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26.06.2012

17:37 Uhr

Verdacht auf Kreditbetrug

Ehemaliger Porsche-Finanzchef muss vor Gericht

Während die Zukunft der Porsche-Holding geklärt zu sein scheint, holt die Vergangenheit den Autobauer immer wieder ein. Nun muss sich der Ex-Finanzchef Holger Härter wegen Kreditbetrugs vor Gericht verantworten.

Ex-Porsche-Finanzchef Holger Härter galt als rechte Hand des ehemaligen Porsche-Chefs Wendelin Wiedeking (links). dpa

Ex-Porsche-Finanzchef Holger Härter galt als rechte Hand des ehemaligen Porsche-Chefs Wendelin Wiedeking (links).

StuttgartDer Ex-Finanzchef des Porsche-Konzerns, Holger Härter, muss wegen Kreditbetruges vor Gericht. Damit steht nun endgültig fest, dass es für den einstigen Architekten des spektakulär gescheiterten Übernahmeangriffs auf Volkswagen ein strafrechtliches Nachspiel geben wird. Die von der Staatsanwaltschaft Stuttgart erhobene Anklage gegen den früheren Top-Manager sowie gegen zwei seiner damaligen Führungskräfte sei „vollumfänglich zugelassen“, wie ein Sprecher des Landgerichts am Dienstag bestätigte. „Es ist entschieden worden, das Hauptverfahren zu eröffnen, Termine stehen aber noch nicht fest“, erklärte er weiter.

Härter und zwei seiner Spitzenkräfte aus der Finanzabteilung der Porsche SE sollen während des Übernahmekampfs mit dem VW-Konzern bei Verhandlungen für Kreditgeschäfte eine Bank falsch informiert haben. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart sieht entsprechende Vorwürfe als stichhaltig genug an und brachte die Anklage im März auf den Weg.

Die Fusionspläne von Volkswagen und Porsche

Die Zeit läuft

Bislang haben die Gremien von Volkswagen und Porsche noch kein grünes Licht für die Fusion gegeben. Spätestens Ende Oktober müssen die Porsche SE und die VW AG jedoch Farbe bekennen und ihre Aktionäre zu den außerordentlichen Treffen einladen, um die Fristen zu wahren.

VW zeigt Stärke

Zwei Jahre nach der gewonnenen Abwehrschlacht gegen Porsche demonstriert VW auch im laufenden Fusionspoker mit den Stuttgartern Stärke. Zuerst entschieden die Porsche-Anteilseigner auf einer außerordentlichen Hauptversammlung über die zum Jahresende geplante Fusion mit den Wolfsburgern, erst danach entscheiden die Aktionäre von VW.

Viele offene Fragen

Porsche und VW hatten vor zwei Jahren vereinbart, bis Ende dieses Jahres den Weg für eine Verschmelzung frei zu machen. Unter Zeitdruck wird hinter den Kulissen fieberhaft gerechnet und analysiert. Noch sind knifflige Rechts- und Steuerfragen zu klären, die die Anteilseigner Milliarden kosten können.

Staatsanwalt ermittelt

Wie ein Damokles-Schwert schwebt die Staatsanwaltschaft Stuttgart über den Plänen. Sie will erst Anfang 2012 einen Zwischenstand ihrer Ermittlungen gegen den ehemaligen Porsche-Chef Wiedeking und Ex-Finanzchef Härter geben. Die Behörde geht dem Verdacht nach, ob beide Manager den Kapitalmarkt im Zuge des Stimmrechtsaufbaus bei VW getäuscht haben.

Erlass von Steuerschulden

Ein Wörtchen mitzureden hat auch das Finanzamt. Wegen der 2007 erfolgten Umwandlung der Porsche AG in eine europäische Aktiengesellschaft fiele bis 2014 bei einer Verschmelzung mit VW eine Steuerschuld von bis zu gut einer Milliarde Euro an - sofern die Finanzbehörden keine Ausnahme machen. Noch wird über einen Erlass diskutiert.

Fusion per Aktientausch

All diesen Unwägbarkeiten zum Trotz müssen die Aufsichtsräte und Vorstände schon bald eine Entscheidung treffen. Grundsätzlich könnte die Fusion per Aktientausch auch 2012 oder später vollzogen werden, aber die Zeit drängt: Nur zusammen lassen sich die errechneten Kosten durch gemeinsamen Einkauf und Forschung von jährlich 700 Millionen Euro einsparen.

Mögliche Alternativen

Ein Plan B liegt in der Schublade. VW und Porsche haben Kauf- beziehungsweise Verkaufsoptionen über einen Anteil von gut 50 Prozent am Fahrzeug-Geschäft von Porsche vereinbart. Bei Umsetzung von Plan B würden die Porsche-Aktionäre nur mittelbare Anteilseigner von VW: Als Unternehmenszweck der Porsche Holding bliebe dann die Vereinnahmung der VW-Dividende.

Härter wies damals alle Anschuldigungen zurück. Er sehe dem Verfahren „mit großer Gelassenheit entgegen“, ließ er mitteilen. Anfang März wurde der Ex-Manager von Anne Wehnert vertreten - einer Expertin für Wirtschaftsstrafrecht etwa bei den Schwerpunkten Korruption, Untreue, Betrug, oder Insiderhandel. Sie promovierte auf dem Gebiet Strafprozessrecht und arbeitet als Partnerin für die Düsseldorfer Sozietät tdwe. Am Dienstag war sie nicht zu erreichen.

Neben Härter droht nach wie vor auch Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking eine Anklage. Gegen ihn laufen weiterhin Prüfungen wegen des Vorwurfs der Untreue und Marktmanipulation. Die Anklage gegen Härter war nur ein erster Zwischenstand. Nach früheren Angaben der Staatsanwaltschaft dauert es noch, bis alle Ergebnisse feststehen.

Wiedeking und sein Finanzchef Härter hatten das Unternehmen im Sommer 2009 verlassen müssen. Um das Ergebnis ihrer damaligen Arbeit drehen sich inzwischen zahlreiche nationale und internationale Investorenklagen, bei denen es teils im Milliardenforderungen geht. Anlager fühlen sich rückblickend fehlinformiert und betrogen.

Kommentare (2)

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Lutz

27.06.2012, 01:26 Uhr

Na bitte!!
Als ich vom Übernahmeversuch von Porsche hörte, fragte ich mich,wie will eine Firma die 100000 Autos baut eine Firma kaufen die 7,83Mio. Autos baut.
Bei so vielen Krediten die Porsche aufnehmen musste konnte das nur schief gehen.
In einem Jahr verdiente der damalige Porsche Chef 100 Mio.€.
Was mich aber sehr freut ist, das endlich mal die Manager für Ihre Fehler verantwortlich gemacht werden. Denn man hätte diese Risiken einplanen müssen. Auch finde ich das, wenn die Urteile gesprochen werden die Strafen von den verantwotlichen Managern und nicht von einer Versicherung getragen werden sollten.
Gerade wenn es um finanzielle Strafen geht.

investival

27.06.2012, 08:40 Uhr

>> In einem Jahr verdiente der damalige Porsche Chef 100 Mio.€. <<
Bei seinem Antritt 1993 wurden Erfolgsbeteiligungen vereinbart. Unter ihm wurde der Sanierungsfall Porsche zur entsprechend verdienenden dt. Vorzeigefirma, bevor auch er dem Größenwahn anheim fiel.

>> Bei so vielen Krediten die Porsche aufnehmen musste konnte das nur schief gehen. <<
Und das hätte jede Dorfbank und jeder 'Investor' erkennen können, resp. müssen.

Es passte allerdings durchaus ins Bild, würden diese institutionellen 'Investorenklagen nun durchkommen, nachdem man den privaten Lehman-"Investoren" ihren fehlenden Kopfgebrauch vergolten hat.

Je größer das Rad, desto gieriger die Gläubiger.
Oder: Gier frisst Hirn.
That's it, that's all.

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