Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.01.2014

14:16 Uhr

Verschuldeter Energieriese

RWE bremst Ökostrom-Tochter

RWE fährt seine Investitionen im Ökostrombereich zurück. Die knappen Kassen des Energiekonzerns reichen nicht für den bisherigen Investitionsumfang. Für 2015/16 sollen aber schwarze Zahlen angepeilt werden.

Der bereits in Betrieb befindliche RWE Innogy Windpark vor der Küste von Nordwales. dpa

Der bereits in Betrieb befindliche RWE Innogy Windpark vor der Küste von Nordwales.

EssenDer hoch verschuldete Energiekonzern RWE fährt die Investitionen seiner Ökostrom-Tochter weiter zurück. Es werde wohl nicht bei den für 2014 und 2015 angepeilten Investitionen von je rund 500 Millionen Euro bleiben, sagte der Chef der Tochter RWE Innogy, Hans Bünting, am Mittwoch in Essen. Genauere Zahlen werde Vorstandschef Peter Terium Anfang März auf der Bilanzpressekonferenz nennen. „Es wird voraussichtlich nach unten angepasst werden.” Im vergangenen Jahr habe Innogy nochmals eine Milliarde Euro investiert. Die Tochter setzt nun unter anderem bei Windparkprojekten auf hoher See stärker auf Partnerschaften mit anderen Investoren.

Die 2007 gegründete Gesellschaft bekommt mit den Kürzungen den verschärften Kostendruck der Mutter zu spüren. Auf RWE lasten Schulden von mehr als 30 Milliarden Euro. Zudem machen dem Versorger wie der gesamten Branche die gesunkenen Strom-Großhandelspreise zu schaffen. Der RWE-Konzern hatte bereits angekündigt, die Investitionen von 4,5 Milliarden Euro 2013 auf drei Milliarden Euro 2016 zurückzufahren.

„Das Investitionsverhalten wird sich ändern. Großprojekte können wir leider nicht mehr alleine finanzieren”, sagte Innogy-Chef Bünting. Partner seien Finanzinvestoren wie Versicherungen und Pensionsfonds oder Stadtwerke. RWE wolle viele Projekte aber betreiben und auch damit Geld verdienen und die Beschäftigung sichern. Trotz der eingedampften Investitionen will die Tochter in den kommenden Jahren ihren operativen Gewinn steigern. RWE Innogy kommt dabei zu Gute, dass neue Windparks ans Netz gehen. So soll die lange verzögerte Anbindung für den über eine Milliarde Euro teuren Windpark Nordsee Ost Mitte dieses Jahres erfolgen. 2015 soll er in Betrieb gehen. Die Investitionsentscheidung für die erste Phase einer weiteren Anlage, Nordsee 1, soll im laufenden Jahr auf den Weg gebracht werden. RWE will sich daran mit 25 Prozent beteiligen und für den Rest Partner gewinnen.

Welche Kraftwerke RWE abschalten will

Amer 8

Der Energieversorger RWE will in den nächsten Jahren zahlreiche Kraftwerke aus dem Markt nehmen. Darunter ist auch das Steinkohlekraftwerk Amer 8 in den Niederlanden. Die Anlage mit einer Erzeugungskapazität von 610 Megawatt soll Anfang 2016 stillgelegt werden.

Moerdijk 2

Die meisten der Anlagen, die RWE aus dem Markt nehmen will, sind Gaskraftwerke, wie etwa Moerdijk 2 in den Niederlanden. Die Anlage hat eine Erzeugungskapazität von 430 Megawatt und soll bereits Ende dieses Jahres langfristig konserviert werden.

Gersteinwerk F und Gersteinwerk G

Auch die Anlagen Gersteinwerk F und Gersteinwerk G sollen eingemottet werden. Gersteinwerk F noch in diesem Jahr und Gersteinwerk G Mitte 2014. Die Gaskraftwerke haben jeweils eine Erzeugungskapazität von 355 Megawatt und stehen in Deutschland.

Weisweiler H und Weisweiler G

Weisweiler H und Weisweiler G arbeiten ebenfalls mit Gas. Die deutschen Kraftwerke haben jeweils eine Erzeugungskapazität von 270 Megawatt und sollen bis Oktober 2013 langfristig konserviert werden.

Emsland B und Emsland C

Die deutschen Gaskraftwerke Emsland B und Emsland C haben jeweils eine Erzeugungskapazität von 360 Megawatt und sollen bis Mitte 2014 zumindest in den Sommermonaten abgeschaltet werden.

2015/16 will die Ökostromtochter Bünting zufolge auch unter dem Strich schwarze Zahlen schreiben. „Ab 2016 wollen wir unseren positiven Wertbeitrag gegenüber unserem Shareholder nochmals erheblich steigern.” Für das vergangene Geschäftsjahr erwartet das Unternehmen ein operatives Ergebnis in etwa auf dem Vorjahresniveau von 183 Millionen Euro. Der Konzern legt seine Geschäftszahlen für 2013 am 4. März vor.

Vorstandschef Terium will in den kommenden Jahren Tausende Arbeitsplätze streichen. Die Beschäftigtenzahl bei Innogy werde bis 2015 wohl auf 700/800 von 1500 Ende 2013 gestutzt, erklärte Bünting. Darunter seien aber auch Stellen, die in andere Bereiche des Konzerns verlagert würden. Weitere Jobs wie im Rechnungswesen oder dem Einkauf würden aus verschiedenen Bereichen zusammengezogen. Die beiden Verlegungsschiffe für Offshore-Windanlagen mit insgesamt 60 Mitarbeitern sollen verkauft werden. Direkt abgebaut würden etwa 200 Jobs.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×