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02.12.2012

21:39 Uhr

Verhandlungskreise

Einigung über neuen EADS-Aktionärspakt in Sicht

Die Neuordnung des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS ist scheinbar in ihre entscheidende Phase getreten. Die Verhandlungen in Paris sollen in den letzten Zügen liegen. Ziel ist, künftig den Staatsanteil zu begrenzen.

Flügel eines Airbus A380: Die Neuordnung bei EADS ist in ihre entscheidende Phase getreten. dapd

Flügel eines Airbus A380: Die Neuordnung bei EADS ist in ihre entscheidende Phase getreten.

Paris/Berlin/FrankfurtDer Staatsanteil am europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS soll Verhandlungskreisen auf weniger als 30 Prozent sinken. Regierungsvertreter von Deutschland, Frankreich und Spanien verhandelten bis zum späten Sonntagabend über den neuen Aktionärspakt, wie drei Insider der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Eine Einigung könnte schon am Montag verkündet werden. Frankreich und Deutschland sollen den Plänen zufolge künftig je zwölf Prozent halten, Spanien vier Prozent. Das hatte auch die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" vorab berichtet.

Damit müsste Frankreich drei Prozent abgeben, die in eine Stiftung in den Niederlanden eingebracht werden sollen, Spanien 1,5 Prozent. Der Autobauer Daimler und das deutsche Investoren-Konsortium Dedalus gäben einen Teil ihrer EADS-Aktienpakete an den Bund ab. Auch der französische Miteigentümer Lagardere will bei der Muttergesellschaft von Airbus teilweise aussteigen.

Die bisherige Aktionärsstruktur bei EADS

European Aeronautic Defence and Space Company

EADS mit seiner Flugzeugbau-Tochter Airbus ist Europas dominierender Luft- und Raumfahrtkonzern. Die börsennotierte Aktiengesellschaft European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) umfasst die wichtigsten Flugtechnikanbieter Deutschlands, Frankreichs und Spaniens. Der Konzern entstand im Juli 2000 nach langem Tauziehen um Standorte und Produktionsanteile.

Die französische Seite

Nach einem 2007 vereinbarten Aktionärspakt darf der französische Staat nur 15 Prozent der EADS-Anteile besitzen. Zusammen mit dem Medienkonzern Lagardère kommt er auf 22,45 Prozent der EADS-Aktien, wobei die Anteile in der Gesellschaft Sogeade gebündelt sind. Der Chef der Mediengruppe, Arnaud Lagardère, will seine 7,5 Prozent der Anteile mittelfristig verkaufen, erhebt aber seinen Anspruch auf den Mitte 2012 freiwerdenden Chefposten im Verwaltungsrat des Konzerns.

Die deutsche Seite

Mit 22,45 Prozent ist auch die deutsche Seite an EADS beteiligt. Bisher hielt DaimlerChrysler 15 Prozent und ein Konsortium von Bundesländern, privaten und öffentlichen Banken 7,5 Prozent. Allerdings behielt DaimlerChrysler nach dem ausgehandelten Kompromiss 22,5 Prozent der Stimmrechte und blieb so größter stimmberechtigter EADS-Einzelaktionär. 7,5 Prozent der EADS-Anteile soll nun die Staatsbank KfW übernehmen, so dass sich der Daimler-Anteil auf 7,5 Prozent reduziert.

Die spanische Seite

Weitere 4 Prozent an EADS hält die spanische Staatsholding SEPI, der Rest der Anteile in Höhe von 49,6 Prozent liegt im Streubesitz.

Der Aktionärspakt

Die deutschen, französischen und spanischen Haupteigentümer hatten sich bei der Gründung der EADS auf einen Pakt („Contractual Partnership“) verständigt, um das Unternehmen gegen feindliche Übernahmeversuche zu sichern und um das Heft bei dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern in der Hand zu behalten.

Die Machtzentren

Die EADS hat ihren offiziellen Sitz in Amsterdam, in Paris und München sind die beiden Hauptzentren des Konzerns. Der Hauptsitz und die Zentrale der EADS-Tochtergesellschaft Airbus sind im französischen Toulouse angesiedelt. Hamburg wiederum ist der Sitz der deutschen Airbus-Tochtergesellschaft, die für die deutschen Werke zuständig ist.

Daimler könne jedoch nur einen Teil seines zum Verkauf stehenden Pakets von 7,5 Prozent an die Staatsbank KfW veräußern, bei der der Bund seine Anteile parken will, hieß es in den Kreisen. Den Rest müsste Daimler auf den Markt werfen - oder EADS kauft die Papiere selbst zurück. Weitere 7,5 Prozent will Daimler behalten.

Laut "FAZ" will EADS im kommenden Jahr auch einen Teil der Aktien von Lagardere zurückkaufen. Die privaten Mitglieder des ebenfalls mit 7,5 Prozent beteiligten Investorenkonsortiums Dedalus wollen ebenfalls aussteigen, nur die darin vertretenen Staatsbanken aus den Ländern mit EADS-Standorten bleiben den Informationen zufolge bei der Stange.

Noch könnten die Gespräche in Paris auch scheitern, warnte eine mit der Angelegenheit vertraute Person. "Es gilt: Nichts ist vereinbart, bevor nicht alles vereinbart ist." EADS, KfW und das federführende deutsche Wirtschaftsministerium wollten sich zu den Informationen nicht äußern.

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