Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.08.2015

13:56 Uhr

Viktor Vekselberg und Renova

Russischer Oligarch bietet für Sulzer

3,2 Milliarden Euro: So viel bietet ein russischer Milliardär für Sulzer. Investor Viktor Vekselberg will aber nicht den kompletten Schweizer Konzern schlucken. Im Hintergrund zieht Ex-Siemens-Chef Löscher die Fäden.

Seine  Beteiligungsgesellschaft Renova will die Macht bei Sulzer ausbauen. ap

Viktor Vekselberg

Seine Beteiligungsgesellschaft Renova will die Macht bei Sulzer ausbauen.

ZürichDer russische Oligarch Viktor Vekselberg baut seinen Einfluss beim Schweizer Industriekonzern Sulzer aus. Ganz schlucken will Vekselbergs Beteiligungsgesellschaft Renova das Traditionsunternehmen aber nicht. Nach dem Erwerb weiterer Aktien und dem Überschreiten der Beteiligungsschwelle von einem Drittel muss Renova allerdings allen Aktionären ein Pflichtangebot für ihre Aktien vorlegen.

„Renova beabsichtigt, als Ankeraktionärin die strategische Ausrichtung des Unternehmens als auch den laufenden Turnaround-Prozess weiterhin aktiv zu unterstützen“, teilte die Gesellschaft am Montag mit. „Gleichzeitig ist Renova daran interessiert, die bestehenden Eigentumsverhältnisse von Sulzer mit einem mehrheitlich unabhängigen Aktionariat beizubehalten.“

Der Angebotspreis von 99,20 Franken je Sulzer-Aktie entspricht dem gesetzlich vorgeschriebenen Mindestpreis und dem Schlusskurs vom Freitag. An der Börse ist Sulzer zu dem Kurs 3,4 Milliarden Franken (3,2 Milliarden Euro) wert.

Sulzer hat das Geschäft in den vergangenen Jahren stark auf das Pumpengeschäft ausgerichtet. Dem Konzern aus Winterthur macht deswegen das widrige Umfeld in der Öl- und Gasindustrie zu schaffen, wo die größten Kunden sitzen. Auch die Stärke der Konzernwährung Franken belastet das Ergebnis.

Im ersten Halbjahr verdiente Sulzer unter dem Strich mit 26,8 Millionen Franken nur noch halb so viel wie ein Jahr zuvor. Im vergangenen Jahr war Sulzer mit dem Versuch gescheitert, mit dem US-Konzern Dresser-Rand zu fusionieren. Siemens schnappte den Schweizern den amerikanischen Hersteller von Turbinen und Kompressoren weg.

Die Ära Löscher: Wie sich Siemens verändert hat (Teil 1)

Abgang

Peter Löscher war der erste Siemens-Boss, der von außen kam. Schon zu seinem Amtsantritt warnten Aktionärsschützer, es werde dem Manager schwerfallen, eine Hausmacht in dem komplexen Konzern aufzubauen. Doch seine Erfolge überdeckten alle Zweifel - zumindest in der ersten Halbzeit. Deutlich vor seinem Vertragsende 2017 musste der Fußballfan Löscher im Jahr 2013 vom Platz.

Quelle: dpa

Seine Aufgabe

Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Crommee präsentierte 2007 überraschend den in Deutschland unbekannten Pharmamanager Peter Löscher als Nachfolger von Klaus Kleinfeld. Löscher beginnt seinen Job am 1. Juli 2007. Vor allem muss er die milliardenteure Schmiergeldaffäre in den Griff bekommen. Dabei geht es um eine Reihe von Korruptionsvorwürfen, die seit 2006 rund um schwarze Kassen in dreistelliger Millionenhöhe von der Staatsanwaltschaft aufgedeckt worden waren.

Eine neue Struktur

5. Oktober 2007: Der neue Chef verpasst dem Konzern eine neue, schlankere Struktur, die auf den drei Säulen Infrastruktur, Energie und Gesundheit beruht. Darüber installiert er einen kleineren Vorstand.

Gewinneinbruch

30. April 2008: Löscher muss gleich für sein erstes komplettes Geschäftsjahr die Jahresprognose nach einem Gewinneinbruch im zweiten Quartal kassieren. Am 8. Juli setzt Löscher den Rotstift an und streicht fast 17.000 Stellen im Konzern, mehr als 5.000 davon in Deutschland. Er will die Kosten um 1,2 Milliarden Euro senken.

Die Schmiergeldaffäre

15. Dezember 2008: Siemens einigt sich mit den US-Behörden auf ein Strafmaß für die Schmiergeldaffäre - damit ist der größte Brocken des Skandals aus dem Weg geräumt. Ein weiteres Jahr später einigt sich Siemens mit früheren Managern auf millionenschweren Schadenersatz für die Schmiergeldaffäre und schließt dieses Kapitel damit weitgehend ab.

Gewinnwarnung, Stellenstreichung und Rekordwerte

29. April 2009: Anders als zunächst erhofft muss Löscher angesichts ausbleibender Aufträge in der Krise doch die Gewinnprognose für das Geschäftsjahr kappen.

28. Januar 2010: Nach einem überraschend guten Start ins Jahr schockt Löscher die Belegschaft mit neuen Plänen für Stellenstreichungen. 2000 Jobs in Deutschland sollen wegfallen.
11. November 2010: Löscher kann für das Geschäftsjahr 2009/2010 Rekordwerte präsentieren. Er selbst kassiert in diesem Jahr fast 9 Millionen Euro Salär.

Siemens wird umgebaut

25. Januar 2011: Auf der Hauptversammlung loben Aktionäre Löscher für den Konzernumbau und seine Politik insgesamt. Es ist vermutlich das erfreulichste Aktionärstreffen für den Manager.
29. März: Löscher baut weiter um und will einen vierten Sektor für Infrastruktur und Städte schaffen, die Lichttochter Osram soll an die Börse gebracht werden.
27. Juli: Der Aufsichtsrat von Siemens verlängert den Vertrag mit Löscher vorzeitig bis 2017 - vor allem wegen der Erfolge, die der Manager beim Umbau des Konzerns erzielt hat.
4. September: Angesichts von Turbulenzen an den Aktienmärkten verschiebt Siemens den geplanten Börsengang von Osram.

Der ehemalige Siemens-Chef Peter Löscher ist Vorsitzender des Sulzer-Verwaltungsrat und Chef von Renova. Löscher werde sein Mandat als Sulzer-Präsident bis zum Abschluss des Angebots nicht ausüben. Auch der zweite Renova-Vertreter im Sulzer-Verwaltungsrat, Marco Musetti, werde sein Mandat ruhen lassen. Der Abwicklung des Pflichtangebots dauert voraussichtlich bis Anfang Oktober.

Die Sulzer-Aktien stiegen um knapp vier Prozent auf 103 Franken. Mit Renovas Pflichtangebot sei der Kurs für die Dauer des Angebots nach unten abgesichert, erklärten Analysten. Zudem könne Vekselberg künftig seine Beteiligung weiter ausbauen. Ein Börsenhändler sagte, im Markt werde zudem spekuliert, dass Sulzer nun ein Programm zum Rückkauf eigener Aktien starten könnte. Bislang bestand die Gefahr, dass dadurch Renovas Beteiligung über die kritische Beteiligungsschwelle gestiegen wäre. Der Konzern sitzt nach einem Spartenverkauf im Vorjahr auf viel Geld.

Die Ära Löscher: Wie sich Siemens verändert hat (Teil 2)

Gewinneinbruch

24. Januar 2012: Der Start ins neue Jahr misslingt, der Gewinn bricht ein. An seinen Zielen für das Jahr hält Löscher aber fest.
25. April: Es hilft nichts: Löscher muss erneut eine Prognose kassieren. Neben Lieferschwierigkeiten bei Zügen sind es vor allem Probleme bei der Windkraft. Löscher räumt Fehler ein.
1. Juli: Löscher hat die erste Amtszeit hinter sich. Vor allem gibt es Lob. Betriebsrat, Gewerkschaft und Aktionärsschützer stellen Löscher ein überwiegend positives Zeugnis aus.

Kritik an Löscher

26. Juli 2012: Wieder wackelt eine Prognose. Ein klassischer Osram-Börsengang wird ganz abgesagt, es läuft nicht rund. Löscher verkündet ein neues Sparprogramm. Die Kritik an seiner Führungsarbeit wird lauter.
8. November: Löscher muss einen Gewinneinbruch bekanntgeben und präzisiert sein Sparprogramm mit dem Namen Siemens 2014. Um sechs Milliarden will er die Kosten drücken, wie viele Stellen das kosten soll, sagt er nicht.
Dezember/Januar: In Medien wird Löschers Zukunft bei Siemens infrage gestellt. Etliche Indiskretionen scheinen aus dem Unternehmen selbst zu kommen. Sogar von einer drohenden Revolte ist zu lesen.

Löscher wehrt sich

18. Januar 2013: Im Interview mit dpa wehrt sich Löscher gegen die Vorwürfe. Gerüchte über seinen Abschied oder eine Revolte weist er weit von sich.

Gewinnziel fällt

2. Mai 2013: Wieder muss Löscher ein Gewinnziel in den Wind schreiben. Die Kritik bringt den Konzernchef weiter in Bedrängnis.

Holpriger Börsengang

8. Juli 2013: Im dritten Anlauf schafft der Lichtspezialist Osram den Börsenstart. Statt eines klassischen Börsengangs erhalten die Siemens-Aktionäre für je 10 Papiere des Elektrokonzerns eine Osram-Aktie.

Blamage

25. Juli 2013: Es ist der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt: Löscher muss auch das langfristige Gewinnziel für 2014 kappen, das ein Kern seines Sparprogramms war.

Das Ende

31. Juli 2013: Löscher muss gehen. Die Aufsichtsräte beschließen bei ihrer regulären Sitzung seine vorzeitige Ablösung. Eine Mehrheit der Aufseher ist für Siemens-Finanzchef Joe Kaeser als Nachfolger.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×