht um den Betrug an sich und darum, dass die Behörden ihre Existenzberechtigung nachweisen müssen. Das eine kann VW nicht abstreiten, das andere nicht beeinflussen. Eine hoch brisante und explosive Gemengelage...

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