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26.06.2017

09:36 Uhr

Volkswagen

Arbeiter in der Slowakei beenden Streik

Tausende VW-Mitarbeiter haben in der Slowakei für eine bessere Bezahlung gestreikt. Unterstützung erhielten sie vom linkspopulistischen Premier. Die erzielte Einigung bringt den Beschäftigten eine deutliche Lohnerhöhung.

Nach Firmenangaben erhalten die Beschäftigten von diesem Monat an 4,7 Prozent mehr Lohn. Weitere Erhöhungen sollen folgen. Imago

Proteste vor dem VW-Werk Bratislava

Nach Firmenangaben erhalten die Beschäftigten von diesem Monat an 4,7 Prozent mehr Lohn. Weitere Erhöhungen sollen folgen.

BratislavaNach einem sechstätigen Streik bei Volkswagen in der Slowakei hat sich das Management mit der Gewerkschaft auf einen Lohnabschluss geeinigt. Eine VW-Sprecherin sagte am Sonntagabend, die Beschäftigten würden am Montag die Arbeit wiederaufnehmen. Die Gewerkschaft bestätigte die Einigung. „Wir beenden den Streik mit sehr erfolgreichen Verhandlungen“, erklärte Gewerkschaftschef Zoroslav Smolinsky auf Facebook.

Nach Firmenangaben erhalten die Beschäftigten von diesem Monat an 4,7 Prozent mehr Lohn. Weitere Erhöhungen von 4,7 Prozent ab Januar 2018 und von 4,1 Prozent ab November 2018 sollen folgen. Hinzu kommt eine Einmalzahlung von 500 Euro. Die Gewerkschaft hatte ursprünglich ein Plus von 16 Prozent über einen Zeitraum von zwei Jahren verlangt. Das Angebot der Arbeitgeber lag bei insgesamt 8,7 Prozent.

VW beschäftigt in der Slowakei 12.300 Mitarbeiter. 70 Prozent davon beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben an dem seit Dienstag laufenden Streik. Es ist die erste Arbeitsniederlegung bei VW in der Slowakei. Dort ist der Konzern der größte Arbeitgeber aus der Privatwirtschaft. Wichtigster Impulsgeber für das Wirtschaftswachstum ist die Autobranche. In der Slowakei mit 5,4 Millionen Einwohnern werden mehr als eine Million Autos im Jahr produziert. Auf eine derartige Quote kommt kein anderes Land.

Auch in anderen Firmen wird in der Slowakei kaum gestreikt. Neu am Arbeitskampf bei Volkswagen war zudem, dass erstmals die slowakischen Mitarbeiter eines großen westlichen Konzerns gegen den Status der Slowakei als Billiglohnland rebellierten. Die Medien erwarten sich davon eine Signalwirkung auch für andere Firmen.

Der Streik wurde von der Regierung unterstützt, die sich für höhere Einkommen einsetzt. Nach Gewerkschaftsangaben verdienen die VW-Beschäftigten im Schnitt 1800 Euro im Monat einschließlich Boni. Das sei zwar das Doppelte des Durchschnittseinkommens in der Slowakei. Die VW-Kollegen in Deutschland bekämen aber für vergleichbare Arbeit mit 4200 Euro deutlich mehr. In Bratislava werden etwa der Geländewagen Touareg, der Kleinwagen Up und der Audi Q7 gebaut.

Die VW-Gewerkschafter hatten auf ihrer Facebook-Seite immer wieder die Lohnunterschiede innerhalb des VW-Konzerns kritisiert: Das Automobilwerk am Stadtrand von Bratislava sei eines der weltweit produktivsten, dennoch bekämen die Mitarbeiter nur einen Bruchteil des Geldes ihrer deutschen Kollegen. Diese Kritik verdeutlichten auch Transparente der demonstrierenden Arbeiter mit dem Vorwurf an die Konzernführung in Wolfsburg: „Für uns das Minimum, für euch das Maximum.“

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