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08.09.2016

15:34 Uhr

Voestalpine

Stahlkonzern will neues Sparpaket schnüren

Der österreichische Stahlkonzern Voestalpine hat ein neues Sparpaket angekündigt. Geplant sind Kostensenkungen in dreistelliger Millionenhöhe. Die Branche kämpft mit Überkapazitäten und Billigimporten aus China.

Der Voestalpine-Chef muss erneut auf die Kostenbremse treten. Reuters

Wolfgang Eder

Der Voestalpine-Chef muss erneut auf die Kostenbremse treten.

WienDer österreichische Stahlkonzern Voestalpine will unter dem Druck der Branchenkrise erneut auf die Kostenbremse treten. Nach dem Ende März auslaufenden milliardenschweren Sparprogramm solle es weitere Einsparungen geben. „Es wird mit Sicherheit ein Nachfolgepaket geben. Wir haben in den Divisionen die Gespräche darüber begonnen“, sagte Konzernchef Wolfgang Eder am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Geplant seien Kostensenkungen in in dreistelliger Millionenhöhe.

Die Schwerindustrie um Thyssen-Krupp und Weltmarktführer Arcelor-Mittal kämpft seit Jahren mit Preisdruck, Überkapazitäten und Billigimporten aus China. Voestalpine macht als Hersteller von Röhrenblechen für Pipelines auch eine maue Nachfrage aus der Ölindustrie zu schaffen. Nach einem Gewinneinbruch zum Jahresauftakt rechnet Eder mit keinem weiteren Rückgang.

Das bis Ende September laufende traditionell schwache zweite Quartal sollte das Niveau des ersten Quartals erreichen oder auch darüber liegen, kündigte der Firmenchef an. Insgesamt werde die zweite Hälfte des Geschäftsjahres 2016/17 deutlich stärker sein als die erste, bekräftigte er. Der Öl- und Gasbereich sollte im Verlauf der zweiten Jahreshälfte den Boden erreicht haben.

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Überkapazitäten und niedrige Preise: Weltstahl-Präsident Wolfgang Eder fordert seine Kollegen in Europa auf, die Produktion zu drosseln. Zehntausende Jobs in der Stahlindustrie wären bedroht.

An den Zielen für das Geschäftsjahr 2016/17 hält Eder fest. Die operative Ergebnisse Ebit und Ebitda sollen etwa stabil bleiben. Unterstützung erwartet Eder, der auch Weltstahlpräsident ist, von steigenden Stahlpreisen. „Es sieht danach aus, dass wir aufgrund einer anziehenden Nachfrage und steigender Rohstoffpreise im Verlauf des Herbstes auch mit steigenden Stahlpreisen rechnen können“, sagte der Stahl-Manager. Erstmals seit fünf Jahren würden die Stahlpreise nach dem Sommer nicht einbrechen. Arcelor-Mittal kündigte laut Eder an, ab dem vierten Quartal die Preise um 40 Euro je Tonne zu erhöhen.

Details für das neue Sparpaket wollte der Voestalpine-Chef noch nicht nennen. Die Gespräche würden voraussichtlich bis in den Februar hinein laufen. „Es ist viel zu früh, irgendwelche Indikationen zu geben. Aber, es gibt immer noch Potenziale, auch wenn man sich das nach acht Jahren durchgängiger Sparprogramme schwer vorstellen kann“. Ein Mitarbeiterabbau sei nicht geplant. Der Konzern beschäftigt gut 48.000 Menschen. Frei werdende Stellen würden jedoch nicht nachbesetzt.

Auch bei den Investitionen will Eder leicht auf die Bremse treten. Nachdem im laufenden Geschäftsjahr 1,1 Milliarden Euro investiert würden, sei für das nächste Jahr eine Milliarde Euro oder darunter geplant. „In Zukunft werden wir stabil zwischen 800 Millionen und einer Milliarde Euro liegen“. Analysten hatten zuletzt Sorge geäußert, dass der Konzern zu viel investieren könnte. Den Fokus will Eder auf den Automobilbereich legen. Die Linzer hatten kürzlich einen 500-Millionen-Dollar-Auftrag eines deutschen Premium-Autobauers an Land gezogen. Um den Großauftrag umsetzen zu können, sollen mehr als 60 Millionen Dollar in zwei US-Standorte investiert werden.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Voestalpine produziert etwa Bleche für Karosserieteile. Investieren will Eder auch im Eisenbahnbereich, wo der Konzern Weltmarktführer bei Weichen für Hochgeschwindigkeitszüge sei. „Wir haben Überlegungen verstärkt in Schwerlast-Weichen einzusteigen und auch in die Produktion von Straßenbahnweichen“, sagte Eder.

Die Entscheidung, ob im steirischen Kapfenberg ein neues Edelstahlwerk gebaut wird, will Eder in der zweiten Jahreshälfte 2017 treffen. „Ich orte eine sehr vernünftige, entgegenkommende Position auf Seiten der steirischen Behörden. Ich glaube schon, dass wir da vor Ort zurande kommen, entscheidend wird aber die europäische Ebene sein“. Die voraussichtlichen Kosten für den Bau bezifferte er mit 250 bis 300 Millionen Euro.

Für Zukäufe will der Manager künftig jährlich 200 bis 300 Millionen Euro ausgeben. „Das Problem im Moment ist, dass Geld ja grenzenlos zur Verfügung steht und wir sind nicht bereit, utopische Kaufpreise zu bezahlen. Im Moment hat man als strategischer Investor gegen Finanzinvestoren kaum eine Chance“. Interessante Übernahmeziele seien derzeit Familienunternehmen, wo es „nicht nur um den Kaufpreis“ geht.

Von

rtr

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