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01.07.2016

19:18 Uhr

Volkswagen

Absatz in den USA bricht ein

Für Volkswagen sieht es in den USA weiter finster aus: Die Verkäufe von Europas größtem Autobauer brachen im Juni um 22 Prozent ein. Ein kleiner Trost: Auch der ärgste internationale Rivale Toyota verliert leicht.

Der Aufwärtstrend am US-Automarkt geht an VW vorbei. AFP; Files; Francois Guillot

Volkswagen

Der Aufwärtstrend am US-Automarkt geht an VW vorbei.

Detroit/BangaloreVW fährt in den USA weiter deutlich hinterher: Während sich der US-Absatz der Autobranche im Juni insgesamt stark präsentierte, litt der größte deutsche Hersteller unvermindert an den Folgen des Diesel-Skandals. Der Absatz brach im Vergleich zum Vorjahresmonat um fast 22 Prozent auf 23.809 Fahrzeuge ein, wie Volkswagen of America am Freitag mitteilte. Auch die Rivalen Toyota Motor (minus 5,6 Prozent auf 198.257 Fahrzeuge) und GM (minus 1,6 Prozent auf 255.210) mussten Einbußen hinnehmen. Da der Juni in diesem Jahr einen Verkaufstag mehr hatte als im vergangenen, war der durchschnittliche Absatz pro Tag noch niedriger.

Besser als VW schlug sich die Tochter Audi, die ihren Absatz um ein Prozent auf 18.445 Fahrzeuge steigerte. Die Zahlen von Daimler, Porsche und BMW standen zunächst noch aus. Aufwärts ging es bei Ford (plus 6,4 Prozent auf 240.109 Wagen) und Fiat Chrysler (plus sieben Prozent auf 197.073).

Wer Volkswagen verklagt

Große Probleme für VW

Volkswagen hat sich zur Beilegung des Dieselskandals in den USA mit Klägern auf Zahlungen von mehr als 15 Milliarden Dollar verständigt. Der außergerichtliche Vergleich mit Behörden und Dieselbesitzern ist der erste große Schritt zur Aufarbeitung der Manipulation. Weltweit sieht sich Volkswagen mit milliardenschweren Schadenersatzklagen auch von Anlegern konfrontiert. Die Inhaber von Aktien und Anleihen des Konzerns sind neben Autobesitzern und Behörden die dritte große Gruppe, die finanzielle Ansprüche an den Konzern stellt. Weltweit werfen Investoren dem Unternehmen vor, es habe die Öffentlichkeit im vergangenen Jahr über die Manipulation mit ihren schwerwiegenden finanziellen Folgen zu spät informiert. Der Konzern müsse deshalb auch für Kursverluste von VW-Wertpapieren aufkommen. Volkswagen hat diese Vorwürfe zurückgewiesen.

Andreas Tilp

Der Tübinger Rechtsanwalt hat nach eigenen Angaben beim Landgericht Braunschweig eine Klage eingereicht, mit der rund 280 institutionelle Anleger aus mehreren Ländern fast 3,3 Milliarden Euro Schadensersatz für Kursverluste fordern. Außerdem vertritt Tilp mehr als 1100 Privatanleger, die durchschnittlich einen Schaden von 47.000 Euro geltend machen.

Quinn Emanuel

Die Hamburger Kanzlei Quinn Emanuel reichte Klagen für rund 50 institutionelle internationale Investoren ein, darunter der milliardenschwere Pensionsfonds für Lehrer in Kalifornien, ein Staatsfonds und Hedgefonds. Die geforderte Summe beläuft sich auf 680 Millionen Euro. Unterstützt wird Quinn Emanuel vom Prozesskostenfinanzierer Bentham Europe, an dem der US-Hedgefonds Elliott beteiligt ist.

Pensionsfonds aus Boston

Der Pensionsfonds für Angestellte der US-Stadt Boston hat nach Angaben einer Anwaltskanzlei eine Sammelklage gegen Volkswagen eingereicht. Er hält Anleihen von Volkswagen und wirft dem Autobauer vor, seine Gläubiger getäuscht zu haben, wie die Kanzlei Labaton Sucharow mitteilte. Die Klage wurde bei einem US-Bezirksgericht in Kalifornien eingereicht.

Niederländische Stiftung

Eine als Stiftung eingerichtete Kläger-Organisation pocht auf einen außergerichtlichen Vergleich. Volkswagen könne so zu geringeren Kosten eine Welle von Schadensersatzklagen abwenden, erklärte Henning Wegener, Chef der nach niederländischem Recht gegründeten „Stichting Volkswagen Investors Claim“.

Nieding + Barth

Die Frankfurter Kanzlei hatte ebenfalls eine Klage am Landgericht Braunschweig angekündigt. Insgesamt strengten 66 Investoren aus den USA und Großbritannien dieselbe Klage an, die Volkswagen einen Verstoß gegen das Wertpapierhandelsgesetz wegen verspäteter Bekanntgabe der illegalen Abgasmanipulation von Diesel-Fahrzeugen in den USA vorwirft.

Alllianz und Dekabank

Der Versicherungskonzern Allianz und die Dekabank ziehen gegen Volkswagen wegen der Abgasaffäre vor Gericht. Finanzkreisen zufolge beteiligt sich das Wertpapierhaus der Sparkassen neben der Allianz-Tochter AGI an der Klage. Die Deka ist nach Reuters-Daten elftgrößter VW-Aktionär und hält einen Anteil von 0,6 Prozent.

Kleinanleger

In Deutschland gingen beim zuständigen Landgericht Braunschweig zudem rund 120 Klagen von Kleinanlegern ein, die Schäden von jeweils zwischen 600 Euro und zwei Millionen Euro geltend machen.

Die Forschungsgruppen J.D. Power und LMC Automotive waren davon ausgegangen, dass der US-Absatz im Juni insgesamt um fünf Prozent auf 1,55 Millionen Fahrzeuge steigen würde. Für das Gesamtjahr erwartet J.D. Power allerdings keinen neuen Rekord nach 17,47 Millionen verkauften Fahrzeugen 2015.

Von

rtr

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