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26.01.2010

08:44 Uhr

Vertragsstrafe

Gazprom verlangt 100 Millionen Dollar von Eon

VonJürgen Flauger , Thomas Wiede

Die Verhandlungen um nicht abgenommene Gasmengen stehen kurz vor dem Abschluss. Eon Ruhrgas muss die im vergangenen Jahr nicht benötigten Mengen in den kommenden Jahren auch abnehmen - zu den dann gültigen Marktpreisen. Dann würden die Entschädigungszahlungen aber angerechnet.

Der russische Konzern Gazprom fordert rund 100 Millionen Dollar von Eon, weil das deutsche Unternehmen im vergangenen Jahr nicht genug Gas abgenommen hatte. ap

Der russische Konzern Gazprom fordert rund 100 Millionen Dollar von Eon, weil das deutsche Unternehmen im vergangenen Jahr nicht genug Gas abgenommen hatte.

MOSKAU/DÜSSELDORF. Die Verhandlungen zwischen Eon Ruhrgas und Gazprom über die Entschädigung für im vergangenen Jahr nicht abgenommene Gasmengen stehen kurz vor dem Abschluss: Nach Informationen des Handelsblatts aus mit den Gesprächen vertrauten Kreisen verlangt der russische Exporteur von seinem deutschen Kunden rund 100 Millionen Dollar, weil dieser nicht die vereinbarte Gasmenge abgenommen hat. Die Summe kann aber in den kommenden Jahren mit zusätzlichen Lieferungen verrechnet werden. Ein Sprecher von Eon Ruhrgas betonte, man sei zuversichtlich, die Verhandlungen in Kürze abzuschließen.

Verhandlungen zogen sich hin

Eon Ruhrgas hat mit dem weltgrößten Gasproduzenten langfristige Lieferverträge nach dem Prinzip Take-or-pay abgeschlossen. Das bedeutet, dass sich der Importeur verpflichtet hat, bestimmte Mengen abzunehmen und zu bezahlen, auch wenn er diese nicht im Markt unterbringt. Im vergangenen Jahr brach der Absatz der größten deutschen Gasgesellschaft aber wegen der Wirtschaftskrise ein. In den ersten neun Monaten setzte sie 21 Prozent weniger ab als ein Jahr zuvor.

Während sich Eon Ruhrgas mit anderen Lieferanten - etwa aus Norwegen - rasch einigen konnte, zogen sich die Verhandlungen mit Gazprom über Monate hin. Jetzt hat man sich aber offenbar über das Volumen geeinigt. In den Kreisen wurde aber betont, dass es sich nicht um Strafen handelt, sondern dass das Vorgehen in den Verträgen so vorgesehen ist. Eon Ruhrgas muss die im vergangenen Jahr nicht benötigten Mengen in den kommenden Jahren auch abnehmen - zu den dann gültigen Marktpreisen. Dann würden die Entschädigungszahlungen aber angerechnet. "Die Zahlungen sind nicht verloren", sagt Sergej Komlew, bei Gazpromexport zuständig für die Vertragsgestaltung mit den internationalen Abnehmern. Im Fall von Eon sei denkbar, die Zahlungen gegen Verpflichtungen aufzurechnen, die wiederum Gazprom gegenüber dem Versorger hat. Beide Konzerne haben ein Gemeinschaftsunternehmen, das Gas in Russland fördert und von dem Gazprom eine bestimmte Menge abnehmen muss. Eon Ruhrgas ist nicht das einzige Unternehmen, an das Gazprom Forderungen stellt. Nach Angaben aus den Kreisen dürfte sich der Betrag, den internationale Kunden schulden, insgesamt auf rund zwei Mrd. Dollar belaufen. Wegen des in der Geschichte der Gasbranche bisher einmaligen Rückgangs der Nachfrage sind in den vergangenen Monaten die bestehenen Langfristlieferverträge in die Diskussion gekommen. Gazprom hält weiter an deren Prinzipien fest. Dennoch muss sich der Gaskonzern auf die neuen Marktumstände einstellen. Auf der heute stattfindenden Aufsichtsratssitzung wird es nach Angaben aus Konzernkreisen unter anderem auch darum gehen, wie Verträge künftig gestaltet werden können.

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