Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.01.2011

10:00 Uhr

Viel versprechende Nische

Whisky aus Deutschland findet reißenden Absatz

VonAxel Höpner

Whisky aus Deutschland, das ist seit einigen Jahren eine zwar kleine, aber viel versprechende Nische. Das Dutzend heimischer Anbieter kann die Nachfrage kaum noch befriedigen. Doch gerade darin liegt das Erfolgsrezept der hiesigen Destillerien.

Reuters

SCHLIERSEE. Am Anfang steht eine echte Schnapsidee. Florian Stetter ist mit Freunden in Schottland unterwegs. Die Berge, die Seen, die Freistaaterei, all das erinnert ihn an seine oberbayerische Heimat, wo er in der Familientradition die Schnapsbrennerei Lantenhammer am Schliersee betreibt. Also wettet er mit seinen Freunden um einen Träger Weißbier, dass er daheim - nach schottischem Vorbild - auch bayerischen Whisky erzeugen könne.

Die Wette hat Stetter gewonnen. Slyrs (sprich: Schlürs) heißt der edle Tropfen. Am Fuße der imposanten Brecherspitze am idyllischen Schliersee haben die Stetters mit Hilfe von Investoren eine vollständige Whisky-Brennerei errichtet - die größte in Deutschland. In rund 600 Eichenfässern lagert der Whisky, bis er nach frühestens drei Jahren als solcher verkauft werden darf. Im angrenzenden Laden dürfen die Kunden nur jeweils eine 0,7-Liter-Flasche für knapp 40 Euro mitnehmen. Denn, so Geschäftsführerin Andrea Stetter: "Wir können die Nachfrage nicht befriedigen."

Die Kunden in der ganzen Republik, vom KDW in Berlin bis zur Feinkostabteilung des Alsterhauses in Hamburg bekommen zweimal im Jahr ihr Kontingent. Whisky aus Deutschland, das ist seit einigen Jahren eine zwar kleine, aber viel versprechende Nische.

Einer der prominenten Fans des Slyrs-Tropfens ist der berühmteste Schlierseer: Skilegende Markus Wasmeier. "Da können wir alle miteinander stolz sein, dass einer von uns das gemacht hat", sagte der ehemalige Ski-Olympiasieger dem Handelsblatt. Bodenständiges aus der Heimat sei wieder gefragt.

In der Tat hat Slyrs da eine attraktive Nische besetzt. Heimische, handgemachte Produkte lägen im Trend, sagt Geschäftsführerin Stetter. In den 70ern und 80ern habe ein edlerer Tropfen aus Frankreich oder Italien kommen müssen. Cointreau oder ein edler Grappa mussten es sein. Heute gebe es eine Rückbesinnung auf heimatliche Werte - und da sei ein qualitativ hochwertiger Whisky aus bayerischer Gerste und Quellwasser, per Hand in Flaschen abgefüllt und edel verpackt, gefragt.

Branchenkenner schätzen, dass Slyrs derzeit etwa 30 000 Flaschen im Jahr absetzt. Die Kapazitäten wurden gerade erst erweitert, in ein paar Jahren könnten es 100 000 Flaschen sein. Doch viel mehr sollen es auch nicht werden. Das größte Risiko für erfolgreiche Nischenanbieter wie Slyrs ist es, die Expansion zu aggressiv voranzutreiben, die Bodenhaftung zu verlieren. Da werden schnell Vertriebsstrukturen überfordert oder die Marke beschädigt.

In kleinen Mengen aber kann das Modell funktionieren. Das Risiko allerdings war anfangs wegen der hohen Investitionen und der fehlenden Erfahrung durchaus groß. "Wir haben Lehrgeld bezahlt", sagt Stetter. So enthielten die Fässer aus heimischer Buche zuviel Gerbsäure, um nur ein Beispiel zu nennen. Doch die Investoren - zumeist Unterstützer aus der Gegend - bewiesen die notwendige Geduld. Das zahlt sich nun aus.

Mit der Whiskey-Brennerei hat Slyrs Pionierarbeit geleistet. Inzwischen brennt zum Beispiel auch die bekannte Rothaus-Brauerei (Tannenzäpfle) in kleinen Mengen ihren eigenen Whisky. Etwa ein Dutzend heimischer Anbieter gibt es. Wer die Whisky-Brennerei nun als erstes kommerziell betrieben hat, ist nicht so leicht zu sagen. Die Versuche ziehen sich über Jahre hin. Als "Deutschlands älteste Single Malt Whisky-Destillerie" versteht sich die Brennerei "Blaue Maus" in Eggolsheim-Neuses, die in den 80er-Jahren startete. Auch die Altbier-Brauerei Uerige brennt seit einigen Jahren in der Düsseldorfer Altstadt Whisky.

Doch natürlich sind die deutschen Hersteller allesamt nur Nischenanbieter. Der Markt wird von schottischen und amerikanischen Whiskys dominiert, von Iren, Japanern und Kanadiern. Der Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und-Importeure schätzt den Markt hierzulande auf 56 Millionen 0,7-Liter-Flaschen im Jahr. 2010 entwickelte sich der Markt relativ stabil, berichtet BSIGeschäftsführerin Angelika Wiesgen-Pick in einer ersten Schätzung.

Natürlich wird der Geschmack der deutschen Exoten unter den Whisky-Kennern besonders kontrovers diskutiert. Der Slyrs, da sind sich die meisten in den Internetforen einig, ist mit seinen drei Jahren eher milde. Als "Frauen- und Einsteiger-Whisky" werde er zuweilen bezeichnet, sagt auch Geschäftsführerin Stetter. Eine durchaus attraktive Zielgruppe ist das. Im Geschmack setzt sich stark das Holz der Eichenfässer durch. 2015 kommt die erste Charge von zwölfjährigem Slyrs auf den Markt. Der wird dann intensiver schmecken - und wegen der kleinen Mengen noch begehrter sein.

Fremdenverkehr profitiert

Vom Erfolg der Destillerie profitiert die gesamte Region. Schliersee war als Fremdenverkehrsort ein wenig in die Jahre gekommen. Doch seit einiger Zeit erlebt er einen kleinen Aufschwung. Die Schörghuber-Gruppe hat viel Geld in eine Modernisierung der Skilift-Anlagen am etwas höher gelegenen Spitzingsee investiert, ein neues Schwimmbad wurde eröffnet. Vor allem aber zieht das Bauernhof-Museum in Schliersee die Gäste an, das Ex-Ski-Olympiasieger Markus Wasmeier errichtet hat. Etwa 100 000 Besucher kamen 2010, berichtet Wasmeier. 45 Angestellte beschäftigt er inzwischen in seinem Museum, in dem auch auf traditionelle Art in Holzfässern Bier gebraut wird. 20 000 Liter hat er im vergangenen Jahr gebraut. Und nach dem Besuch des Freilichtmuseums, sagt Wasmeier, gehe es dann für viele weiter zu einer Besichtigung der Slyrs-Brennerei. Während die österreichischen Touristenorte auf Attraktionen nach dem Motto "schneller, höher, weiter" setzten, halte man mit der Rückbesinnung auf die Tradition dagegen. Man muss nur Hartnäckigkeit und vor allem Geduld haben - die vielleicht wichtigste Eigenschaft für die Herstellung von Whisky.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Paul-Felix Wundrich

02.01.2011, 19:29 Uhr

Ein Artikel über "Whisky aus Deutschland"? Doch wohl eher über Slyrs. 30.000 Flaschen hat Slyrs nach eigenen Angaben übrigens schon 2007 verkauft. Wenigstens bemüht sich der Autor, keine Superlative zu verwenden, wie es unbedarfte Schreiber früher gerne getan haben. Als Reportage über Slyrs ist der Artikel somit recht brauchbar, bezogen auf deutschen Whisky aber sehr mangelhaft.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×