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02.12.2014

13:13 Uhr

VDA-Jahresausblick

Der schlafende Automarkt

Deutschlands Autokonzerne haben nur wenig Vorfreude auf das neue Jahr. Der Absatz in Europa soll stagnieren und wichtige Wachstumsmärkte schwächeln. Warum die Branche ihre gute Laune verloren hat.

Europäischer Automarkt: Die Zahl der Privatkunden sinkt seit Jahren. dpa

Europäischer Automarkt: Die Zahl der Privatkunden sinkt seit Jahren.

DüsseldorfAls Cheflobbyist der deutschen Autoindustrie neigt man nicht zum Schwarzmalen. Obwohl der Absatz auf dem Heimatmarkt seit Jahren schwächelt, fahren die deutschen Konzerne BMW, Daimler und VW international Milliardengewinne ein. Und doch ist der Ausblick, den Matthias Wissmann, Chef des Verbands der Automobilindustrie, für das kommende Jahr gibt, eher mau.

„Westeuropa kommt voran, allerdings mit geringerer Dynamik“, erklärt VDA-Chef Matthias Wissmann seine Prognose für das kommende Jahr. Unterm Strich erwartet der Verband ein Absatzplus von zwei Prozent auf 12,2 Millionen Neuregistrierungen. Mehr sei nicht drin, wenn die Konjunktur in Frankreich und Italien sich wie erwartet entwickelt. In Deutschland soll die Zahl der Verkäufe sogar nur um ein Prozent zulegen. Im November war die Zahl der Verkäufe im Vergleich zum Vorjahr sogar gesunken. Im Gesamtjahr habe man aber die Marke von drei Millionen Fahrzeugen geknackt, erklärt Wissmann. Das stimme ihn optimistisch.

Die zehn größten Autohersteller Europas

Platz 10

Nissan

Verkaufte Fahrzeuge: 0,35 Millionen (-2,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 9

Toyota

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Toyota und Lexus: 0,43 Millionen (- 2,0 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 8

Daimler

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Mercedes-Benz und Smart: 0,56 Millionen (+5,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 7

Fiat Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Fiat, Lancia/Chrysler, Alfa Romeo, Jeep: 0,62 Millionen (- 8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 6

BMW Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken BMW und Mini: 0,64 Millionen (+ 0,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 5

Ford

Verkaufte Fahrzeuge: 0,75 Millionen (-4,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 4

General Motors

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Opel, Vauxhall, Chevrolet, GM: 0,8 Millionen (- 5,6 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 3

Renault Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Renault, Dacia: 0,89 Millionen (+1,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 2

PSA Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Peugeot und Citroën: 1,11 Millionen (-10,3 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 1

Volkswagen

Verkaufte Fahrzeuge der Marken VW, Audi, Seat, Skoda: 2,49 Millionen (-2,6 Prozent gegenüber Vorjahr)

Quelle

Es wirkt fast, als habe sich die Industrie mit der Schwäche des Heimatmarktes arrangiert. Kriselnde Firmen wie Opel, Ford und Fiat haben ihre Kapazitäten angepasst, Werke geschlossen. Alle konzentrieren sich vermehrt auf die Wachstumsmärkte im Ausland.

Einige Entwicklungen bleiben allerdings besorgniserregend. Da ist zum einen der schwache Verkauf im Privatkunden. Wenn in Europa ein Neuwagen verkauft wird, dann meist an eine Firma. Die Zahl der Privatkunden sinkt seit Jahren – trotz ausartender Rabattschlachten. Im wachsenden Kleinwagensegment fällt es den Deutschen immer schwerer, anständige Renditen zu erwirtschaften. „Es reicht nicht, sich alleine auf das Premiumsegment zu konzentrieren“, sagt Harald Linné, Automotive Experte bei Atreus. Auch wenn hier noch die Stärke der Deutschen liegt.

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Denn neben dem schwächelnden Privatkundengeschäft verlieren auch wichtige Exportmärkte an Fahrt. Im einstigen Wachstumsmarkt Russland sind die Verkäufe zweistellig eingebrochen. Und selbst der Wachstumsmotor China läuft längst nicht mehr so rund wie in der Vergangenheit. Der VDA geht in Fernost nur noch von einem Plus von sechs Prozent auf 19 Millionen Fahrzeuge aus. „Das hat natürlich ganz erhebliche Auswirkungen auf die weltweite Autoproduktion“, sagt Marktexperte Linné.

Kommentare (2)

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Herr Konrad Betzl

02.12.2014, 13:47 Uhr

Privatkundenmarkt
Ist ja schön, wenn sich da mal wer Sorgen macht! Wenn es halt nicht mehr für ein neues Auto reicht, kaufen wir ein gebrauchtes. Es scheint ja sowieso wichtiger, die Renditen zu steigern und so die erwirtschafteten Beträge verstärkt zum Vorteil der Kapitaleigentümer aufzuteilen. Junge Familien kaufen sich so im Durchschnitt sicher kein neues Auto - womit denn auch, wenn die Miete mal bezahlt ist und die anderen Ausgaben berücksichtigt werden müssen. Und die Alten kaufen auch nicht mehr jedes Jahr ein neues Fahrzeug, weil sie es nicht mehr brauchen. Diejenigen, die von der aktuellen Verteilung der Renditen am meisten profitieren (Investoren), können die Kaufkraftschwäche der großen Zahl nicht Begünstigter nicht kompensieren. Natürlich würde ich mir auch gerne ein neues Auto kaufen, aber ich - und ich fürchte, sehr viele andere auch - muss rechnen, und das mit einem sehr spitzen Bleisift!

Herr Michael Rother

03.12.2014, 12:40 Uhr

Sollte es den deutschen Autobauern etwa ergehen wie z.B. den in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts damals weltweit führenden Branchen Uhren, Fototechnik und Motorrad , als allesamt in arrogantem, selbstzufriedenem Tiefschlaf alle technischen Entwicklungen und Trends verschlafen bzw. ignoriert haben und danach kurzerhand vom Markt verschwunden sind?
Nach wie vor dominieren protzige, schwere und überteuerte PS-Boliden mit Verbrennungsmotor den deutschen Automarkt. Aber klammheimlich werden sich die Ansprüche derjenigen, die überhaupt noch willens oder in der Lage sind, sich ein neues Auto zu kaufen, ändern: gebraucht werden in Zukunft günstige, "smarte" Vehikel mit alternativen Antrieben!

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