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29.06.2017

12:34 Uhr

VDMA

Maschinenbauer im Aufschwung

VonMartin Wocher

Der Maschinenbau als Deutschlands Vorzeigeindustrie hat wirtschaftlich durchwachsene Jahre hinter sich. Nun kehrt der Optimismus zurück: Für das laufende Jahr schraubt der Branchenverband die Prognose nach oben.

„Die Stimmung in den Unternehmen ist ausgesprochen gut“, sagte der Chefvolkswirt des Branchenverbandes VDMA Ralph Wiechers. dpa

Maschinenbau

„Die Stimmung in den Unternehmen ist ausgesprochen gut“, sagte der Chefvolkswirt des Branchenverbandes VDMA Ralph Wiechers.

DüsseldorfDie vergangenen Jahre waren nicht immer leicht für Deutschlands Maschinenbauer. Die politischen Krisen in der Welt, wie etwa in Russland, der Türkei oder Brasilien verhagelten ihnen manches Geschäft. Die Konjunkturschwäche im größten Absatzmarkt China tat das übrige. So dümpelte die Vorzeigebranche in Sachen Wachstum mehr oder weniger an der Nulllinie herum.

Noch Ende 2016 traute sich die stark mittelständisch geprägte Schlüsselindustrie nur ein mageres Plus bei der Produktion von gerade mal einem Prozent zu. Doch binnen weniger Monate hat sich Optimismus in den Führungsetagen breitgemacht: Ausgerechnet die vielen Bestellungen aus Europa sorgen für den stärksten Wachstumsschub seit fünf Jahren. Grund genug für die Branche, ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr kräftig auf drei Prozent anzuheben.

„Die Stimmung in den Unternehmen ist ausgesprochen gut“, sagte der Chefvolkswirt des Branchenverbandes VDMA Ralph Wiechers am Donnerstag in Frankfurt. „Alles steht bereit für einen neuen Aufschwung.“ Dafür sprechen nach seiner Einschätzung drei wesentliche Gründe.

Chancen und Risiken des deutschen Maschinenbaus

Rückgrat der deutschen Wirtschaft

Mit mehr als einer Million Beschäftigten gilt der Maschinen- und Anlagenbau als größter industrieller Arbeitgeber in Deutschland. Doch die Zeit rasanter Zuwächse scheint für die mittelständisch geprägte Schlüsselindustrie erst einmal vorbei. Die Branche sieht sich einem Mix aus Chancen und Problemen gegenüber.

Quelle: dpa

Bremseffekt China

Die Schwäche wichtiger Märkte wie China bremst die extrem exportorientierten Maschinen- und Anlagenhersteller erheblich, denn das Riesenreich ist ein gewaltiger Absatzmarkt für Maschinen „Made in Germany“. Doch die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sind vorbei. So rechnet der Branchenverband VDMA mit einen Ausfuhr-Rückgang um 6 Prozent auf gut 16 Milliarden Euro im Jahr 2015.

Bremseffekt Russland

Die seit 2014 wirksamen Sanktionen gegen Putins Reich haben in den Bilanzen der deutschen Maschinenbauer deutliche Spuren hinterlassen. 2015 sollte der Maschinen-Export dorthin nach Schätzungen nur noch rund 5 Milliarden Euro betragen, fast 3 Milliarden Euro weniger als zwei Jahre zuvor. In der Tabelle der Exportmärkte fiel Russland von Rang 4 auf Platz 10 zurück.

Entlastung und Risiko Ölpreis (1)

Der Absturz des Ölpreises senkt die Energiekosten bei der Produktion. Zugleich setzt er die Ölindustrie als Kunden der Maschinenbauer unter Druck. Die Folge: Investitionen werden verschoben. Komplizierte und daher teure Förderprojekte werden auf Eis gelegt.

Entlastung und Risiko Ölpreis (2)

Das Wartungsgeschäft entwickle sich dagegen robust, sagte Siemens-Chef Joe Kaeser jüngst. Weil der Verbrauch steige, müsse mehr Öl durch Pipelines gepumpt werden, wovon Siemens mit Ersatzteilen für Pumpen und Kompressoren profitieren könne. Siemens hatte 2014 den US-Kompressorenhersteller Dresser-Rand gekauft.

Rückenwind Euro

Durch den Kurs-Rückgang der Gemeinschaftswährung werden deutsche Produkte auf dem Weltmarkt tendenziell billiger. Das kann die Nachfrage ankurbeln. Insbesondere auf dem US-Markt sind deutsche Maschinen dadurch preislich im Moment sehr konkurrenzfähig. Auch im Euro-Binnenmarkt lief es zuletzt wegen des Nachholbedarfs besser.

Hoffnung Iran

Das Land hat nach dem Ende der Sanktionen großen Nachholbedarf, es fehlt überall an modernen Maschinen, Anlagen und Komponenten. Daher hofft die Branche auf steigende Nachfrage aus dem traditionell eng mit der deutschen Wirtschaft verknüpften Land. Wichtig ist dabei aus Sicht der Maschinenbauer ein sicheres Finanzwesen - ohne das Risiko, für am Ende doch nicht erlaubte Geschäfte belangt zu werden, etwa von US-Behörden. Der niedrige Ölpreis limitiert zudem die Finanzen der Islamischen Republik, wo auch Konkurrenten wie Frankreich, Italien und China unterwegs sind.

Hoffnung TTIP (1)

In den Verhandlungen zwischen den USA und der Europäischen Union ist dem Maschinenbau ein eigenes Kapitel vorbehalten. Der VDMA verspricht sich einen deutlich verbesserten Zugang zum US-Markt. Die Zölle für Einfuhren seien zwar prozentual eher niedrig, belaufen sich laut Verbandsschätzung für den Maschinenbau aber trotzdem auf hunderte Millionen Euro im Jahr.

Hoffnung TTIP (2)

Noch wichtiger wäre den Unternehmen der Wegfall anderer Handelshemmnisse, wenn es zum Beispiel um unterschiedliche Normen für Stecker, Kabel oder Gewinde geht. Derzeit verteuere die Umrüstung und notwendige Zertifizierung in den USA die deutschen Produkte um 5 bis 20 Prozent.

Hoffnung Afrika

Der afrikanische Kontinent gilt trotz aller Probleme als wachsender Exportmarkt mit Zukunft. Vor allem Länder südlich der Sahara streben nach VDMA-Einschätzung danach, Technologie für den eigenen wirtschaftlichen Fortschritt und die Etablierung einer verarbeitenden Industrie einzukaufen. Man wolle die eigenen Bodenschätze und Agrarprodukte im Land selbst verarbeiten. Allerdings ist bei den dafür notwendigen Maschinen die Konkurrenz groß: Vor allem die Chinesen haben sich große Marktanteile gesichert, aber auch Italien und die USA lagen zuletzt vor den deutschen Anbietern.

Zum einen stieg die Zahl der Aufträge in den lange in wirtschaftlicher Agonie gefangenen Euroländern deutlich stärker als erwartet – allein im Mai kamen ein Drittel mehr Aufträge in die Orderbücher als im Vorjahr.

Zweitens zieht das Inlandsgeschäft stärker an als bisher angenommen. „Die Kapazitätsauslastung in der verarbeitenden Industrie ist zuletzt gestiegen“, sagt Wiechers. „Es gibt Nachholbedarf beim Investieren und Modernisieren.“

Und drittens entwickeln sich die Geschäfte mit asiatischen Ländern – insbesondere China – besser als bisher prognostiziert. So stiegen in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres die Maschinenexporte aus Deutschland ins Reich der Mitte um 15 Prozent. China ist der weltgrößte Maschinenbaumarkt und der zweitwichtigste Kunde der deutschen Firmen.

Zwischen März und Mai legte der Auftragseingang im deutschen Maschinenbau um real vier Prozent zu. Die Bestellungen aus dem Ausland zogen in der gleichen Größenordnung an, allein aus Europa lagen die Aufträge um 23 Prozent über denen im Vorjahr. „Spanien zeigt Erfolge bei der Restrukturierung, Italien trotzt den immer wieder aufflackernden politischen Problemen und Frankreich war schon vor der Wahl Emmanuel Macrons zum neuen Präsidenten auf Expansionskurs“, sagte Wiechers. Selbst in Großbritannien seien die Bestellungen zuletzt noch angezogen.

Zwar warnt der VDMA-Chefvolkswirt vor überzogenen Erwartungen: „Die drei Prozent entsprechen dem langjährigen Durchschnitt“, sagt er. Auch sei dieser Wert angesichts politischer Unwägbarkeiten in Großbritannien und den USA noch alles andere als sicher. Doch dieses Jahr könne seiner der Einstieg in einen neuen Konjunkturzyklus bedeuten, „und zwar in die richtige Richtung.“ Angesichts der positiven wirtschaftlichen Prognosen für  2017 und 2018 seien auch noch höhere Wachstumsraten möglich.              

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