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25.04.2015

23:33 Uhr

Volkswagen-Aufsichtsrat

VW-Patriarch Piëch legt alle Ämter nieder

Ferdinand Piëch kommt Gerüchten, er werde nicht mehr als VW-Aufsichtsratschef wiedergewählt, zuvor: Er tritt von seinen Ämtern zurück, wie auch Ehefrau Ursula. Sein Nachfolger äußert sich bereits zu dem Abgang Piëchs.

Volkswagen-Streit

Ferdinand Piëch: Der VW-Patriarch schmeißt hin

Volkswagen-Streit: Ferdinand Piëch: Der VW-Patriarch schmeißt hin

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WolfsburgFerdinand Piëch hat nach dem Machtkampf um die Volkswagen-Spitze das Vertrauen verspielt - und muss sich nach Jahren als Chefaufseher zurückziehen. Der 78 Jahre alte VW-Patriarch trat am Samstag mit sofortiger Wirkung von seinem Kontrolleursposten zurück, wie Volkswagen mitteilte. Auch Piëchs Ehefrau Ursula gibt demnach ihr Mandat in dem Kontrollgremium ab. Mit Piëchs Rücktritt steht der Konzern vor einer Zeitenwende. Der frühere IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber übernimmt im Aufsichtsrat kommissarisch den Vorsitz.

Drei beispiellose Wochen VW-Machtkampf

10. April

Piëch rückt überraschend von Vorstandschef Martin Winterkorn ab. Er sagt dem „Spiegel“: „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn.“ Betriebsratschef Bernd Osterloh und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) - beide im Volkswagen-Aufsichtsrat - stärken Winterkorn daraufhin den Rücken.

12. April

VW-Aufsichtsrat Wolfgang Porsche geht auf Abstand zu seinem Cousin Piëch: „Die Aussage von Herrn Dr. Piëch stellt seine Privatmeinung dar, welche mit der Familie (...) nicht abgestimmt ist.“ Die Familien Porsche und Piëch halten die Stimmmehrheit an VW.

16. April

Der engste Kreis des Aufsichtsrats, das sechsköpfige Präsidium, kommt zu einem Sondertreffen in Salzburg zusammen. Mit von der Partie ist auch Vorstandschef Winterkorn.

17. April

Das Aufsichtsrats-Präsidium erklärt, Winterkorn sei der „bestmögliche“ Vorstandschef. Sein bis Ende 2016 laufender Vertrag solle verlängert werden. Nach dpa-Informationen hatte Piëch beim Sondertreffen alle übrigen fünf Mitglieder des Präsidiums gegen sich.

19. April

Winterkorn sagt wegen eines grippalen Infekts einen Auftritt auf der Automesse in Shanghai ab. In Medien wird darüber spekuliert, dass nun Piëch um seinen Posten bangen muss. Dies wird im Konzern zurückgewiesen. Der niedersächsische Regierungschef Weil erklärt, er setze weiter sowohl auf Piëch als auch auf Winterkorn.

22. April

Altkanzler Gerhard Schröder springt Piëch zur Seite. Schröder, der zu seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident selbst im VW-Aufsichtsrat saß, sagt der „Bild“-Zeitung, Piëch habe für den Konzern und dessen Beschäftigte „unermesslich viel getan“.

23. April

Nach übereinstimmenden Informationen des NDR, der „Welt“ und der dpa hat Piëch versucht, Winterkorn vor der Hauptversammlung am 5. Mai absetzen zu lassen. Piëch dementiert dies und erklärt: „Wir haben uns letzte Woche ausgesprochen. Und uns auf eine Zusammenarbeit geeinigt. Ich betreibe die Ablösung von Martin Winterkorn nicht.“

25. April

Piëch hat den Machtkampf an der VW-Spitze verloren. In einer Pflichtmitteilung für die Börse teilt das Unternehmen überraschend mit, dass der 78-jährige Konzernpatriarch und seine Frau Ursula mit sofortiger Wirkung ihre Kontrollmandate aufgeben.

30. April (I)

Auf Antrag des Konzernvorstandes beruft das Amtsgericht in Braunschweig Piëchs Nichten Louise Kiesling (57) und Julia Kuhn-Piëch (34) als neue Aufsichtsratsmitglieder. Grundlage dafür ist Paragraf 104 im Aktiengesetz. Die beiden Frauen können nun die Amtszeit des Ehepaars Piëch aufbrauchen, sie läuft noch bis Frühling 2017.

30. April (II)

Nach Informationen des „Spiegel“, der „Bild“ und der dpa wünscht sich Piëch anstelle seiner Nichten den früheren BMW- und Linde-Manager Wolfgang Reitzle, der aktuell den Aufsichtsrat beim Autozulieferer Continental leitet. Die Reitzle-Idee hegte Piëch schon lange vor diesen turbulenten Tagen. Und er wolle die langjährige Siemens-Vorstandsfrau Brigitte Ederer als Kontrolleurin an Bord.

Das Präsidium des VW-Aufsichtsrats begründete den Rücktritt Piëchs am Samstag mit einem zerrütteten Verhältnis: „Die Mitglieder des Präsidiums haben einvernehmlich festgestellt, dass vor dem Hintergrund der vergangenen Wochen das für eine erfolgreiche Zusammenarbeit notwendige wechselseitige Vertrauen nicht mehr gegeben ist“, hieß es in einer Erklärung.

Ähnlich deutliche Worte nutzte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, der in Hannover für die VW-Kapitaleigner Stellung nahm: „Die Diskussion der vergangenen zwei Wochen ist schädlich gewesen für Volkswagen. Es gab eine Flut von Personaldebatten. Das Präsidium (des Aufsichtsrates) musste deshalb die notwendige Klarheit schaffen.“

Huber hat nach Weils Worten „die ausdrückliche Unterstützung der Anteilseigner“. Das Land Niedersachsen ist nach den Familien Porsche und Piëch der zweitwichtigste VW-Aktionär. Auch Huber sprach von einem Vertrauensverlust zwischen Piëch und dem Rest des Präsidiums, „der sich in den letzten Tagen als nicht mehr lösbar erwiesen hat“.

Piëch galt über viele Jahre als das Machtzentrum bei VW. Vor rund 14 Tagen hatte er das interne Ringen um die Zukunft der VW-Spitze öffentlich gemacht, indem er dem „Spiegel“ sagte, er sei „auf Distanz“ zum Volkswagen-Chef Martin Winterkorn. Damit rückte Piëch völlig überraschend von seinem langjährigen beruflichen Ziehsohn ab.

Die Entmachtung des Patriarchen ist nun das Finale eines tagelangen Ringens um die Einflussnahme an der Spitze des größten europäischen Autobauers. Piëchs Rücktritt war am Samstagnachmittag ein erneutes Krisentreffen der sechsköpfigen Aufsichtsratsspitze vorausgegangen. Das Gremium versammelte sich nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in Braunschweig am Flughafen. Am Ende der mehrstündigen Beratungen stand fest, dass Piëch gehen wird.

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