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29.09.2016

17:03 Uhr

Viagra und Co.

Gefälschte Arzneimittel vernichten Jobs

VonMaike Telgheder

Von teuren Krebstherapeutika bis hin zu preiswerten Schmerzmitteln: Die Pharmaindustrie büßt durch gefälschte Produkte Milliarden Euro an Umsatz ein. Die illegalen Kopien vernichten auch in Deutschland zahlreiche Jobs.

Die „blauen Pillen“ gehören zu jenen Medikamenten, die am häufigsten gefälscht werden. dpa

Viagra

Die „blauen Pillen“ gehören zu jenen Medikamenten, die am häufigsten gefälscht werden.

FrankfurtGefälschte Arzneimittel sorgen in der EU für hohen wirtschaftlichen Schaden: Den Herstellern entgeht Umsatz, weniger Menschen haben einen Arbeitsplatz und auch der Staat nimmt weniger Steuern und Sozialabgaben ein. Wie hoch die Einbußen für die Pharmaindustrie in Deutschland durch gefälschte Arzneimitteln in der Europäischen Union tatsächlich sind, hat jetzt das Amt der Europäischen Union für Geistiges Eigentum (Euipo) ausgerechnet: Demnach kosten gefälschte Arzneimittel die Pharmabranche in der EU rund 10,2 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr, was etwa 4,4 Prozent des Umsatzes aller rechtmäßig verkauften Arzneimittel entspricht.

Diese Verkaufseinbußen sorgen dafür, dass die Branche weniger Arbeitnehmer beschäftigt. Die Studie geht von 37.700 Jobs aus, die aufgrund der Fälschungsproblematik verlorengehen. Bezieht man noch die Folgewirkungen von gefälschten Arzneimitteln auf andere Branchen mit ein, gehen weitere 53.200 Arbeitsplätze in anderen Wirtschaftszweigen der EU verloren.

Die jährlichen Gesamtverluste bei den Staatseinnahmen infolge von Arzneimittelfälschungen in dieser Branche, die sich in ausgebliebenen Einkommensteuern, Sozialabgaben und Unternehmenssteuern niederschlagen, belaufen sich in der Staatengemeinschaft auf schätzungsweise 1,7 Milliarden Euro.

Medikamentenfälschungen in der EU

Italien

Der italienischen Arzneimittelbranche entstehen dem Bericht zufolge durch Medikamentenfälschungen geschätzte Verluste in Höhe von bis zu 1,59 Milliarden Euro pro Jahr, beziehungsweise 5 Prozent ihres Jahresumsatzes. Dadurch gehen der Branche unmittelbar 3.945 Arbeitsplätze verloren.

Frankreich

Laut Schätzung des Berichts gehen der französischen Arzneimittelbranche pro Jahr mehr als eine Milliarde Euro, also 3 Prozent des Gesamtumsatzes, aufgrund von Medikamentenfälschungen verloren. Das bedeutet einen unmittelbaren Verlust von 3.667 Arbeitsplätzen.

Spanien

Die spanische Arzneimittelbranche muss dem Bericht zufolge durch Medikamentenfälschungen geschätzte Einnahmenverluste in Höhe von bis zu 1,17 Mrd. Euro pro Jahr, beziehungsweise 5,9 Prozent ihres Jahresumsatzes, verkraften. Dadurch werden 3.223 Arbeitsplätze vernichtet.

Großbritannien

Dem Bericht zufolge gehen der Arzneimittelbranche des Vereinigten Königreichs jährlich mehr als 605 Mio. Euro, beziehungsweise 3,3 % des Gesamtumsatzes, infolge von Medikamentenfälschungen verloren. Das geht mit einem unmittelbaren Verlust von 2.940 Arbeitsplätzen einher.

Das Beispiel Deutschland: Laut Schätzungen des Berichts gehen der deutschen Arzneimittelbranche pro Jahr mehr als eine Milliarde Euro, also 2,9 Prozent des Gesamtumsatzes aufgrund von Medikamentenfälschungen verloren. Etwa 7.000 Euro Jobs gehen dadurch unmittelbar verloren.

„Wir wissen aufgrund von Analysen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass sowohl Generika als auch innovative Arzneimittel gefälscht werden – von teuren Krebstherapeutika bis hin zu preiswerten Schmerzmitteln. Solche Fälschungen können giftig sein und eine ernste Gefahr für die Gesundheit darstellen. Unser Bericht zeigt, dass sie darüber hinaus schwerwiegende Auswirkungen auf die Volkswirtschaft und auf Arbeitsplätze haben“, kommentiert António Campinos, Exekutivdirektor des Euipo, die Untersuchung. Das Amt will mit den daten- und faktengestützten Studien politischen Entscheidungsträgern dabei helfen, Maßnahmen entwickeln, mit denen dem Problem der Arzneimittelfälschungen entgegengewirkt werden kann.

Der Bericht ist der neunte in einer Reihe von Studien, die das Euipo zu den wirtschaftlichen Auswirkungen von Fälschungen auf verschiedene Industriezweige innerhalb der EU durchführt. Unter anderem wurden auch die Bereiche Spirituosen und Wein, Tonträger, Sportgeräte und Bekleidung untersucht.

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