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18.11.2016

10:32 Uhr

Volkswagen baut Stellen ab

Ein historischer Einschnitt für VW

VonStefan Menzel

Vorstand und Betriebsrat von VW haben ihr Sparpaket mit drastischen Einschnitten für die deutschen Standorte präsentiert. Doch der Erfolg ist nicht garantiert. Ein Zaudern kann sich VW nicht mehr erlauben. Ein Kommentar.

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WolfsburgEs ist ein dramatischer Tag für den Volkswagen-Konzern. In den nächsten Jahren sollen bis zu 30.000 Menschen das Wolfsburger Unternehmen verlassen, 23.000 davon in Deutschland. So tief ist ein Einschnitt bei Volkswagen nie zuvor gegangen. Deshalb ist es durchaus angebracht, von einem historischen Pakt zu sprechen, auf den sich Vorstand und Betriebsrat verständigt haben.

Es wird ein schmerzlicher Einschnitt, auf den sich besonders die deutschen Standorte einzustellen haben. Wenn von den gut 120.000 Arbeitsplätzen hierzulande an die 20 Prozent dauerhaft gestrichen werden, dann tut das weh.

Was der Zukunftspakt für die VW-Standorte bedeutet

Wolfsburg

Bis 2020 sollen am Stammsitz rund 1000 Arbeitsplätze in Zukunftsfeldern entstehen. Der nächste Golf 8 für die USA soll in Wolfsburg gefertigt werden, außerdem ein SUV für die spanische Tochter Seat. In anderen Bereichen läuft die Fertigung bis 2022 aus – unter anderem beim Lenkstangenrohr und der Räderfertigung.

Kassel

Das größte Teilewerk des Konzerns soll im VW-Konzern das Leitwerk für den Elektro-Antriebsstrang werden – samt Entwicklungsaufgaben. Zudem sollen in Nordhessen auch mehr Ersatzteile gefertigt werden.

Salzgitter

Das Motorenwerk in Salzgitter gilt als einer der Verlierer aufkommender E-Antriebe. Der Standort soll daher die Federführung bei der Entwicklung von Batteriezelltechnologien erhalten und – soweit wirtschaftlich tragbar – auch die Serienfertigung der Zellen. Die Produktion von Hauptkomponenten für E-Motoren soll sich Salzgitter mit Kassel teilen.

Emden

Ab 2019 soll Emden ein viertes Modell bekommen, um die Auslastung des Werkes an der Küste zu sichern. Im Zuge der Abgasaffäre hatte VW im März angekündigt, die Verträge von 2150 Leiharbeitern nicht zu verlängern.

Hannover

Die Gießerei und der Bereich Wärmetauscher standen auf dem Prüfstand, bleiben aber erhalten und sollen auch Komponenten für die E-Antriebe der Zukunft liefern. Zudem wird in der Gießerei der 3D-Druck von Teilen angesiedelt. In beiden Bereichen fallen jedoch Stellen weg.

Braunschweig

Das Werk bekommt die Entwicklung für Batteriesysteme in den Produktionsbaukästen des Konzerns sowie die Montage von einigen Batterien. Zudem soll die Produktion von Lenkungen ausgebaut werden. Die Kunststofffertigung wird dagegen bis 2021 eingestellt, auch Fahrwerke werden wohl Arbeit verlieren.

Zwickau

Neue Golf-Modelle sollen auch weiter in Zwickau gebaut werden, zudem soll das Werk ein Elektromodell erhalten. Dennoch wird die Zahl der Beschäftigten sinken.

Aber es gibt keine Alternative dazu, dass Volkswagen in Deutschland kleiner, schneller und agiler werden muss. Die Rendite von aktuell 1,6 Prozent bei der Marke VW ist im Vergleich zu den meisten anderen Wettbewerbern miserabel. Premiumanbieter wie Mercedes und BMW treten mit an die zehn Prozent in einer anderen Liga an, selbst ein Massenhersteller wie Peugeot ist mit rund sechs Prozent deutlich besser.

VW muss in Deutschland unbedingt mit den Kosten herunter, und dazu gehört dann eben auch ein Stellenabbau in wirklich großen Dimensionen. Aus Sicht der Betroffenen ist das ein harter Schlag. Aber, ganz der Tradition des Konzerns entsprechend, geht Volkswagen dabei einen sozialverträglichen Weg. Betriebsbedingte Kündigungen wird es nicht geben. Den überwiegenden Teil des Stellenabbaus erreicht Volkswagen über Altersteilzeit und Vorruhestand. Insofern werden die Beschäftigten die Last des Stellenabbaus nicht zu tragen haben.

Elektrifizierung und Digitalisierung geben dem VW-Konzern in den kommenden Jahren ein neues Gesicht. Der Batterieantrieb, das Autonome Fahren und die neuen Mitfahrdienste werden Milliarden an Investitionen verschlingen. Doch zugleich gehen Volkswagen an anderer Stelle gewaltige Milliardenbeträge verloren – als Strafgelder und Entschädigungszahlungen in der Dieselaffäre. Deshalb ist der neue Sparkurs erst recht unverzichtbar. Nur wenn VW schlanker und effizienter wird, lassen sich die zusätzlichen Investitionen finanzieren.

Kommentare (43)

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Herr Franz Giegl

18.11.2016, 10:46 Uhr

geht ja richtig vorwärts in Deutschland, weiter so!!! Echt klasse!!!

Herr Percy Stuart

18.11.2016, 10:49 Uhr

Menschen und deren berufliche wie soziale Existenzen sind in dieser kalten Kapital-, Wirtschafts- und Machtwelt noch Humankapital und Kennziffern auf Excelcharttabellen, die man bei Bedarf billig entleihen oder wie jetzt bei VW wieder freisetzen kann, so wie man es gerade für die Bilanzen benötigt!
WIR sollten da als Gesellschaft nicht mehr länger mitspielen, denn wir sind nur ihre Bauernopfer, die man im Wirtschaftsstrategiespiel der globaliserten Welt einfach hin und herschiebt.
Es ist schon schon bemerkenswert, das die Globalsierungsgewinner und Freihandelsbefürworter uns immer wieder erzählen, dass es ohne nicht ginge!
Seit 1945 bis zum Jahr 1995 (Schengener Abkommen) / 2002 (Euroeinführung) hatten wir einen deutschen Nationalstaat der funktionierte. Erst nachdem man dei Grenzen aufgab, die D-Mark abschaffte, die soziale Marktwirtschaft aufkündigte und Arbeits- wie Finanzmärkte deregulierte gingen die riesigen Verwerfungen und Probleme los. Ergebnis davon sind illegale unkontrollierte Massenzuwanderungen nach Europa, Weichwährung Euro, ständige Banken- Staaten- und Eurorettungspakete, Nullzinspolitik der Notenbanken, weltweite sich immer schneller drehende Verschuldungsspirale, zunehmender Rechts- und Linksextremismus, zerstrittene und zerfallende Gesellschaften inkl. Massenarbeitslosigkeit in großen Teilen Europas. Es ist einfach nur noch ein Trauerspiel. Versprochen hatte man uns Europäern was völlig anderes!!!

Was ist nur aus Deutschland geworden?
Wann wird endlich die NOTBREMSE gezogen und dieser Wahnsinn beendet?

Herr Percy Stuart

18.11.2016, 10:49 Uhr

Menschen und deren berufliche wie soziale Existenzen sind in dieser kalten Kapital-, Wirtschafts- und Machtwelt nur noch Humankapital und Kennziffern auf Excelcharttabellen, die man bei Bedarf billig entleihen oder wie jetzt bei VW wieder freisetzen kann, so wie man es gerade für die Bilanzen benötigt!

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