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14.10.2014

10:59 Uhr

Verfehlte Rüstungspolitik

Airbus-Chef Enders poltert gegen von der Leyen

Airbus-Chef Tom Enders wehrt sich gegen die massive Kritik aus dem Verteidigungsministerium. Die deutsche Politik sei jahrelang unehrlich gewesen – und für die Probleme bei der Bundeswehr selbst verantwortlich.

Airbus-Chef beklagt „unehrlichen Umgang“ mit Bundeswehr

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BerlinAngriff ist die beste Verteidigung, das weiß auch Airbus-Chef Tom Enders und schaltet im Streit mit dem deutschen Verteidigungsministerium auf Attacke. Seine Kritik fällt deutlich aus: „Was wir heute sehen, ist das Ergebnis eines jahrelangen, unehrlichen Umgangs miteinander“, beklagt Enders im Interview mit dem Magazin "Cicero". Es werde der Sache nicht gerecht, „den Schwarzen Peter allein nun bei uns abzuladen“.

Experten hatten in einem Gutachten im Auftrag von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) massive Verzögerungen und Verteuerungen bei den neun größten Rüstungsprojekten der Bundeswehr festgestellt. Das Gutachten weist auf rund 140 Probleme und Risiken bei diesen Projekten hin, in einem Gesamtvolumen von 57 Milliarden Euro. Die Gutachter kritisierten auch, dass der Bund seine Verträge mit der Rüstungsindustrie schlecht vorbereite.

Zu den untersuchten Vorhaben gehört auch das Transportflugzeug A400M von Airbus. Von der Leyen hat wiederholt beklagt, dass sich etwa die Auslieferung des Militärtransporters und des Hubschraubers NH90 um Jahre verzögert.

Mit heftigen Worten kritisierte der Airbus-Chef die Strukturen und Arbeitsweise im Verteidigungsministerium: „Ich kenne keine Rüstungsbürokratie, die risiko- und verantwortungsscheuer agiert als die deutsche.“ Diese Haltung hat sich nach Ansicht von Enders „tief hineingefressen in die Verwaltung, die im Übrigen viel zu wenig kommuniziert mit dem militärischen Endkunden.“

Sein Unternehmen habe beim A400M gut vier Milliarden Euro draufzahlen müssen. An den 175 Flugzeugen für europäische Kunden werde Airbus keinen Cent verdienen. Die Bundeswehr werde ihre A400M aller Voraussicht nach Ende November bekommen.

Zugleich kündigte Enders Konsequenzen aus dem Fall an. „Wir werden uns nicht noch einmal in die Tasche lügen und von Regierungen zu Programmvereinbarungen drängen lassen, wenn die zugrunde liegenden Termine und Budgets von vorneherein unrealistisch sind“, sagte er. „So einen Vertrag wie bei A400M unterschreiben wir nie wieder, so viel steht fest.“

Kommentare (10)

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Herr Tom Schmidt

14.10.2014, 11:48 Uhr

Bla! Bla! Bla!

Es gehört zur Personalpolitik von Airbus, dass Abteilungsleiter nicht das Fachgebiet verstehen für das sie verantwortlich sind, sondern die jeweilige Abteilung leiten.

Anders formuliert, sie haben sich nicht in die Tasche gelogen, Im Unternehmen mag das Wisse um die Zeitpläne und den Aufwand ja da gewesen sein. Aber das Management konnte und kann das gar nicht überblicken!

Und zum ehrlichen Umgang gehört dann bitte erst einmal auch, dass ALLE Vorhaben ausgeschrieben werden. Bisher ist es doch so, dass Airbus bei so viel Themen gesetzt ist, andere Firmen sich aber immer gegen Airbus durchsetzen müssen.

Wenn Airbus dann durch Verzögerungen dafür sorgt, dass Mittel im Haushaltsjahr nicht abfließen können, dann gibt es doch die Ankaufleistung und die F&T-Gelder... dreimal darf man raten für wen??? Richtig, genau die! Insofern war es schon mal richtig gut Mittel einfach nicht auszugeben, als sie für Nichtleistung mit der Giesskanne der jeweiligen Firma trotzdem zu geben!

Und noch was Herr Enders: Wenn Sie nie wieder so einen Vertrag unterschreiben wollen, dann sagen Sie uns doch bitte gleich, von welchen laufenden Vorhaben Sie jetzt zurücktreten wollen. Da gibt es bestimmt die eine oder andere Firma, die das will und mindestens genau so gut kann!!!

Account gelöscht!

14.10.2014, 12:02 Uhr

2 wesentliche Lehren:

Die CDU/CSU, die den Verteidigungsminister seit Jahren stellt, trägt massive Mitschuld am derzeitigen Zustand der Bundeswehr und der ausufernden Bürokratie im Ministerium. Und damit ist auch Frau Merkel signifikant mitschuldig an den Problemen. Im übrigen: Frau vdL lann es auch nicht besser, sie versteht es nur besser, anderen die Schuld zuzuschieben.

Das sollte auch eine Warnung vor weiterem Abbau bzw. Verkauf von rüstungsrelevanten Strukturen in Deutschland sein. Die mittlerweile nicht mehr zu übersehende operative französische Übermacht bei Airbus macht das Unternehmen definitiv nicht effizienter. Die Wiederholung des Fehlers mit der Panzerschmiede KMW, die an das franz. Unternehmen Nexter verkauft werden soll, wäre auch ein (weiteres) politisches Versagen der deutschen Politik.

Herr Helmut Paulsen

14.10.2014, 12:05 Uhr

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