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26.10.2015

18:49 Uhr

Valeant

Pharma-Aufsteiger im Abwehrkampf

VonSiegfried Hofmann

Der kanadische Pharmakonzern Valeant kämpft um seinen Ruf. Mit einer ausführlichen Präsentation widerspricht er dem Verdacht der Bilanzmanipulation. Wirklich abschütteln kann er die Skepsis der Investoren bisher nicht.

Der Pharmakonzern hat rund 50 Milliarden Dollar an Börsenwert verloren. Reuters

Valeant

Der Pharmakonzern hat rund 50 Milliarden Dollar an Börsenwert verloren.

FrankfurtZwischen Glanz und Elend liegen an der Börse mitunter nur wenige Tage. Das mussten in den vergangenen Wochen nicht nur die Aktionäre von VW erleben. Ganz ähnlich erging es den Anteilseignern der kanadischen Pharmafirma Valeant. Sie war mit einer beispiellosen Akquisitionstour innerhalb weniger Jahre unter die höchstbewerteten Unternehmen der Pharmabranche aufgerückt, hat seit Ende August indessen wieder mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren.

Den ersten Schlag gegen den Pharmaaufsteiger führten US-Politiker, die Valeant wegen seiner aggressiven Preispolitik attackierten. Der zweite Schlag kam in der vergangenen Woche von Fondsmanagern, die auf einen Kursverfall bei Valeant gewettet haben und nun mit Analysen die Rechnungslegung und Vertrauenswürdigkeit des Konzerns massiv in Frage stellten. Der schwerwiegendste Vorwurf dabei: Valeant habe mit Hilfe der bislang völlig unbekannten Spezialapotheke Philidor, die das Pharmaunternehmen über eine Kaufoption kontrolliert, den Umsatz künstlich aufgebläht. Short-Seller Andrew Left rückte Valeant mit einem Report seiner Publikation Citrus Research gar in die Nähe des Skandalunternehmens Enron, das Anfang des letzten Jahrzehnts nach einem riesigen Bilanzskandal zusammengebrochen war.

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Der kanadische Pharma-Hersteller Valeant soll seine Zahlen geschönt haben. Die Aktie stürzte daraufhin rund 40 Prozent ab – für die Investoren eine Katastrophe. Besonders hart trifft es Fondsmogul William Ackman.

In Reaktion auf diese heftigen Attacken verlor die Valeant in der vergangenen Woche zeitweise mehr als 30 Prozent an Wert und ging schließlich mit 116 Dollar am Freitag aus dem Handel, rund 56 Prozent unter ihrem Höchststand von 262 Dollar im August. Alles in allem büßte das einstige Pharma-Wunderkind damit gut 50 Milliarden Dollar an Börsenwert ein.

Valeant-Chef Mike Pearson weist die Vorwürfe vehement zurück und startete am Montag eine Art Gegenoffensive mit einer mehr als einstündigen und rund 90 Seiten starken Präsentation. Die Vorwürfe Lefts bezeichnet er als  „komplett unwahr“ und ausschließlich von dem Motiv getrieben den Kurs von Valeant nach unten zu treiben. „Wir führen unser Geschäft nach den höchsten ethischen Standards und bekennen uns zu vollständiger Transparenz“, bekräftigte Pearson.

Die Zusammenarbeit mit Spezialapotheken beschreibt Pearson als völlig legal und wichtigen Teil der Strategie. Anders als von Left unterstellt, werde der Umsatz durch die Zusammenarbeit mit Philidor nicht künstlich erhöht. Seit dem Erwerb einer Kaufoption Ende 2014 habe man Philidor vielmehr voll und ordnungsgemäß konsolidiert im Abschluss von Valeant. Umsätze werden demnach erst dann verbucht, wenn Philidor Ware an die Patienten verkauft hat und nicht etwa, wenn Valeant an Philidor liefert. Um die Vorwürfe  zu entkräften, hat Valeant zudem eine Untersuchungskommission eingesetzt, die die Geschäftsbeziehungen untersuchen und prüfen soll, wie man mit dem Engagement weiter verfahren sollte.

Wirklich beruhigen konnte Pearson den Markt damit offenbar nicht. Zumindest im frühen New Yorker Handel gab die Valeant-Aktie erneut um mehr als sieben Prozent nach, später erholte sie sich wieder. Das Problem für den früheren Mc-Kinsey-Berater, der das Unternehmen seit 2008 führt: Auch wenn man den Vorwurf der Bilanzmanipulation widerlegen kann, es dürften  Zweifel bleiben an der langfristigen Perspektive des Geschäftsmodells.

Denn Pearson setzt mit Valeant auf eine Konsolidierung in völlig neuem Stil. Seit 2008 hat er etwa 35 Milliarden Dollar in mehr als 140 Zukäufe investiert - darunter zahlreiche kleine Übernahmen von Produkten und Firmen, aber auch einige große Deals wie die Übernahme des Kontaktlinsen-Herstellers Bausch & Lomb für 8,7 Milliarden Dollar im Jahr 2013 oder den Kauf des US-Pharmaherstellers Salix für 16 Milliarden Dollar Anfang April.  Den Umsatz von Valeant steigerte damit von 800 Millionen Dollar auf voraussichtlich rund elf Milliarden Dollar im laufenden Jahr, gleichzeitig stieg die Nettoverschuldung auf fast 30 Milliarden Dollar per Ende September. Der Aktienkurs des einst unscheinbaren Pharmaherstellers lag gegenüber dem Stand von 2008  zeitweise um den Faktor 20 im Plus, bevor er in den vergangenen Wochen eingebrochen ist.

Die bisherige Euphorie für den Pharma-Aufsteiger gründet sich dabei auf dem Versprechen Pearsons, aus den vielfach eher unscheinbaren Produkten und Geschäften der übernommenen Firmen neue Wachstumsmaschinen zu machen. 

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