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09.04.2013

14:46 Uhr

Verkauf der Lagardère-Anteile

Großaktionär steigt bei EADS aus

Mit dem französischen Medienkonzern Lagardère verkauft der erste Großaktionär seine EADS-Anteile an Investoren. Der Umbau des europäischen Rüstungskonzerns wird damit fortgesetzt.

EADS-Chef Thomas Enders (linkst) spricht bei der Hauptversammlung des Konzerns in Amsterdam mit Großaktionär Arnaud Lagardere, Chef des französischen Lagardere-Konzerns. dpa

EADS-Chef Thomas Enders (linkst) spricht bei der Hauptversammlung des Konzerns in Amsterdam mit Großaktionär Arnaud Lagardere, Chef des französischen Lagardere-Konzerns.

Paris/MünchenDer europäische Luftfahrt- und Rüstungsriese EADS kommt seinem Ziel einer größeren Unabhängigkeit näher. Dazu trennte sich der französische Medienkonzern Lagardere am Dienstag wie geplant von seinen Anteilen an der Airbus-Mutter. Das Unternehmen platzierte sein Aktienpaket von 7,4 Prozent außerhalb der Börse bei Investoren und erlöste damit 2,3 Milliarden Euro.

Einen Teil der Papiere schnappte sich EADS gleich selbst. Im Zuge des laufenden Aktienrückkaufs erwarb der Konzern für eine halbe Milliarde Euro 1,6 Prozent der Gesamtanteile. Mit der Zeit will EADS bis zu 15 Prozent der Aktien kaufen. Die Transaktionen sind Teil der Konzernreform, auf die sich die staatlichen und privaten EADS-Eigner nach der gescheiterten Fusion mit dem britischen Rüstungskonzern BAE Systems geeinigt hatten.

Analysten zeigten sich allerdings verwundert, dass EADS-Chef Tom Enders nicht gleich im größeren Stil zugeschlagen hat. "Es ist möglich, dass EADS der Vergrößerung des Streubesitzes zunächst den Vorrang vor der Wertsteigerung durch Rückkäufe gibt", mutmaßten die Experten von JP Morgan Cazenove. "Oder dass sie ihr Pulver zur Kurspflege in den nächsten 18 Monaten trocken halten wollen." Die Lagardere-Platzierung tat dem Börsenpreis der EADS-Anteile zunächst nicht gut: In Paris gaben die Papiere gut zwei Prozent nach.

Die beauftragten Investmentbanken Societe Generale und BofA Merrill Lynch verteilten im Lagardere-Auftrag die Aktien Händlern zufolge zum Preis von je 37,35 und damit gut drei Prozent billiger als zum Schlusskurs vom Montag.

Die EADS-Zahlen im Überblick

Der Konzern

Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS hat 2012 deutlich mehr Geld verdient. Der Erfolg geht zu einem großen Teil auf das Konto der Tochter Airbus. Daneben gibt es drei weitere Sparten. Insgesamt beschäftigt EADS weltweit mehr als 133.000 Menschen. Das Geschäft der Divisionen im Überblick.

Airbus

Der Flugzeugbauer mit Sitz in Toulouse ist der Goldesel des Konzerns. Der Boeing-Rivale steht mit Erlösen von fast 38,6 Milliarden Euro für mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes. 2012 verdiente Airbus vor Zinsen und Steuern (EBIT) gut 1,2 Milliarden Euro und damit mehr als doppelt so viel wie 2011. Mit gut 69 000 Beschäftigten arbeitet mehr als jeder zweite EADS-Mitarbeiter für den Flugzeugbauer. Ein wichtiger Airbus-Standort ist Hamburg.

Eurocopter

Der Hubschrauberhersteller ist 2012 gemessen am Umsatz die zweitgrößte Sparte des Konzerns. Die Erlöse wuchsen um 16 Prozent auf den Rekordwert von fast 6,3 Milliarden Euro. Das EBIT stieg um 20 Prozent auf 311 Millionen Euro. Verantwortlich für das Plus war vor allem das Wartungsgeschäft, die Zahl der ausgelieferten Hubschrauber sank 2012 von 503 auf 475. Auch Eurocopter spürt hier vor allem Kürzungen von Rüstungsausgaben. Das Unternehmen mit Sitz im französischen Marignane beschäftigt knapp 20 800 Menschen.

Astrium

Die Raumfahrttochter ist inzwischen die drittstärkste Division des Konzerns. Der Umsatz des Unternehmens mit Hauptsitz in Paris stieg vor allem wegen des Service-Geschäfts um 17 Prozent auf gut 5,8 Milliarden Euro. Das EBIT stieg ebenfalls um 17 Prozent auf 312 Millionen Euro. Astrium steht vor allem für die europäische Trägerrakete Ariane, aber auch für den Bau von Satelliten. Die Sparte beschäftigt weltweit rund 16 600 Menschen.

Cassidian

Die Rüstungstochter bekommt die Sparzwänge in vielen europäischen Ländern besonders deutlich zu spüren. Die geplatzte Fusion mit BAE Systems machte zudem Hoffnungen der EADS-Spitze zunichte, Zugang zu weiteren Märkten zu bekommen. Der Umsatz von Cassidian sank 2012 leicht um 1 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro, das EBIT brach allerdings um 57 Prozent auf 142 Millionen Euro ein - vor allem wegen der Kosten für den Umbau und Jobstreichungen. 2011 war die Sparte mit Sitz in der Nähe von München gemessen am Umsatz noch die Nummer 2 im EADS-Konzern. Cassidian hat rund 20 900 Beschäftigte.

Mit dem Umbau der Aktionärsstruktur will EADS künftig unabhängiger von der Politik werden. Nach dem Vollzug von Lagardere folgt im Jahresverlauf noch der Ausstieg von Daimler. Der Stuttgarter Autobauer will seine Anteile ab Juli abtreten. Deutschland und Frankreich halten künftig Pakete über je zwölf Prozent. Spanien reduzierte jüngst seinen Anteil um 1,15 Punkte auf vier Prozent. Der vor 13 Jahren aus verschiedenen Vorläufern in den drei Ländern geschmiedete Konzern war häufig Anlass für Gezänk zwischen den Regierungen beiderseits des Rheins.

Lagardere will mit dem Milliardenerlös einen Teil seiner Schulden tilgen sowie seinen Eigentümern etwas Gutes tun etwa in Form einer Sonderdividende. Bei Daimler soll der Erlös den operativen Jahresgewinn um einen Milliardenbetrag aufbessern.

 

Von

rtr

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