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16.12.2016

11:30 Uhr

Volkswagen

Absatz steigt dank China-Geschäft

Der Wolfsburger Autobauer Volkswagen hat seinen Absatz dank guter Geschäfte in China im November gesteigert. In Europa ging die Zahl der verkauften Fahrzeuge allerdings zurück – insbesondere in Deutschland.

Volkswagen steigerte den Absatz in China. AP

Gute Geschäfte im Ausland

Volkswagen steigerte den Absatz in China.

München/WolfsburgDas weiterhin starke China-Geschäft und ein Lebenszeichen vom US-Markt haben dem VW-Konzern im vergangenen Monat angetrieben. Der Autobauer mit seinen zwölf Marken lieferte im November 899.400 Fahrzeuge an Kunden in aller Welt aus, was einer Steigerung von 7,9 Prozent entspricht. Nach den ersten elf Monaten 2016 kamen bislang fast 9,38 Millionen Fahrzeuge zusammen und damit 3,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das teilte Europas größter Autobauer am Freitag in Wolfsburg mit.

Damit dürfte VW auch in diesem Jahr trotz der Diesel-Krise so gut wie sicher wieder mehr als zehn Millionen Fahrzeuge verkaufen. Dabei stünde der Konzern ohne den Boom in China wesentlich schlechter da. So lief es etwa in Südamerika und im Heimatmarkt Deutschland nicht so gut wie vor einem Jahr. Immerhin gab es einen Lichtblick im besonders vom „Dieselgate“-Skandal erschütterten US-Markt: ein Plus von 16,5 Prozent stand dort im vergangenen Monat zu Buche. In China wurde der Konzern 13,6 Prozent mehr Fahrzeuge los.

Zudem kann die Volkswagen-Kernmarke VW beim Absatz die Folgen des Diesel-Skandals zunehmend abschütteln. Im November kletterten die weltweiten Auslieferungen um 7,5 Prozent auf 533.500 Autos. Seit Jahresbeginn hat VW damit gut 5,4 Millionen Wagen verkauft, 1,6 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Was der Zukunftspakt für die VW-Standorte bedeutet

Wolfsburg

Bis 2020 sollen am Stammsitz rund 1000 Arbeitsplätze in Zukunftsfeldern entstehen. Der nächste Golf 8 für die USA soll in Wolfsburg gefertigt werden, außerdem ein SUV für die spanische Tochter Seat. In anderen Bereichen läuft die Fertigung bis 2022 aus – unter anderem beim Lenkstangenrohr und der Räderfertigung.

Kassel

Das größte Teilewerk des Konzerns soll im VW-Konzern das Leitwerk für den Elektro-Antriebsstrang werden – samt Entwicklungsaufgaben. Zudem sollen in Nordhessen auch mehr Ersatzteile gefertigt werden.

Salzgitter

Das Motorenwerk in Salzgitter gilt als einer der Verlierer aufkommender E-Antriebe. Der Standort soll daher die Federführung bei der Entwicklung von Batteriezelltechnologien erhalten und – soweit wirtschaftlich tragbar – auch die Serienfertigung der Zellen. Die Produktion von Hauptkomponenten für E-Motoren soll sich Salzgitter mit Kassel teilen.

Emden

Ab 2019 soll Emden ein viertes Modell bekommen, um die Auslastung des Werkes an der Küste zu sichern. Im Zuge der Abgasaffäre hatte VW im März angekündigt, die Verträge von 2150 Leiharbeitern nicht zu verlängern.

Hannover

Die Gießerei und der Bereich Wärmetauscher standen auf dem Prüfstand, bleiben aber erhalten und sollen auch Komponenten für die E-Antriebe der Zukunft liefern. Zudem wird in der Gießerei der 3D-Druck von Teilen angesiedelt. In beiden Bereichen fallen jedoch Stellen weg.

Braunschweig

Das Werk bekommt die Entwicklung für Batteriesysteme in den Produktionsbaukästen des Konzerns sowie die Montage von einigen Batterien. Zudem soll die Produktion von Lenkungen ausgebaut werden. Die Kunststofffertigung wird dagegen bis 2021 eingestellt, auch Fahrwerke werden wohl Arbeit verlieren.

Zwickau

Neue Golf-Modelle sollen auch weiter in Zwickau gebaut werden, zudem soll das Werk ein Elektromodell erhalten. Dennoch wird die Zahl der Beschäftigten sinken.

Auch bei der Marke VW wird der Aufschwung vom boomenden China-Geschäft getragen. Im vergangenen Monat brachte VW dort allein 285.000 Fahrzeuge an die Kunden, das ist ein Zuwachs von 15,4 Prozent. Dagegen sieht die Bilanz in Deutschland enttäuschend aus. Hierzulande wurde VW nur noch 44.300 Wagen los, 16 Prozent weniger als vor einem Jahr. Das Unternehmen begründet diesen Absturz auch mit verlängerten Nutzungszeiten im Mitarbeiter-Leasing.

In den USA, dem Ursprungsland des Skandals, zeichnet sich hingegen etwas Entspannung ab. Dort zogen die Verkäufe um fast ein Viertel auf 29.700 Autos an. Allerdings lieferten sich Händler dort rund um Thanksgiving eine neue Rabattschlacht.

Zudem machte sich ein statistischer Effekt in der Absatzbilanz bemerkbar: Der vor gut einem Jahr im Zuge des Abgas-Skandals verhängte Verkaufsstopp für Dieselfahrzeuge fällt im Jahresvergleich zunehmend weg und zieht die Zahlen deshalb nicht mehr nach unten.

Volkswagen hatte auch als Reaktion auf den Skandal um manipulierte Abgastests bei Dieselfahrzeugen einen grundlegenden Konzernumbau angekündigt. Der Konzern will die Elektromobilität deutlich ausbauen und angesichts des digitalen Wandels massiv ins Geschäft mit Mobilitätsdienstleistungen einsteigen.

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