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10.04.2014

14:46 Uhr

Verdacht auf Marktmanipulation

Wettbewerbshüter beobachten Roche und Novartis

Die französische Kartellbehörde wirft den Schweizer Pharmaunternehmen Roche und Novartis vor, den Markt zugunsten eines teureren Medikaments manipuliert zu haben. In Italien wurden die Konzerne dafür schon bestraft.

Wurde das Geschäft mit den Pillen gedreht? Novartis und Roche sind im Visier der Kartellbehörden. dpa

Wurde das Geschäft mit den Pillen gedreht? Novartis und Roche sind im Visier der Kartellbehörden.

Zürich/ParisDie Schweizer Pharmakonzerne Roche und Novartis geraten wegen der Medikamente Avastin und Lucentis zunehmend ins Visier der Wettbewerbshüter. Nun ermittelt auch die französische Kartellbehörde, nachdem jüngst Italien den beiden Arzneimittelherstellern wegen wettbewerbswidrigem Verhaltens bei den Präparaten Millionenstrafen aufgebrummt hat. Die italienischen Kartellbehörden waren zu dem Schluss gekommen, dass Roche und Novartis zusammengearbeitet haben, um den Einsatz von Avastin gegen die Augenkrankheit AMD zu unterbinden. Stattdessen solle das wesentlich teurere Mittel Lucentis verwendet werden.

Roche und Novartis bestätigten am Donnerstag, dass sie von Ermittlungen in Frankreich betroffen sind. Die Wettbewerbshüter des Landes gehen dem Verdacht nach, dass Pharmafirmen bei AMD-Therapien zu wettbewerbswidrigen Praktiken gegriffen haben. Büros wurden durchsucht und Dokumente beschlagnahmt, heißt es in einem Dokument auf der Internetseite der Behörde. Namen von Firmen oder Medikamenten wurden darin nicht genannt.

Die beiden Schweizer Konzerne erklärten, mit den Behörden zusammenarbeiten zu wollen. Roche bestritt Absprachen mit Novartis. Novartis betonte, dass der Konzern hohe ethische Geschäftsstandards habe und sich an die Gesetze halte. In Italien wollen die beide Unternehmen gegen die Kartellbuße von jeweils rund 90 Millionen Euro Berufung einlegen. In dem südeuropäischen Land ermittelt inzwischen auch die Justiz wegen des Verdachts auf Marktmanipulation und Betrug.

Pharmakonzerne: Novartis und Roche vor neuen Ermittlungen

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Novartis und Roche vor neuen Ermittlungen

Nun rücken sie auch ins Visier italienischer Staatsanwälte: Novartis und Roche sollen den Markt manipuliert und schweren Betrug begangen haben. Die italienische Wettbewerbsbehörde hat bereits Strafen verhängt.

Das Thema birgt Sprengstoff: Denn das Krebsmittel Avastin ist nicht zur Behandlung der Augenkrankheit altersbedingte Netzhautdegeneration (AMD) zugelassen - wie beide Unternehmen auch immer wieder betonen. Lucentis kostet pro Flasche etwa 1200 Euro. Doch Ärzte setzen stattdessen zur AMD-Behandlung oft Avastin ein, das eine ähnliche Wirkungsweise hat und einen Bruchteil dieses Preises kostet.

Die Wirkstoffe von Lucentis und Avastin - Ranibizumab und Bevacizumab - wurden beide von Roches US-Biotechnologietochter Genentech entwickelt. Novartis hat die Lucentis-Vertriebsrechte außerhalb der USA. Für beide Konzerne geht es um viel Geld: Roche erzielte im Vorjahr mit Lucentis umgerechnet 1,4 Milliarden Euro Umsatz, bei Novartis waren es 1,7 Milliarden Euro.

Von

rtr

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