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25.01.2006

10:11 Uhr

Vermittlung der Sparpläne

Zetsche wirbt um Verständnis für Radikalkur

Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche geht bei seinem Konzernumbau und Stellenabbau einen unorthodoxen Weg und spricht die Beschäftigten direkt und fast zeitgleich mit dem Aufsichtsrat an. Den Betriebsrat umgeht er; das Verhältnis ist zerrüttet. Lesen Sie, was Zetsche zu sagen hat.

Dieter Zetsche gilt als unkompliziert und offen gegenüber seinen Mitarbeitern. Foto: AP

Dieter Zetsche gilt als unkompliziert und offen gegenüber seinen Mitarbeitern. Foto: AP

hz/mwb STUTTGART. Auf Absprachen im Voraus mit dem mächtigen Betriebsratschef Erich Klemm verzichtet Zetsche. Das Klima zwischen Klemm und Zetsche ist inzwischen deutlich eisiger als noch zwischen Klemm und Schrempp. „Bisher hat uns Zetsche praktisch auf jeder Aufsichtsratsitzung eine neue Kröte zum Schlucken präsentiert“, sagte ein hochrangiges Betriebsratmitglied.

Akzeptanz bei der Belegschaft will sich Zetsche dadurch verschaffen, dass er bei seinem Sparkurs auch vor dem Vorstand nicht Halt macht (Lesen Sie dazu auch den Brief an die Belegschaft auf Seite 2). Zetsche will das oberste Managementgremium dauerhaft auf neun Personen reduzieren. Im Vergleich zum Vorjahr ist das Top-Management damit nominell um drei Personen verkleinert, bleibt aber gegenüber der jetzigen Zusammensetzung unverändert. Aber einige Zuständigkeiten werden neu verteilt.

Am stärksten von der Neustrukturierung ist Sparte Nutzfahrzeuge betroffen. Der von Vorstandsmitglied Andreas Renschler geleitete Geschäftsbereich wird unter dem Namen Truck Group auf das Kerngeschäft LKW reduziert. Der Transporterbereich wird künftig an Zetsche berichten. Zetsche selbst bleibt in Doppelfunktion Konzernchef und Leiter der Mercedes Car Group. Finanzchef Bodo Uebber behält die Verantwortung für Finanzen und Controlling sowie Daimler Chrysler Financial Services in Berlin. Strategie-Vorstand Rüdiger Grube verantwortet neben dem Ressort Konzernentwicklung nun auch die Informationstechnologie (IT) und ist im Vorstand für die Beteiligung am Luft- und Raumfahrtkonzern EADS zuständig. Die konzernweite Forschung und Technologie sowie die Entwicklung der Mercedes Car Group werden noch stärker beim Entwicklungschef Thomas Weber zusammengeführt.

Die deutschen Vorstandsmitglieder verlassen die bisherige Zentrale in Möhringen und ziehen in das Motoren-Stammwerk Stuttgart-Untertürkheim um, in unmittelbarer Nähe zur Produktion. „Die Entscheidungen bei Daimler-Chrysler werden zukünftig in Untertürkheim und in Auburn Hills bei Detroit gefällt“, sagte Zetsche. Gleichzeitig sollen Chrysler und Mercedes enger zusammenarbeiten. Künftig gebe es nur noch ein Unternehmen.

Am Standort der alten Zentrale in Möhringen sollen einzelne Funktionen erhalten bleiben. Möglicherweise ziehen in den Gebäude-Komplex Konzernmitarbeiter ein, die bislang in angemieteten Büros arbeiteten. Auch eine völlige Schließung schloss Zetsche nicht aus.

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