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02.02.2009

14:32 Uhr

Verhandlungen

Entscheidung zu Rheinwerk naht

VonMartin Murphy und Jürgen Flauger

Die Diskussion um die Zukunft des Rheinwerks, Deutschlands größter Aluminiumfabrik, geht in die entscheidende Phase. Dem Neusser Konzern machen die hohen Strompreise zu schaffen. Trotz intensiver Gespräche hat sich das Werk bisher nicht mit Versorger RWE einigen können. In die festgefahrenen Verhandlungen schaltet sich nun auch die Politik ein.

Zu hohe Stromkosten machen dem Rheinwerk in Neuss zu schaffen. 650 Arbeitsplätze und mehrere Tausend in der Weiterverarbeitung sind bedroht. Foto: ap Quelle: ap

Zu hohe Stromkosten machen dem Rheinwerk in Neuss zu schaffen. 650 Arbeitsplätze und mehrere Tausend in der Weiterverarbeitung sind bedroht. Foto: ap

DÜSSELDORF. Heute treffe der Vorstand von Norsk Hydro in Norwegen zusammen, um über das weitere Vorgehen zu beraten, verlautete aus Konzernkreisen. Zwei Tage später steht das Thema im Aufsichtsrats-Präsidium der deutschen Tochter auf der Tagungsordnung.

Absehbar ist, dass die Produktion weiter gesenkt wird. „Dies ist sehr wahrscheinlich“, sagte Bernhard Eich, verantwortlich für das Werk in Neuss. Hydro betreibt am Rhein das größte Aluminiumwerk Deutschlands mit einer Jahresproduktion von zuletzt 230 000 Tonnen.

Dem Konzern setzen die hohen Stromkosten zu, pro Tonne produziertem Aluminium beläuft sich der Verlust derzeit auf 1 200 Dollar. Die Produktion des Metalls ist sehr stromintensiv – das Rheinwerk verbraucht so viel Strom wie Düsseldorf. Um die Verluste einzudämmen, hatte Hydro bereits Mitte Januar den Ausstoß um 30 000 Tonnen zurückgefahren. Offen ist noch, welchen Umfang die neue Kürzung haben wird.

Im Konzern wird befürchtet, dass Hydro das Rheinwerk ganz aufgeben könnte. Die Sorge ist nicht unberechtigt: Vor vier Jahren hatten die Norweger trotz Protesten von Mitarbeitern und Politik bereits Werke in Stade und Hamburg dicht gemacht.

Dieses Schicksal droht nun dem Werk in Neuss. Direkt bedroht sind 650 Arbeitsplätze und mehrere Tausend in der Weiterverarbeitung.

Eine schnelle Rettung ist nur möglich, wenn die Gesellschaft deutliche Rabatte beim Stromeinkauf erhält. Trotz intensiver Gespräche hat Hydro einen im Jahr 2005 ausgelaufenen langfristigen Stromvertrag nicht verlängern können. Vor dem Hintergrund der drohenden Schließung unternimmt der Konzern einen neuen Anlauf: Erster Ansprechpartner ist der Versorger RWE, der nur wenige Kilometern entfernt vom Werk Braunkohle verstromt. Daneben laufen Gespräche mit anderen Versorgern.

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