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21.01.2005

09:20 Uhr

Verhandlungen ohne Ergebnis – Lieferanten und Subunternehmer werden nervös

Banken streiten um 140 Millionen Soforthilfe für Walter Bau

Ein Streit unter den Gläubigerbanken um eine kurzfristige Liquiditätshilfe blockiert eine schnelle Lösung für den angeschlagenen Baukonzern Walter Bau. Nach dem letzten Stand haben etwa 80 Prozent der Gläubiger der Sanierung zugestimmt, allerdings unter „strengem Konsortialvorbehalt“. Das heißt, alle 27 Gläubigerbanken müssen mitziehen.

Noch wird auf den Baustellen gearbeitet: Doch die Lage bei Walter Bau spitzt sich weiter zu.

Noch wird auf den Baustellen gearbeitet: Doch die Lage bei Walter Bau spitzt sich weiter zu.

agr/cbu/fo DÜSSELDORF. Deutsche Bank und Bayerische Landesbank (BayernLB) sind nach Angaben aus Finanzkreisen bereit, Walter Bau rund 140 Mill. Euro an Barkrediten zu gewähren, wollen dafür aber als Sicherheit die zum Verkauf stehende Bautechnik-Gesellschaft DSI. Das lehnen die anderen Banken ab, weil damit „Reserven herausgebrochen werden“. Das sagte ein hochrangiger Banker dem Handelsblatt. Die Institute wollten nur zustimmen, wenn im Gegenzug ihre Risiken um denselben Betrag anteilig verringert würden.

Verhandelt wird auch um die Verlängerung von 1,5 Mrd. Euro Bürgschaften (Avale). Die BayernLB trägt nach Angaben aus Bankenkreisen mit 280 Mill. Euro die Hauptlast, gefolgt von der Deutschen Bank mit 170 Mill. Euro. Die Berliner Bank, die sich dem Vernehmen nach am stärksten gegen ein weiteres Engagement bei Walter stemmt, bürgt mit 130 Mill. Euro, doppelt so viel wie bislang bekannt war. Die Hypo-Vereinsbank steht für ein Volumen von 110 Mill. Euro, der niederländische Finanzkonzern ABN Amro für 50 Mill. Euro. Alle anderen Institute haben kleinere Engagements.

Nach Angaben aus Bankkreisen haben die Hypo-Vereinsbank und die Commerzbank jetzt zusätzliche Auflagen gemacht. Offenbar drängt die Zeit. Walter Bau selbst hat bereits Liquiditätsschwierigkeiten eingeräumt. Banker mahnten baldige Fortschritte an und verwiesen auf die Möglichkeit der Insolvenzverschleppung. Die meisten Banken wollen allerdings eine Insolvenz vermeiden, heißt es in den Kreisen. Grund dafür ist, dass die großen Gläubiger ihre Forderungen recht gut abgesichert haben und die „kleinen dann in die Röhre sehen“, hieß es weiter. So ist die 53-prozentige Walter-Beteiligung am profitablen Stuttgarter Bauunternehmen Züblin bereits an die Bayerische Landesbank verpfändet.

Insgesamt haben den Angaben zufolge sieben Gläubiger teilweise erhebliche Vorbehalte gegen das Sanierungskonzept, darunter die Berliner Bank, die Dresdner Bank, die Landesbanken Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, die ABN Amro sowie der Mainzer Kreditversicherer Coface.

Am Donnerstag kam der Aufsichtsrat von Walter Bau zusammen. Das Management informierte ihn über die neuen Entwicklungen. Entscheidungen wurden offenbar nicht getroffen. Das von der Unternehmensberatung Roland Berger erarbeitete Sanierungskonzept sieht unter anderem den Verkauf der DSI vor. Auch sollen nochmals 400 Arbeitsplätze gestrichen werden.

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