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21.08.2011

16:45 Uhr

Venezuela

Das Geschäft mit dem Öl

VonCarola Sonnet

Kein Land hat so viel Öl wie Venezuela. Um den Schatz zu heben, müsste das Land Know-how aus dem Ausland einkaufen. Aber Präsident Chavez will mit dem Rohstoff seine Macht sichern.

Ein Arbeiter des staatlichen Ölkonzerns PdVSA fängt Rohöl auf. Quelle: Reuters

Ein Arbeiter des staatlichen Ölkonzerns PdVSA fängt Rohöl auf.

MaracaiboLucas Martinez’ Familiengeschichte geht es wie Venezuela, dem Land, in dem er groß wurde: Beides ist untrennbar mit dem Öl verbunden. Martinez, ein Mittelständler aus dem Westen des Landes, hat Vorfahren, die wegen des Öls einst Spanien verließen und nach Venezuela kamen. Es war damals die Aussicht auf gute Geschäfte, die seine Vorfahren lockte. Und so war Martinez immer Teil der Ölindustrie. Er hatte ein Unternehmen, das Boote betrieb für die Ölplattformen im Maracaibo-See, dem Ölzentrum des Landes. Für Transporte, Auslieferungen, aber auch für Notfälle. Man konnte sich auf ihn verlassen.

Jetzt aber haben sich die Zeiten geändert. Es gibt einen neuen Ölboom in Venezuela. Aber Martinez sitzt vor seinem Laptop und schaut durch Brillengläser, die den Laptop spiegeln, auf endlose Zahlenreihen. Das macht er heute öfter als früher, denn er muss ums Überleben kämpfen. Trotz Boom. Weil sich die Gewichte in Venezuelas Ölindustrie verschieben, vor allem aber, weil Martinez aus Sicht der Mächtigen die falsche Meinung zum falschen Zeitpunkt äußerte.

Und so erzählt die Geschichte des Mittelständlers Lucas Martinez sehr viel über die Ölwirtschaft in Venezuela und den beginnenden Kampf um die letzten großen Ölreserven dieser Welt.

Gerade hat die Opec verkündet, dass Venezuela Saudi-Arabien von der Spitze der Liste der Länder mit den größten Ölvorkommen der Welt abgelöst hat. An die 300 Milliarden Barrel und damit Schwerölvorkommen für die nächsten 200 Jahre sollen hauptsächlich im Delta des Orinoco-Flusses im Osten des Landes liegen. Für das mäßig entwickelte Land und seine 28 Millionen Einwohner sind das verlockende Perspektiven.

Bisher fördert Venezuela drei Millionen Barrel pro Tag, bis 2015 soll die Produktion auf knapp fünf Millionen Barrel steigen. Um den Schatz zu heben, müsste der verstaatlichte Ölkonzern Petroleros de Venezuela S.A. (PdVSA), das größte Unternehmen des Landes, jedoch massiv in die veraltete Infrastruktur investieren und Know-how aus dem Ausland einkaufen. 24 Milliarden Dollar, rund ein Viertel des Umsatzes der PdVSA, wären dafür nötig. Für den umstrittenen Präsidenten Hugo Chavez heißt das: Er braucht die internationalen Ölkonzerne. Für die Ölkonzerne heißt das: In Venezuela werden die Karten neu gemischt.

Aus dem Herzland des venezolanischen Ölreichs, aus Maracaibo im Bundesstaat Zulia, führt die einzige ausgebaute Straße immer geradeaus, vorbei an leuchtend grünem Baumdickicht und Sträuchern. Immer wieder tauchen dazwischen vereinzelt Häuser auf, die Bewohner stehen an der Straße und verkaufen, was die Autofahrer brauchen: Toilettenpapier, Mandarinen, Kaffee aus der Thermoskanne, Baseball-Aufkleber.

Kommentare (1)

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21.08.2011, 17:38 Uhr

"Kein Land hat so viel Öl wie Venezuela."
Very strange information, Venezuela is in seventh place in proven oil reserves.

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