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08.03.2006

10:32 Uhr

Verkauf von Gabelstaplersparte

Linde erwischt den richtigen Zeitpunkt

VonGregory Lipinski

Der Zeitpunkt für einen Verkauf der Gabelstaplersparte könnte für den Wiesbadener Linde-Konzern günstiger kaum sein: Die Wirtschaft boomt und damit auch der Bedarf, Waren auf- und abzuladen, ein- und auszulagern. Ohne Linde, die Nummer zwei auf dem Markt, liefe hier wenig.

Zwei deutsche Hersteller sind bei Gabelstaplern groß im Geschäft. Wenn Sie wissen wollen, wer außer Linde noch dazugehört, klicken Sie auf das Pluszeichen. Grafik: Handelsblatt

Zwei deutsche Hersteller sind bei Gabelstaplern groß im Geschäft. Wenn Sie wissen wollen, wer außer Linde noch dazugehört, klicken Sie auf das Pluszeichen. Grafik: Handelsblatt

HAMBURG. Der weltweite Markt für Flurförderfahrzeuge wächst derzeit nach Einschätzung von Analysten kräftig. „Die Weltkonjunktur ist in guter Verfassung. Wir rechnen damit, dass in den nächsten Jahren der Markt der Flurförderfahrzeuge zwischen 5 bis 7 Prozent zulegt“, meint Eggert Kuls, Analyst bei der Privatbank M.M. Warburg.

Ähnlich sieht dies Silke Stegemann, Analystin bei der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP). „Der Verkauf kommt angesichts der gegenwärtigen guten konjunkturellen Situation zu einem geeigneten Zeitpunkt.“ Zudem habe Linde das Restrukturierungsprogramm abgeschlossen.

Die Hersteller von Flurförderfahrzeugen halten sich mit Prognosen zur Marktentwicklung bedeckt. Dennoch rechnen sie für 2006 weltweit mit einem Wachstum in der Größenordnung des Vorjahres, betont ein Linde-Sprecher. Konkurrent Jungheinrich will sich nicht äußern. Im vergangenen Jahr stieg der weltweite Absatz um rund 6,4 Prozent auf rund 750 000 Stück.

Dabei entwickelten sich die Märkte unterschiedlich: Europa legte um 3,9 Prozent, Nordamerika um 6,4 Prozent und Asien um 7,8 Prozent zu. Weiterhin schwach war hingegen der inländische Markt. Er wuchs insbesondere wegen der anhaltenden Flaute im Handel nur um 3,9 Prozent. Auch die Marktsegmente zeigten Unterschiede: Der Absatz in der Lagertechnik erhöhte sich mit 7,5 Prozent deutlich stärker als bei Staplern mit 5,5 Prozent.

Trotz des Wachstums erreichte die Branche 2005 nicht an die Ergebnisse des Ausnahmejahres 2004. Weltweit kletterte der Absatz um 17 Prozent auf 704 000 Stück. Dabei legte der asiatische Markt um 22 Prozent zu, der US-amerikanische um 17.

Der Linde-Konzern will sich von seiner Gabelstaplersparte trennen, um die rund zwölf Mrd. Euro teure Übernahme des britischen Gase-Hersteller BOC zu stemmen. „Wir wollen ein reines Gaseunternehmen schaffen“, betonte Vorstandschef Wolfgang Reitzle vor kurzem. Er prüft deshalb verschiedene Optionen – darunter offenbar auch einen Börsengang. Linde vertreibt Flurförderfahrzeuge unter den Marken Linde, Still in Hamburg sowie OM in Italien. Der Konzern beschäftigt in dieser Sparte mehr als 18 000 Mitarbeiter.

Trotz der 2006 schwächeren Gesamtnachfrage nach Flurförderfahrzeugen – darunter Gabelstapler und Lagertechnik – rechnen die Analysten damit, dass der Linde-Chef einen attraktiven Preis für die Gabelstaplersparte erzielen wird. „Wir gehen von einer Preisspanne zwischen drei bis 3,5 Mrd. Euro aus“, sagt Winfried Becker, Analyst bei der Kölner Privatbank Sal.Oppenheim. LRP-Analystin Silke Stegemann schätzt den Veräußerungserlös zwischen 2,8 und drei Mrd. Euro.

Der Verkaufserlös wird nach Meinung von Analysten wesentlich davon abhängen, wie ein künftiger Erwerber die Absatzchancen von Linde in Asien und Osteuropa einschätzt. Dabei sei wichtig, inwieweit der Wiesbadener Konzern seine Position vor allem in China gegenüber den japanischen Konkurrenten wie Toyota und Mitsubishi behauptet. „Linde verfügt in China über ein eigenes Werk, das nicht ausgelastet ist“, meint M.M. Warburg-Analyst Eggert Kuls. Belastend seien hier zudem neue Wettbewerber: So baut der US-Konzern Crown ein Werk in Suzhou und hat dafür die Fertigung im irischen Calway aufgegeben.

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