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04.12.2012

13:14 Uhr

Verband der Autoindustrie

Autohäuser müssen mit Flaute rechnen

In Deutschland werden im kommenden Jahr weniger als drei Millionen Autos verkauft werden, schätzt der VDA. Das wäre ein erneuter Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Dennoch gibt es einen Lichtblick für die Branche.

Neuwagen stehen am Volkswagen-Werk in Wolfsburg zum Abtransport bereit. dapd

Neuwagen stehen am Volkswagen-Werk in Wolfsburg zum Abtransport bereit.

BerlinDie starke Nachfrage in Übersee bewahrt die deutsche Automobilindustrie in diesem Jahr vor dem Ärgsten. Während sich die Verbraucher in vielen europäischen Staaten mit hoher Arbeitslosigkeit keine Neuwagen leisten können und der gesättigte deutsche Markt ebenfalls schrumpft, läuft es für deutsche Premiumhersteller besonders in den USA und in Asien rund. In Amerika wuchsen die deutschen Premiumhersteller im November deutlich stärker als ihre örtlichen Konkurrenten.

Die Krise in der Eurozone wird im nächsten Jahr andauern – davon geht der Verband der Automobilindustrie (VDA) aus: „Der Gegenwind nimmt zu. Eines ist gewiss - das Jahr 2013 wird uns fordern, es wird ein hartes Arbeitsjahr“, sagte VDA-Chef Matthias Wissmann am Dienstag in Berlin. Die Prognose des Verbands für 2013 fällt denn auch verhalten aus: Der Verband rechnet mit einem Rückgang der Neuzulassungen in Deutschland auf rund drei Millionen nach 3,1 Millionen Fahrzeugen, die in diesem Jahr erwartet werden. Ein Lichtblick: Die Inlandsproduktion werde im nächsten Jahr dank des stabilen Exports nach Übersee voraussichtlich geringfügig zulegen.

Die größten Autohersteller in Europa

Platz 10

Nissan - 239.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Im Vergleich zum Vorjahr büßen die Japaner Marktanteile ein. Die Zahl der Neuzulassungen schrumpfte um drei Prozent.

Platz 9

Toyota - 295.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Weltweit gehören die Japaner zu den größten Autokonzernen. In Europa stagnieren die Absätze allerdings. Im Vergleich zum Vorjahr wurden ein Prozent weniger Neuwagen verkauft.

Platz 8

Daimler - 349.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Der deutsche Premiumhersteller kann sich freuen: Als einziger Hersteller in der europäischen Top Ten verkauften die Stuttgarter mehr Autos als im Vorjahr. Die Verkäufe legten um ein Prozent zu.

Platz 7

BMW - 421.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Trotzdem kann BMW die Premiumkrone auch in Europa behaupten. Die Münchner verkauften zwar ein Prozent weniger Neuwagen als im Vorjahr - doch das ist immer noch besser als die Konkurrenz.

Platz 6

Fiat - 456.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Sorgenfalten von Fiat-Chef Sergio Marchionne dürften zunehmen. Mit einem Minus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr befinden sich die Italiener in einer der tiefsten Absatzkrisen der Unternehmensgeschichte.

Platz 5

Ford - 533.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch für den US-Autobauer, dessen größtes Werk in Europa nördlich von Köln liegt, sind die Verkäufe in Europa eingebrochen. 11 Prozent weniger Fahrzeuge wurden an den Mann gebracht.

Platz 4

General Motors - 573.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Zahlen sind besorgniserregend. So besorgniserregend, dass zuletzt auch Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke gehen muss. In Europa brachen die Verkäufe des US-Riesen im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent ein.

Platz 3

Renault - 583.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Noch schlimmer trifft es den französischen Autoriesen Renault. Satte 17 Prozent weniger Autos konnten die Franzosen im ersten Halbjahr absetzen. Die Regierung denkt bereits über Staatshilfen für die angeschlagene heimische Autoindustrie nach.

Platz 2

Peugeot/Citroën - 827.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch der größte französische Autobauer klagt über Absatzprobleme und kündigte zuletzt an, 8000 Stellen streichen zu wollen. Im ersten Halbjahr schrumpften die Verkäufe um 14 Prozent.

Platz 1

Volkswagen - 1,66 Millionen Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Es ist einsam an der Spitze: Die Wolfsburger deklassieren die Konkurrenz um längen. Im schwierigen europäischen Massenmarkt verliert Volkswagen zwar ein Prozent - doch insgesamt nehmen die Marktanteile zu.

Im November sanken die Neuregistrierungen in Deutschland Branchenangaben zufolge um drei Prozent auf 260.000 Einheiten. Seit Jahresbeginn kamen knapp 2,9 Millionen Fahrzeuge neu auf die Straßen, zwei Prozent weniger als im selben Zeitraum des Vorjahres. Damit hält sich die Nachfrage auf Europas größtem Pkw-Markt weiterhin stabiler als in vielen Nachbarländern, wo wegen der Krise in den Schuldenstaaten Südeuropas kaum neue Wagen verkauft werden. In Frankreich waren die Neuzulassungen im November um knapp ein Fünftel weggebrochen.

Dagegen fühlen sich die deutschen Oberklassehersteller mit teils hohen zweistelligen Zuwachsraten in den USA wie im Schlaraffenland. BMW steigerte seinen Absatz im November auf dem nach China weltweit zweitgrößten Pkw-Markt um 39 Prozent und lag damit einen Monat vor Jahresschluss rund 30.000 Einheiten vor dem Rivalen Daimler. Der Stuttgarter Konzern verkaufte im vergangenen Monat 15,6 Prozent mehr Fahrzeuge als vor Jahresfrist. Volkswagen steigerte den Absatz um knapp 30 Prozent, die ebenfalls zum Wolfsburger Konzern gehörende Sportwagenmarke Porsche sogar um mehr als 70 Prozent.

Die weltweit größten Automobilzulieferer

Platz 10

Faurecia - 18,03 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Das Schicksal des Autozulieferers ist eng verbunden mit PSA Peugeot/Citroën. Derzeit stagnieren die Geschäfte. Zum Portfolio gehören Sitze und Emissionskontrollsysteme.

Platz 9

Aisin Seiki - 18,92 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die Japaner gehören zur Toyota-Gruppe und produzieren etliche Komponenten für die Autoindustrie, darunter Getriebe und Navigationssysteme.

Platz 8

Michelin - 20,25 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Der französische Reifenriese musste zuletzt erneut Rückschläge beim Absatz hinnehmen. Neben Reifen stellt das Unternehmen aus Clermont-Ferrand auch Navigationssysteme her.

Platz 7

Johnson Controls - 20,93 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die US-Amerikaner aus Milwaukee konzentrieren sich die Zulieferung von Sitzen, Türen und Instrumenten. Damit legte der Umsatz zuletzt leicht zu.

Platz 6

Hyundai Mobis - 23,25 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die Koreaner sind Teil des riesigen koreanischen Hyundai-Imperiums und zählen zu den wichtigsten Zulieferern für die Autobauer Hyundai und Kia. Gebaut werden Sicherheitssysteme, Airbus, Lampen und Antriebsstränge.

Platz 5

Bridgestone / Firestone - 24,62 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

In der Gummiverarbeitung sind die Japaner sogar weltweit führend. In Frankreich, Italien, Polen und Spanien betreiben sie eigene Werke.

Platz 4

Magna - 24,95 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Unter der Führung der schillernden Österreichers Frank Stronach wuchs der Konzern - und kann nahezu alle Bauteile selbst Produzieren. Fahrgastzellen, Sitze, Antrieb und Elektronik gehören zum Portfolio des Unternehmens.

Platz 3

Denso - 27,79 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Die Japaner verloren zuletzt wieder Marktanteile. Kunden sind insbesondere die großen japanischen Autobauer. Das Unternehmen baut unter anderem Klimaanlage, Antriebsstränge und Elektronik.

Platz 2

Robert Bosch - 30,7 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Der zweitgrößte Autozulieferer der Welt ist in Stuttgart daheim. Neben Benzin- und Dieselsystemen baut Bosch auch Multimedia-Systeme, Bremsen, Elektronik und Batterien für etliche große Autohersteller .

Platz 1

Continental - 33,32 Milliarden Euro Umsatz mit Autoteilen

Aus Hannover in die Welt: Neben den bekannten Reifen liefert Conti auch Sicherheits- und Telematiksysteme, Steuerinstrument und die Elektronik für Antriebsstränge. Im Vergleich zum Vorjahr legte der Umsatz damit leicht zu.

Als Grund für das hohe Wachstum führten Experten den Sturm "Sandy" im Oktober an, durch den viele Verkäufe in den November verschoben worden seien. Die Opel-Mutter GM begründete ihr vergleichsweise geringes Wachstum von drei Prozent damit, dass sie an der vom Sturm betroffenen Ostküste weniger Fahrzeuge verkaufe als in anderen Regionen der USA. Ford legte um 6,5 Prozent zu. Am stärksten unter den drei US-Autobauern steigerte sich die von Fiat kontrollierte Marke Chrysler (plus 14,4 Prozent).

Auch in China waren die Nobelkarossen von BMW, Daimler und der VW-Tochter Audi zuletzt gefragt. Dadurch können die deutschen Premiumhersteller den Absatzrückgang in ihrer Heimat abfedern, während die Konkurrenz von Opel und Peugeot über Werksschließungen diskutiert. Ford hat bereits angekündigt, in den nächsten Jahren drei Werke mit 5700 Beschäftigten zu schließen.

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Von

rtr

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

04.12.2012, 12:50 Uhr

"Der VDA-Präsident machte eine Verunsicherung der Deutschen wegen der Schuldenkrise verantwortlich, dazu kämen hohe Kraftstoffpreise."
Vielleicht liegt es auch an den geringen Löhnen? Schließlcih beschäftigen die Automobilzulieferer auch größtenteils über Sklavenhändler?
Da schließt sich der Kreis.

Von_was-denn

04.12.2012, 13:07 Uhr

Die Steuerzahler-Kuh wird ständig für alle europäischen Rettungsaktone gemolken. Für die Daseinsvorsorge und die inländische Infrastruktur ist trotzdem kein Geld da.
Und dann reiben sich alle die Augen und staunen, warum der Deutsche kein neues Auto kauft!
Leute, das kommt noch dicker wartet nur.

Account gelöscht!

04.12.2012, 13:40 Uhr

ACH WAS? Erzählt mal was, womit keiner rechnet!

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