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24.09.2015

15:08 Uhr

Verhütungsmittel Essure

Amerikanerinnen gegen Bayer

VonAstrid Dörner, Bert Fröndhoff

Bayer steht in den USA wegen Nebenwirkungen eines Verhütungsmittels in der Kritik. Eine Frauengruppe fordert den Stopp und wird von Erin Brockovich unterstützt. Die US-Gesundheitsbehörde prüft heute den Fall.

Die US-Aktivistin hat sich auf die Seite der Bayer-Gegner geschlagen. ap

Erin Brockovich

Die US-Aktivistin hat sich auf die Seite der Bayer-Gegner geschlagen.

New York/DüsseldorfSie haben auf der Hauptversammlung in Leverkusen gesprochen, auf der Straße demonstriert und sogar die Verbraucherschützerin Erin Brockovich für sich gewonnen. „E-Sisters“ nennt sich eine Gruppe amerikanischer Frauen, die seit Jahren gegen das Verhütungsmittel Essure kämpft. Es wird seit dem Jahr 2013 vom Leverkusener Pharmakonzern Bayer verkauft. Die Frauen klagen zum Teil über heftige Nebenwirkungen. Nun reagiert die Arzneimittelaufsicht FDA. Am Donnerstag soll es vor dem gynäkologischen Ausschuss eine Anhörung zu Essure geben.

Fast zwölf Stunden haben die Aufseher angesetzt, um die Argumente der „E-Sisters“ und die von Bayer zu hören. Der Konzern hatte 2013 den US-Verhütungsmittelspezialisten Conceptus für 1,1 Milliarden Dollar übernommen, der Essure ursprünglich auf den Markt gebracht hatte. Am Ende der Anhörung will der Ausschuss entscheiden, ob Bayer nur die Warnhinweise verschärfen muss – oder ob das Mittel tatsächlich vom Markt verschwinden muss.

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Essure ist eines der kleineren Produkte im Pharmaportfolio von Bayer, es taucht nicht Ranking der zehn umsatzstärksten Mittel der Leverkusener auf. Aber für Bayer geht es um mehr, vor allem ums Image als einer der großen Hersteller von Verhütungsmitteln weltweit. Mit der Hormonspirale Mirena machte der Konzern 2014 einen Umsatz von 819 Millionen Euro, die klassische Antibabybille der Marke Yaz/Yasmin kam auf 768 Millionen Euro.

Anders als diese hormonellen Mittel führt Essure zu einer dauerhaften Sterilisierung. Eine Operation ist nicht nötig, der Eingriff wird von Gynäkologen ambulant erledigt. Dabei werden zwei kleine Spiralen in die Eileiter eingesetzt. Innerhalb von drei Monaten vernarbt das Gewebe und eine Schwangerschaft ist nicht mehr möglich. Das Mittel wird in mehr als 20 Ländern weltweit vermarktet, allerdings nicht Deutschland, obwohl es zugelassen ist.

Über 5000 Beschwerden sind seit der Zulassung 2002 bei der FDA eingegangen, darunter über Schmerzen, Menstruationsstörungen und ungewollte Schwangerschaften. Auch vier Todesfälle könnten laut FDA mit dem Produkt in Verbindung gebracht werden. Der Überwiegende Teil der Beschwerden kam jedoch erst seit 2013.

Auch Kim Hudak wird am Donnerstag vor der FDA sprechen. Die 43-Jährige Kundenbetreuerin aus Cleveland gehörte zu den Frauen, die in der ersten klinischen Studie teilgenommen haben. Schon nach den ersten Monaten hätten die Beschwerden angefangen: Kopfschmerzen, Unterleibskrämpfe, stechende Schmerzen in der Hüfte. „Jeden Tag ist es ein bisschen schlimmer geworden“, erinnert sie sich. Viele Jahre verbrachte sie damit, Ursachen zu suchen. Erst viel später sei ihr klar geworden, dass ihre Beschwerden mit den kleinen Spiralen zu tun haben könnte, die ihr damals eingesetzt wurde.

Erst nach zwei Operationen konnte Essure vollständig entfernt werden. „Jetzt fühle ich mich langsam besser“, sagt sie. In der Facebook-Gruppe „Essure Problems“ engagiert sie sich für andere „E-Sisters“, auch vor einem Senatsausschuss hat sie bereits ausgesagt. Arztrechnungen in Höhe von fast einer Million Dollar hat sie bei Bayer eingereicht. Eine Reaktion gab es nicht.

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