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12.01.2007

09:15 Uhr

Volkswagen

Alte Garde erstickt Kulturrevolution

Nach nicht einmal zwei Wochen an der Spitze von Volkswagen krempelt Martin Winterkorn den Autokonzern komplett um. In diesem neuen Unternehmen, das er ganz auf sich zuschneidet, ist kein Platz mehr für Markenvorstand Wolfgang Bernhard. Dabei könnte VW einen Mann wie ihn gebrauchen – gerade jetzt. Ein Kommentar.

Wolfgang Bernhard (l.) geht. Martin Winterkorn (r.) hat ihn verscheucht. Foto: dpa dpa

Wolfgang Bernhard (l.) geht. Martin Winterkorn (r.) hat ihn verscheucht. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Überraschend ist der Rücktritt des schillernden Volkswagen-Markenvorstands Bernhard nicht. Mit der Nominierung des bisherigen Audi-Chefs Winterkorn zur neuen Nummer eins in Wolfsburg war bereits Ende letzten Jahres klar: Der wohl begabteste deutsche Automanager hat bei Volkswagen keine Zukunft mehr.

Konnte Bernhard unter dem konzilianten Bernd Pischetsrieder noch schalten und walten, wie er wollte, so wären ihm unter dem dominanten Winterkorn und dessen Herrn, dem Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, Handschellen und Maulkorb verpasst worden. Einen derart derben Machtverlust konnte der superehrgeizige Querdenker nicht zulassen.

Für Europas größten Autobauer ist der Weggang von Bernhard ein herber Verlust. Er war es, der hinter den jüngsten Erfolgen des Unternehmens stand. Er hat mit seiner einmaligen Härte die in Wolfsburg so mächtigen Gewerkschaften zu bislang undenkbaren Zugeständnissen gebracht. Er hat auch die oft starrsinnigen Manager der zweiten und dritten Führungsebene zu einer engeren Zusammenarbeit verpflichtet. Dadurch konnten die früher im Moloch VW üblichen Doppelarbeiten verringert und andere Ineffizienzen teilweise beseitigt werden. Wären Bernhard mehr als zwei Jahre im VW-Reich vergönnt gewesen, er hätte eine Kulturrevolution in die Wege geleitet.

Sein Rückzug ist schade, auch für die Aktionäre. Denn dem Börsenkurs und dessen Potenzial kann Bernhards Abgang eigentlich nicht gut tun. Ferdinand Piëch ficht dies indes nicht an. Er benimmt sich heute bereits wie der alleinige Eigentümer von VW. Querdenker wie Bernhard haben im von Piëch dominierten Wolfsburg nichts mehr zu suchen. Wer wird nun dem Alten Paroli bieten?

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