Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.06.2013

15:58 Uhr

Verhandlung über Betriebsrat

US-Arbeiter drohen VW mit Blockade

Vom Wachstum in den USA hängt auch der weltweite Erfolg von VW ab. Das wollen sich die Arbeiter im Werk Chattanooga zunutze machen. Sie drohen die VW-Expansion zu blockieren, wenn kein Betriebsrat eingerichtet wird.

Angestellte im Volkswagen-Werk in Chattanooga. dapd

Angestellte im Volkswagen-Werk in Chattanooga.

Wolfsburg/ChattanoogaIn dem schwelenden Streit um einen Betriebsrat am Volkswagen-Standort Chattanooga in den USA setzt die Arbeitnehmerseite dem Unternehmen nun die Pistole auf die Brust. Der Konzernbetriebsrat droht damit, weiteres Wachstum in Chattanooga zu blockieren, sollte die dortige Belegschaft nicht endlich ein Gremium für die Mitbestimmung erhalten. Vize-Konzernbetriebsratschef Stephan Wolf sagte der Nachrichtenagentur dpa am Rande der Feier für den 30-millionsten Golf: „Im Aufsichtsrat werden wir einer Erweiterung des Standorts oder einer weiteren Modellvergabe nur zustimmen, wenn klar ist, wie es mit einer Arbeitnehmervertretung in den USA weitergeht.“ Ansonsten müsse sich Volkswagen wohl oder übel um alternative Standorte für weiteres Wachstum in Nordamerika bemühen.

Nach Betriebsratsdarstellung haben rund um den Globus alle 100 VW-Produktionsstandorte Arbeitnehmervertretungen - nur der bisher einzige US-Standort Chattanooga nicht. Er liegt im konservativen Südstaat Tennessee, wo die Republikaner dominieren. Seit Monaten ist dort die Einrichtung eines Betriebsrates ein Politikum. Denn rein rechtlich ist eine Gewerkschaft nötig, die dahintersteht. In den Startlöchern steht die bei Autoherstellern gefürchtete Gewerkschaft UAW - sie wittert nun ihre Chance, endlich im Süden Fuß zu fassen, wo nahezu alle großen ausländischen Autobauer Werke unterhalten.

Größte Autohersteller in den USA

Platz 10

BMW - 348.000 verkaufte Fahrzeuge

Die USA gehören für die Münchener zu den wichtigsten Märkten der Welt. Im Vergleich zum Vorjahr konnte der Absatz um 14 Prozent zulegen.

Platz 9

Kia - 558.000 verkaufte Fahrzeuge

Die Koreaner sind auf Rang neun abgerutscht. Und das trotz eines Absatzzuwachs von 15 Prozent.

Platz 8

Volkswagen - 596.000 verkaufte Fahrzeuge

Während die Wolfsburger weltweit zu den größten Autoherstellern zählen, haben sie auf dem amerikanischen Markt noch einen großen Abstand zur Spitze. Immerhin legte der Absatz im Jahresvergleich um 34 Prozent zu.

Platz 7

Hyundai - 703.000 verkaufte Fahrzeuge

Neun Prozent mehr Fahrzeuge konnten die Koreaner im Jahr 2021. In den USA bewegen sie sich auf einem Mittelfeldplatz.

Platz 6

Nissan - 1,14 Millionen verkaufte Fahrzeuge

In den USA erholen sich die Japaner von ihrer Absatzschwäche. Mit einem Wachstum von zehn Prozent festigen sie ihre Position unter den größten Herstellern in den USA.

Platz 5

Ford - 1,421 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Im Heimatmarkt verkaufen die US-Amerikaner 25 Prozent ihrer Fahrzeuge. Die Verkäufe ziehen leicht an: Ford kommt auf ein Wachstum von sechs Prozent.

Platz 4

Honda - 1,421 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Die Japaner erobern hauchdünn den vierten Platz in den USA. Der Absatz wurde um 24 Prozent gesteigert.

Platz 3

Chrysler - 1,65 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Chrysler gehörte zu den totgesagten Markten in den USA in Folge des Konjunktureinbruchs 2009. Doch mittlerweile ist der US-Konzern zum Retter geworden – und zwar für die Mutter Fiat. In 2012 gab es ein Plus von 21 Prozent bei den Absatzzahlen.

Platz 2

Toyota - 2,08 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Die Absatzzahlen der Japaner sind 2012 in den USA regelrecht explodiert. Im Vorjahrsvergleich verkaufte Toyota 27 Prozent mehr Fahrzeuge.

Platz 1

General Motors - 2,60 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Detroit bleibt die Wiege der amerikanischen Autoindustrie - und General Motors führend im Heimatland. Gegenüber dem Vorjahr gab es ein leichtes Wachstum von vier Prozent.

Methodik

Einmal pro Quartal erstellen die Wirtschaftsprüfer von Ernst&Young ein Ranking der größten Autokonzerne nach Absatz. Wie die Autohersteller in den USA abgeschnitten haben. (Daten: Gesamtjahr 2012)

US-Senator Bob Corker hatte in der Vergangenheit lautstark gegen die UAW gewettert, sie ist bei den arbeitgebernahen Republikanern als rotes Tuch verschrien. Woran genau es derzeit hakt, blieb am Dienstag zunächst unklar. Über Wolfs Aussage hinaus wollte sich der Betriebsrat nicht äußern. Wie aus US-Konzernkreisen verlautete, erwarte die Arbeitnehmerseite nun Gesprächsangebote der Republikaner. VW ist einer der größten Investoren in der eher strukturschwachen Region und hatte mit dem Werksneubau zahlreiche Zulieferer angelockt.

Mit ihrer Blockade torpedieren die Arbeitnehmer zentrale Teile der Expansionsstrategie. Anfang des Jahres hatte VW die Geländelimousine Crossblue vorgestellt. Für das neue Modell ist neben Chattanooga auch Mexiko im Gespräch, wo der Konzern drei Standorte hat.

Ein Vertrauter von Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh sagte der dpa am Dienstag: „Die Vereinigten Staaten sind groß. Und es gibt auch gewerkschaftsfreundlichere Flecken als die Südstaaten. Entweder, es gibt dort eine Arbeitnehmervertretung - oder der Vorstand muss alternative Standortvorschläge machen.“ Im VW-Aufsichtsrat geht ohne die Arbeitnehmerseite nichts.

Vom Unternehmen hieß es am Dienstag, man sei grundsätzlich für die betrieblichen Interessenvertretungen. Jedoch gibt der Konzern zu bedenken: „In den USA ist das Thema gewerkschaftlicher Interessenvertretung sehr kontrovers; dazu tragen auch kritische Erfahrungen aus der Geschichte der Automobilindustrie bei.“ Daher arbeite VW an einem „innovativen Modell der Interessenvertretung“, das den Besonderheiten in den USA Rechnung trage.

Von

dpa

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

18.06.2013, 17:48 Uhr

Sehr geehrter Herr Osterloh,
"Hochnaesigkeit in den eigenen Reihen" hatte Piech gewarnt, sei die groesste Gefahr fuer den Erfolg im VW Konzern.
Wenn selbst der Gouverneur, der Buergermeister und viele Andere davor warnen, eine Fabrik mit aller Macht gewerkschaftlich organisieren zu muessen, dann sollte einen das nicht befremdlich stimmen. Vielmehr sollte es nachdenklich stimmen.
Die USA sind nicht Deutschland. Es gibt Unterschiede.
Wenn die Mehrheit der Arbeitnehmer das will, dann koennen die Gewerkschaften einziehen. Wenn nicht, dann nicht.
Wenn nun der weitere Aufschwung des Standortes Chattanooga (Bau eines neuen Modells) davon abhaengig gemacht wird, ob sich die Mitarbeiter gewerkschaftlich organisieren, dann koennte das leicht den falschen Eindruck erwecken: Die Gewerkschaften stellen sich dem weiteren Erfolg in den Weg, wenn die Mitarbeiter nicht fuer sie stimmen.
Es obliegt den lokalen Mitarbeitern, fuer oder gegen die Gewerkschaften – die einzig moegliche Form eines "Betriebsrates" - zu stimmen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×