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27.01.2010

11:17 Uhr

Versorger

MVV bleibt für 2010 bescheiden

Bescheidenheit ist Trumpf bei MVV Energie, wenn es um 2010 geht: Der Mannheimer Versorger erwartet im laufenden Geschäftsjahr kein Wachstum. Das Augenmerkt liegt natürlich auf der Diskussion um die Laufzeit von Atomkraftwerken.

MVV füchtet, dass es 2010 kaum Wachstum geben wird. Caro / Ruffer

MVV füchtet, dass es 2010 kaum Wachstum geben wird.

HB FRANKFURT/MANNHEIM. Umsatz und operatives Ergebnis sollten sich „etwa“ auf dem Niveau des vergangenen Jahres halten, teilte das im SDax notierte Unternehmen am Mittwoch bei seiner Bilanzpressekonferenz in Frankfurt mit. Erschwert werde die Prognose weiterhin von der anhaltend schwierigen Wirtschaftslage und der schwer absehbaren Entwicklung der Rohstoff- und Energiepreise. Dies könne zu einem größeren Wertberichtigungsbedarf führen, hieß es im Geschäftsbericht. Darin kündigte das Unternehmen auch Kosteneinsparungen an. Ein Modell werde derzeit entwickelt.

Im vergangenen Geschäftsjahr (30.9.) hatte das Unternehmen dank des verstärkten bundesweiten Vertriebs von Strom und Gas zwar seinen Umsatz um 20 Prozent auf 3,16 Mrd. Euro gesteigert. Der um Einmal- und Bewertungseffekte bereinigte Jahresüberschuss sank allerdings im Vergleich zum Vorjahr um neun Prozent auf 112 Mio. Euro. Der operative Gewinn ging um vier Prozent auf 239 Mio. Euro zurück. Dabei wirkten sich besonders die in Folge der Rezession eingebrochenen Preise für Gewerbeabfall und für erzeugten Strom negativ aus. Die Dividende soll dennoch konstant bei 90 Cent je Aktie bleiben. Das entspricht einem Ausschüttungsvolumen von 59,3 Mio. Euro.

Wachstumschancen sieht das Unternehmen langfristig im Bereich Klimaschutz. Rund die Hälfte seines Investitionsbudgets von drei Mrd. Euro will MVV in Erneuerbare Energien, Energieeffizienz und bessere Kraft-Wärme-Kopplung seiner bestehenden Kohlekraftwerke stecken. Die übrigen 1,5 Mrd. Euro sollen in Erneuerungen bestehender Anlagen, vor allem in die Netze fließen. Auch Akquisitionen hat MVV weiter im Blick. Neue Beteiligungen seien aber nur interessant, wenn sie in die MVV-Strategie passten und dadurch Synergien erzielt werden könnten, betonte der Vorstandsvorsitzende Georg Müller.

In der Diskussion um die Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke warnte der MVV-Chef vor Geheimabsprachen in kleinem Kreis. „Das ist nicht nur eine Angelegenheit für die großen vier Konzerne, es betrifft die gesamte Gesellschaft.“ Müller forderte den Großteil der aus der Laufzeitverlängerung entstehenden Zusatzgewinne in Forschung und Entwicklung, etwa zum Ausbau intelligenter Stromnetze, zu stecken.

Sich Anteile an Kraftwerkskapazitäten von den großen Versorgern zu sichern, schloss Müller für MVV aus. Sein Unternehmen sehe dafür keinen Bedarf. Das Bundeskartellamt hatte zuletzt gefordert, in der Diskussion über die Atomkraftwerke den Wettbewerbsaspekt nicht außer Acht zu lassen und etwa vorgeschlagen, dass sich die Atomkraftwerksbetreiber von Kraftwerkskapazitäten trennen sollten.

Nach dem Bau des neuen Blocks im Großkraftwerk Mannheim sei kein weiterer Ausbau des Portfolios an Kohlekraftwerken geplant, erklärte Müller. MVV war 1999 von der Stadt Mannheim als erstes kommunales Energieunternehmen in Deutschland an die Börse gebracht worden.

Seitdem hat sich der Versorger unter anderem an der Energieversorgung Offenbach sowie den Stadtwerken Solingen, Ingolstadt und Kiel beteiligt. In Tschechien ist MVV stark im Fernwärmegeschäft vertreten.

Kommentare (1)

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Zophopas

28.01.2010, 15:28 Uhr

ich finde eine Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken generell untragbar. Atomkraftwerke müssen abgestellt und abgeschaft werden. Diese Form der Energiegewinnung ist zu risikobehaftet.

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