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19.02.2014

12:53 Uhr

Verbesserte Arbeitsverhältnisse

Daimler schafft ein bisschen weniger Benachteiligung

Daimler reagiert offenbar auf öffentliche Kritik an Werkverträgen und könnte viele der Kontrakte ersetzen. So können Betriebsräte auf die Rechte der Mitarbeiter einwirken. 200 Beschäftigte sollen fest angestellt werden.

Für einige der Mitarbeiter dürfte es eine enorme Verbesserung sein: Daimler will Werkverträge überprüfen und eventuell ersetzen. dpa

Für einige der Mitarbeiter dürfte es eine enorme Verbesserung sein: Daimler will Werkverträge überprüfen und eventuell ersetzen.

StuttgartDie Umwandlung von Werkverträgen in bessergestellte Leiharbeitsverhältnisse schreitet beim Autobauer Daimler nach einem Zeitungsbericht voran. In Sindelfingen seien rund 1.000 der geplanten 1.400 Änderungen realisiert worden, sagte eine Sprecherin des Gesamtbetriebsrats am Mittwoch in Stuttgart. Dies hatten zuvor auch die „Stuttgarter Nachrichten“ berichtet.

Weitere 1.000 Änderungen stehen nach Betriebsratsangaben im Laufe dieses Jahres in der Zentrale in Untertürkheim an. 200 Beschäftigte sollen eine Festanstellung bekommen, wie die Sprecherin sagte. Ihr zufolge handelt es sich dabei aber sowohl um Umwandlungen aus Werkverträgen als auch aus Leiharbeitsverhältnissen.

Der Konzern wollte die Zahlen unter Verweis auf laufende Prozesse nicht kommentieren. Seit einigen Monaten würden aber alle Werkverträge erneut einer „gründlichen Überprüfung“ unterzogen, hieß es. „Wir nehmen vorsichtshalber im noch bestehenden Zweifelsfall Festeinstellungen vor oder setzen Zeitarbeit anstelle von Werkverträgen ein.“

Wegen Leiharbeit kritisierte Firmen

Daimler

In der ARD-Reportage „Hungerlohn am Fließband“ (ausgestrahlt am 13. Mai 2013) wird gegen Daimler der Vorwurf erhoben, illegal Leiharbeiter über Werkverträge zu beschäftigen. Das Unternehmen hat die Vorwürfe zurückgewiesen und dem ausführenden SWR unter anderem vorgeworfen, Passagen des 45-minütigen Films „fingiert“ zu haben. Für die Reportage hatte ein Reporter verdeckt für zwei Wochen im Daimler-Stammwerk Stuttgart-Untertürkheim gearbeitet.

Amazon

Februar 2013: Eine ARD-Fernsehreportage über die Arbeits- und Lebensbedingungen von Leiharbeitern am Amazon-Standort im hessischen Bad Hersfeld sorgt für Wirbel. Die Saisonarbeiter sollen dem Bericht zufolge von privaten Sicherheitsdiensten schikaniert worden sein.

BMW

September 2012: BMW kündigt an, die Leiharbeiterquote im Gesamtunternehmen auf acht Prozent zu begrenzen. Zuvor gab es einen jahrelangen Streit mit der Gewerkschaft IG Metall über den Einsatz von Leiharbeitern. Die Arbeitnehmer-Vertreter geben an, zu Spitzenzeiten habe die Quote bei über 15 Prozent gelegen.

Deutsche Post DHL

Mai 2012: Internationale Gewerkschaften werfen der Deutschen Post DHL vor, außerhalb Europas Arbeitnehmerrechte zu verletzen. Die Logistiktochter DHL habe eine „beschämende Bilanz“ beim übermäßigen Einsatz von schlecht bezahlten Zeit- und Leiharbeitern. Die Deutsche Post teilt mit, sie arbeite gemäß nationaler Gesetze und Gepflogenheiten der jeweiligen Länder.

GLS

Mai 2012: In einer TV-Reportage berichtet Journalist Günter Wallraff über seine verdeckte Recherche beim Paketzusteller GLS: Fahrer seien dort zu schwer durchschaubaren Bedingungen und in oft nur mündlichen Verträgen als Subunternehmer verpflichtet worden. Leiharbeiter würden zu Dumpinglöhnen scheinselbstständig angeheuert. GLS weist die Vorwürfe zurück.

Zalando

Juli 2012: Das ZDF berichtet über die Arbeitsbedingungen bei einem Dienstleister des Internet-Versandhandels Zalando in Großbeeren (Brandenburg). Ein großer Teil der Lagerarbeiter dieses Dienstleisters sei als Leiharbeiter beschäftigt. Sie dürften sich während ihrer Arbeitszeit nicht hinsetzen und erhielten nur den Mindestlohn von 7,01 Euro pro Stunde. Zalando weißt darauf hin, dass die 7,01 Euro der Einstiegslohn in der Zeitarbeit in Ostdeutschland sei. Feste Mitarbeiter würden mehr verdienen. Inzwischen hat Zalando ein Maßnahmenpaket zur Verbesserung umgesetzt.


Erich Klemm, Gesamtbetriebsratschef bei Daimler, erwartet nun auch von anderen Unternehmen, dass sie ihre Verträge überprüfen: „Ich bin mir sehr sicher, dass dies kein reines Daimler-Problem ist“, sagte er der Zeitung.

Mit den Umwandlungen reagiert Daimler auf die zunehmende Kritik an Werkverträgen. Anders als bei Werkverträgen hat der Betriebsrat bei Leiharbeit ein Mitspracherecht. Zudem gelten für Leiharbeiter Tarifrechte wie der Anspruch auf eine feste Stelle nach 24 Monaten.

Konkrete Zahlen zu Werkverträgen gibt es allerdings nicht. In der Zentrale wird einer Betriebsratssprecherin zufolge nun aber etwa die Hälfte gewandelt.

Von

dpa

Kommentare (1)

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DINO

21.02.2014, 09:28 Uhr

"... kein reines Daimler-Problem ist“, "

Absolut richtig, es war die menschen verachtende Deregulierung im Arbeitsrecht, durch ROT/GRÜN !
Die nachfolgenden Koalitionen nahmen diese Steilvorlagen dankend an, oder "entwickelten" diese weiter.

Die Rede in Davos 2005 von Gerh. Schröder sagt alles und vieles aus !

Die Auswirkungen waren/sind vorhersehbar gewesen, nur, man ging diesen "Weg" gewollt durch "Politik" und Wirtschaft weiter.

Die notwendigen entzogenen LEITPLANKEN im Arbeitsrecht müssen wieder installiert werden, sonst bleibt es ein Flickwerk !

Eine wichtige Aufgabe, ja Pflicht, u.a. für Betriebsräte und Gewerkschaften !

Es gibt genügend (zu viele) namhafte Unternehmen, die eigentlich solche verachtende Machenschaften nicht nötig haben/hätten.

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