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22.02.2013

14:02 Uhr

Vasella-Abschied bei Novartis

„Sie hinterlassen ein Bild der Gier“

VonHolger Alich

Auf seine Mega-Abfindung hatte der Novartis-Verwaltungsratschef zwar schon vor der Hauptversammlung verzichtet. Dennoch ließen die Aktionäre kaum ein gutes Haar an ihm. Die Schweiz ist in Aufruhr wegen gieriger Manager.

Der scheidende Novartis-Verwaltungsratschef Daniel Vasella schaut während der Hauptversammlung in Basel auf die Uhr. dpa

Der scheidende Novartis-Verwaltungsratschef Daniel Vasella schaut während der Hauptversammlung in Basel auf die Uhr.

BaselDaniel Vasella nahm es mit Humor. Schon zum ersten Tagesordnungspunkt der Hauptversammlung des Pharma-Riesen Novartis, der Aussprache zum Jahresbericht, gab es 16 Wortmeldungen. „Haben Sie etwas anderes erwartet?“, fragte er mit einem Lächeln in den Saal.

Er wusste: Es wird ungemütlich werden. Das Interesse am Aktionärstreffen war ungewöhnlich groß: Das Schweizer Fernsehen übertrug das Event sogar live. 2688 Aktionäre waren persönlich nach Basel zum Treffen gereist. Und es ging vor allem um einen Thema: Daniel Vasella und seine Vergütung.

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Denn vor einer Woche sickerte über die Presse durch, dass Vasella nach seinem Abgang noch über sechs Jahre insgesamt 72 Millionen Franken (58 Millionen Euro) allein dafür bekommen soll, dass er nicht bei der Konkurrenz anheuert. Ein Sturm der Entrüstung fegte über die Schweiz, sogar Regierungsmitglieder äußerten ihr Unverständnis. Vasella und sein Verwaltungsrat traten darauf hin den Rückzug an, das Vertragspaket wurde annulliert.

Eine Meuterei blieb beim Aktionärs-Treffen in Basel zwar aus; doch die meisten Redner machten aus ihrem Frust keinen Hehl. Die Aktionärin Christine Renaudin zum Beispiel übergab Vasella ein goldenes Kalb. „Denn das ist der einzige Gott, zu dem sie beten“, hielt sie ihm vor. „Sie hätten mit dem Bild eines großen Visionärs abtreten können, doch sie hinterlassen nur das Bild der Gier.“

Dominique Biedermann, der Geschäftsführer der Pensionskassen-Stiftung Ethos, war einer der ersten, der das Feuer eröffnete: „Wie die ganze Schweiz waren unsere 140 Pensionskassen schockiert über den Vertrag über das Konkurrenz-Verbot.“ Ihn ärgert vor allem, dass die Summe der damit verbundenen Vergütung von 72 Millionen Franken nur über die Presse an die Öffentlichkeit gedrungen sind. Der Rückzug des Vertrages sei zwar richtig, „aber es bleibt der schlechte Eindruck, dass dieser Verwaltungsrat nicht richtig funktioniert.“

Kommentare (24)

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Wutbuerger

22.02.2013, 14:28 Uhr

Die bekanntesten Schweizer in Deutschland waren mal
Emil Steinberger
DJ BOBO

heute nur noch Typen wie Sepp Blatter, Mark Ospel und Herr Vasella

VICTOR_KRUGER

22.02.2013, 14:49 Uhr

Ein "Berufsverbot", das mit 72 Millionen Franken
versüßt wird - da gibt es schlimmere Verbote!

Heiliger Strohsack, Herr Lehner!

Samweis

22.02.2013, 14:49 Uhr

Mich würde ja interessieren, worin diejeniogen, die da lauthals "ungerecht" schreien, eine gerechte Alternative sehen:

1. Aufhebung der Konkurrenzausschlussvereinbarung, d.h. Herr Vasella fängt morgen einfach bei der Konkurrenz an?
2. Herr Vasella erhält 6 Jahre Berufsverbot. Unentschädigt, natürlich?
3. Herr Vasella hat sowieso schon zu viel verdient und erhält lebenslanges Arbeitsverbot, notfalls durchzusetzen per vorbeugender Internierung?

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