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21.06.2012

08:10 Uhr

Versorgungs-Sicherheit

Rohstoff-Knappheit bedroht Deutschlands Industrie

VonSebastian Ertinger

Deutschlands Industrie ist auf die Versorgung mit Rohstoffen angewiesen. Doch die Ressourcen sind knapp, die Preise von wichtigen Grundgütern steigen. Die Abhängigkeit von Importen bedroht die heimische Wirtschaft

Kohlemine in Indonesien: Industrie- und Schwellenländer wetteifern um den Zugang zu Grundgütern - Deutschland droht dabei ausgestoppt zu werden. Reuters

Kohlemine in Indonesien: Industrie- und Schwellenländer wetteifern um den Zugang zu Grundgütern - Deutschland droht dabei ausgestoppt zu werden.

DüsseldorfFür Deutschlands Unternehmen wäre es ein Horrorszenario: Die Versorgung mit Rohstoffen ist abgebrochen, die Energiequellen versiegt. Binnen kürzester Zeit stünden die Bänder in den Fabriken still, die Produktion würde zum Erliegen kommen. Am Ende geht beim Exportweltmeister Deutschland das Licht aus.

Völlig aus der Luft gegriffen ist so ein Szenario nicht. Denn aufstrebende Nationen kaufen den Markt für Grundgüter leer. Stark steigende Preise bereiten vielen Unternehmen im rohstoffarmen Deutschland seit Langem Sorge. Knapp 1,4 Milliarden Tonnen unterschiedlichster Rohstoffe benötigt die deutsche Industrie jährlich. Um diesen Bedarf zu decken, muss Deutschland laut einem Bericht der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover in zunehmendem Maße Grundgüter aus aller Welt importieren.

Dies birgt Gefahren. Die auf Sicherheitsfragen spezialisierte Beratungsgesellschaft Sandfire hat in einer Analyse die Gefahrenherde für die Handelswege und damit die Energie- und Rohstoffversorgung Deutschlands ausgemacht. Diese betrifft vor allem die Seewege, der wichtigste Transportweg für den Welthandel.

Die größten Rohstoffkonzerne der Welt

Platz 5

Anglo American

Das südafrikanisch-britische Unternehmen verdient sein Geld vor allem mit Industrie- und Edelmetallen, Diamanten - und Kohle. Der Konzern machte 2014 insgesamt 20,4 Milliarden Dollar Umsatz. Zu dem Portfolio gehört etwa auch der Diamantenschürfer De Beers. Anglo American ist der größte Platinförderer der Welt.

Quelle: Bloomberg,

Platz 4

Xstrata

Der Minenkonzern Xstrata ist der größte Zinkproduzent der Welt und hat sich mit dem berühmt-berüchtigten Rohstoffhändler Glencore zusammengeschlossen. Xstrata hatte an der Börse einen Wert von 55,1 Milliarden Dollar. Beide Unternehmen aus der Schweiz waren bereits eng verflochten. Glencore hielt rund 34 Prozent an Xstrata.

Platz 3

Vale

Der brasilianische Rohstoffkonzern Vale kommt auf einen Börsenwert von 107,9 Milliarden US-Dollar. Das einstige Staatsunternehmen verzeichnete ein rasantes Wachstum und stieg zum weltweit größten Förderer von Eisenerz auf. Zudem betreibt Vale die weltgrößte Eisenerzmine in Brasilien. In der Ferr Carajas-Mine werden 110 Millionen Tonnen Erz pro Jahr gefördert. Der Grundstoff für die Stahlerzeugung wird über rund 900 Kilometer per Eisenbahn in den nächsten Hafen gefahren.

Platz 2

Rio Tinto

Der britisch-australische Gigant rangiert auf Platz zwei der Eisenerzförderer. Das Traditions-Unternehmen mit zwei Hauptsitzen, in London und Melbourne, kommt auf eine Börsenwert von 111,6 Milliarden Dollar. Zudem betreibt Rio Tinto wichtige Kupferminen, wie etwa in West Australien. Die Anglo-Australier übernahmen sich 2007 fast am Kauf des kanadischen Aluminiumkonzerns Alcan und wurden selbst Ziel eines Übernahmeversuchs durch den Konkurrenten BHP Billiton.

Platz 1

BHP Billiton

Ein echtes Schwergewicht an der Börse mit einer Marktkapitalisierung von 199,7 Milliarden Dollar ist der britisch-australische Gigant BHP Billiton. Das Unternehmen betreibt Eisenerz- und Kupferminen, erweitert aber auch sein Geschäft etwa auf Schiefergasressourcen in den USA.

So bedrohen etwa Piraten die Seewege vor Somalia und Westafrika. Auch in den Gewässern des Inselstaates Indonesien treiben Freibeuter ihr Unwesen. Politische Instabilität und Krisenherde gefährden zudem wichtige Nadelöhre des Seehandels wie den Panama-Kanal oder den Seeweg zu den Ölvorkommen des Persischen Golf. „Die Destabilisierung strategisch bedeutender Küstenregionen bedroht deutsche Sicherheits- und Rohstoffversorgungsinteressen“,  heißt es in der Auswertung, die Handelsblatt Online exklusiv vorliegt.

Doch nicht nur die Handelswege, auch die Lieferländer können Ungemach bereiten. Denn Importe machen die Konjunkturlokomotive Deutschland abhängig vom guten Willen der Produzenten. „Die Versorgung mit Energie- und Rohstoffen impliziert Abhängigkeit. Diese wird zunehmen, weil neue Ressourcenvorkommen in geografisch und geologisch schwieriger zugänglichen Regionen liegen“, ist eine der Kernthesen der Sandfire-Studie.

Bei bestimmten Grundgütern wie den sogenannten Seltenen Erden, die besonders in der High-Tech-Industrie unentbehrlich sind, ist China der Hauptproduzent und kontrolliert die Ausfuhren. Im Zweifelsfall räumt Peking den eigenen Unternehmen vorrangig den Zugriff ein. So hat China die Exporte an sogenannten seltenen Erden, die in hochwertigen Gütern wie Handys, Elektrofahrzeugen oder Windrädern stecken, für das erste Halbjahr 2012 um 27 Prozent gekürzt. Chinas Weltmarktanteil beträgt 97 Prozent.

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