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12.06.2012

12:22 Uhr

Vermittlungsverfahren

Solarbranche warnt vor hunderten Pleiten

Der verschärfte Preiskampf hat bereits etliche Solarfirmen in die roten Zahlen gedrückt. Hunderte stehen nach Einschätzung von Branchenvertretern vor dem Aus. Immerhin: Bei First Solar geht es noch ein bisschen weiter.

Winzig klein wirkt ein Jogger neben einer Solaranlage bei Kaufbeuren/Ostallgäu. dpa

Winzig klein wirkt ein Jogger neben einer Solaranlage bei Kaufbeuren/Ostallgäu.

Düsseldorf/Frankfurt Die schwer angeschlagene Solarbranche hat vor Beginn des Vermittlungsverfahrens über die künftige Solarstrom-Förderung vor weiteren Firmenpleiten gewarnt. „Die Politik entscheidet nun über die Zukunft der Photovoltaik in Deutschland“, sagte Carsten Körnig, Geschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW), am Dienstag. Werde jetzt nicht schnell nachgebessert, stünden Hunderte Solarunternehmen in Handwerk und Mittelstand vor dem Aus. In der vorwiegend mittelständisch geprägten Branche seien aufgrund des Auftragseinbruchs in den vergangenen Wochen bereits tausende Arbeitsplätze verloren gegangen.

Der BSW fordert, die Fördersätze für Solarstrom langsamer zu reduzieren als von der Bundesregierung geplant und den Zuwachs nicht so stark zu begrenzen.

Der Bundesrat hatte Mitte Mai die Regierungspläne zur Solarförder-Kürzung durchkreuzt und das Vorhaben in den Vermittlungsausschuss verwiesen. Mit Zwei-Drittel-Mehrheit forderten die Länder eine grundlegende Überarbeitung des Gesetzes, das unter anderem Förderkappungen von 20 bis 40 Prozent vorsieht. Das Vermittlungsverfahren startet am Mittwoch (13. Juni) und kann sich Monate hinziehen. Der Ausgang ist ungewiss. Sollte es kein Vermittlungsergebnis geben, könnte der Bundestag mit absoluter Mehrheit das ursprüngliche Gesetz doch noch durchsetzen.

Die rückwirkende Kürzung ab April, die der Bundestag gebilligt hat, sollte den zuletzt weit stärker als geplanten Neubau von Anlagen bremsen. Durch den Preisdruck aus Asien sanken die Preise für Anlagen noch schneller als die Förderkürzungen. Der Marktanteil deutscher Produzenten schrumpfte rapide, obwohl sie zumindest teilweise vom Schlussverkaufsboom vor den geplanten neuen Kappungen profitierten. Diese verteidigen Verbraucherschützer und auch die deutsche Industrie, da die Solarhilfen durch eine Umlage auf alle Stromkunden bezahlt werden muss. Zuletzt waren dies mehr als sechs Milliarden Euro im Jahr.

Der Preiskampf sorgt bei den meisten Solarfirmen für rote Zahlen, andere haben ihn bereits verloren: So mussten etwa der einst weltgrößte Solarkonzern Q-Cells mit seinen 2300 Mitarbeitern, Solarpionier Solon, Kraftwerksentwickler Solarhybrid und Odersun Insolvenz anmelden. Odersun befindet sich inzwischen in der Abwicklung, Solon wurde vom arabischen Solarzellenhersteller Microsol übernommen während Q-Cells noch auf der Suche nach neuen Geldgebern ist. Lediglich für die Tochter Solibro wurde mit dem chinesischen Konzern Hanergy ein Käufer gefunden.

Das Ende des Solarunternehmens First Solar zögert sich derweil noch etwas hinaus. Die beiden Werke in Frankfurt (Oder) sollen jetzt erst zum Jahresende schließen. Grund seien neue Aufträge, „mit denen wir nicht gerechnet hatten“, sagte Unternehmenssprecher Brandon Mitchener am Dienstag in Brüssel und bestätigte damit einen Bericht des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB). Ursprünglich sollten die Werke im Oktober zugemacht werden. An den endgültigen Schließungsplänen des US-Konzerns ändere diese neue Situation aber nichts. Bis Oktober sollen die 1200 Mitarbeiter wieder in Vollzeit arbeiten, dann würden die Werke schrittweise heruntergefahren.

Kommentare (1)

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Hans

13.06.2012, 17:20 Uhr

Na dann werden wir ja bald irgendwo zu lesen bekommen, daß der clevere und äußerst beliebte Herr Kübelböck bald ins Armenhaus wandern wird und womöglich; daraus resultierend; damnächst seine Larve auch wieder auf der Mattscheibe zu bewundern sein wird!

Sind wir den noch nicht genug gestraft?

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