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15.09.2016

15:03 Uhr

Verdacht auf illegale Absprachen

Kartellamt durchsucht Pharmagroßhändler

VonMaike Telgheder

Haben sich die großen Pharmahändler in Deutschland wettbewerbswidrig abgesprochen? Das Bundeskartellamt geht diesem Verdacht jetzt nach. Der rund 29 Milliarden Euro große Markt wird von fünf Konzernen kontrolliert.

Die Behörde untersucht, ob Pharmagroßhändler untereinander wettbewerbsbeschränkende Absprachen getroffen haben. dpa

Bundeskartellamt

Die Behörde untersucht, ob Pharmagroßhändler untereinander wettbewerbsbeschränkende Absprachen getroffen haben.

DüsseldorfDas Bundeskartellamt nimmt die Pharmahandelsbranche unter die Lupe wegen des Verdachts auf wettbewerbswidrige Absprachen. Am Mittwoch wurden bei insgesamt acht Unternehmen der Branche Durchsuchungen durchgeführt, wie ein Sprecher der Behörde dem Handelsblatt bestätigte. Insbesondere geht es bei der Untersuchung um die Fragen, ob die Unternehmen Absprachen zum sogenannten Kundenschutz getroffen haben. Darunter sind etwa Vereinbarungen zu verstehen, dass sich Unternehmen ihre Kunden nicht gegenseitig abspenstig machen.

Zu den Namen der betroffenen Firmen wollte sich die Behörde nicht äußern, da bis zum Abschluss des Verfahrens die Unschuldsvermutung gelte, so der Sprecher. De facto sind aber alle großen Unternehmen der Branche durchsucht worden, da die Pharmabranche ein oligopolistischer Markt ist.

Im rund 29 Milliarden Euro großen Markt kontrollieren fünf Konzerne rund 90 Prozent. Den Rest bestreiten regionale Anbieter. Marktführer Phoenix führt das Oligopol nach Brancheninformationen mit etwa 27 Prozent Marktanteil an, die Genossenschaft Noweda liegt mit 17 bis 18 Prozent auf Platz zwei. Die zu Celesio gehörende Gehe und die genossenschaftliche Sanacorp pendeln bei 15 bis 16 Prozent Marktanteil, Alliance Healthcare Deutschland (früher Anzag) soll bei etwa 14 Prozent liegen.

Die größten Pharmahändler in Deutschland

Platz 6 – Diverse

Knapp neun Prozent des deutschen Marktes verteilen sich auf diverse Händler.

Platz 3 – Sanacorp

Der Sanacorp Pharmahandel hat ihren Sitz in Planegg. Das Unternehmen ging aus zwei genossenschaftlich organisierten Pharmagroßhandlungen hervor. Sanacorp kommt auf einen Marktanteil in Deutschland von rund 16 Prozent.

Platz 3 – Alliance Healthcare

Alliance Healthcare gehört zum Unternehmen Walgreens Boots Alliance. Die Briten nahmen den Großhändler mit Sitz in Frankfurt Anfang 2013 von der Börse. Seit dem April 2013 trägt die Firma ihren neuen Namen, zuvor hieß Alliance Healthcare Andreae-Noris Zahn. Der Marktanteil beträgt ebenfalls etwa 16 Prozent.

Platz 3 – Celesio

Celesio (ehemals Gehe) gehört seit 2014 zum US-Konzern McKesson und ist in Deutschland die Nummer drei unter den Pharmagroßhändlern. Die Stuttgarter kommen hierzulande auf einen Marktanteil von etwa 16 Prozent.

Platz 2 – Noweda

Noweda mit Sitz in Essen ist eine Genossenschaft. Das Unternehmen gehört mehr als 8000 Apothekern. Noweda bringt es auf einen Marktanteil rund 17 Prozent.

Platz 1 – Phoenix

Phoenix ist der größte Pharmahändler in Deutschland. Das Unternehmen mit Sitz in Mannheim gehört zur Merckle-Gruppe. Der Marktanteil beträgt rund 27 Prozent.

Stand: September 2016, Quelle: Handelsblatt-Recherche

Phoenix gehört zur Merckle-Gruppe, Celesio seit 2014 zum US-Konzern McKesson und Alliance Healthcare zum Apotheken- und Drogeriekonzern Walgreens Boots Alliance. Phoenix, Gehe, Noweda und Sanacorp bestätigten dem Handelsblatt, dass bei ihnen Durchsuchungen durchgeführt wurden und man die Behörden vollumfänglich unterstützen werde. Alliance Healthcare war für ein Statement nicht erreichbar.

Noweda-Chef Wilfried Hollmann betonte: „Der Vorwurf, Marktabsprachen getätigt zu haben, trifft die Noweda nicht, da wir an Absprachen jeglicher Art nicht beteiligt und uns auch keinerlei Absprachen im Markt bekannt sind.“ Dass auch Noweda im Zuge der Ermittlungen des Bundeskartellamtes durchsucht wurde, sei für das Unternehmen nur insoweit nachvollziehbar, als die Genossenschaft zu den größten deutschen Großhandelsunternehmen zähle, so Hollmann weiter. Tatsächlich bedeuten die Untersuchungen des Kartellsamts nicht, dass sich die durchsuchten Unternehmen eines Kartellrechtsverstoßes schuldig gemacht haben.

Die Pharmahandelsbranche ist in der Vergangenheit immer wieder Ziel von Untersuchungen des Kartellamts gewesen, zuletzt wurden vor knapp acht Jahren Bußgelder wegen illegaler Absprachen verhängt.

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